Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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wird ihnen allesamt so wehmütig-wohl, daß sie nicht Lust noch Kraft haben, sich loszureißen von Basche Leas Gesang. Und gegenüber in der Schneider-Betstube stehen die Leute gerade beim Abendgebet. In der Stube ist's finster, und man betet andächtig und hingegeben. Da plötzlich zieht durch die alten, zerbrochenen Fenster Basche Leas Gesang herein, die Gedanken werden abgelenkt, und schwächer wird das' Murmeln und das Schaukeln der Beter. Nur ihr Rabbi, der „Gestrenge", hält sich, reibt die Stirn und beginnt noch stärker seinen Leib zu schaukeln, noch lauter zu murmeln. Die Beter reißen sich empor wie aus dem Schlafe, murmeln aufs neue und schaukeln wieder vor und zurück, aber in den Herzen, da zieht etwas ganz seltsam und läßt nicht nach. . . . Da mit einem Male ergießt sich übers Gäßchen ein langer, hoher Ton, — Basche Lea hat geendigt. Deutschland Frankfurt a. ML, 26. Dezember. Von dem, was die Taten unserer Väter erzählen, sprach gestern abend vor dicht besetztem Saale unter wiederholt lebhaften Beifallskundgebungen Herr Kantor Bl^itz aus Dessau in der hiesigen Ortsgruppe der Misrachi. Er zeigte das Ringen zwischen dem weltbeherrschenden Rom. und dem kleinen Völkchen der Judäer, ein Ringen, das 2 Jahrhunderte währte. Dieses Volk der Judäer war nicht so geduldig wie die ändern Völker, die warteten, bis Rom an Altersschwäche starb, um sich die Freiheit zurückzuerobern; für sie galt es vor allen Dingen, ihre geistigen Werte zu schützen, und so beseelte sie eine Tapferkeit und ein Opfermut, eine Liebe zu Vaterland und Religion, wie solche den Römern auf ihrem Eroberungszuge durch die Welt noch nicht begegnet waren. Jetzt, da das jüdische Volk nach 2000 jährigem Schlafe sich zu recken beginnt und gewillt ist, seine alte Freiheit und Selbstständigkeit wieder zu erlangen — schloß der Redner —, möge es geeint dastehen, denn nur durch Einigkeit seiner großen Gesamtheit kann es zu seinem Ziele gelangen. Dem Vortrage gliederte sich eine lebhafte und interessante Debatte an. Breslau. Hier hat sich eine Misrachigruppe gebildet, der sich eine Anzahl bisher dem Zionismus Fernstehender angeschlossen hat, und die so der zionistischen Bewegung gewonnen wurden. — Meldungen und Zuschriften an Max Kober, Breslau VI. Dresden: Unsere Makkabäerfeier fand am 3. Dezember statt. Die fesselnde, inhaltsvolle Festrede hielt Dr. Elias Auerbach, Berlin. Österreich Judischer Volks-Verein „Zion" Teplitz-Schönau: Generalversammlung. Der Jahresbericht konstatiert stetige Entwicklung und Vertiefung des zionistischen Gedankens. Kassabericht: Mitgliederbeiträge 870 Kr., Spenden: 618 Kr., Telegramme, Zionsmarken, Broschüren etc. 149 Kr. Schekel 400 Kr., Makkab.-Feier 306 Kr., Diverse 34 Kr. Parteisteuern u. Verwaltungskosten des Vereins und Rayons wurden aus diesem Einkommen gedeckt und ein Saldo von 314 Kr. vorgetragen. Für den Nationalfonds wurden insgesamt aufgebracht: Vom Vereine 340 Kr., den Mittelschülern 100 Kr., vom Mädchenklub 409 Kr., zusammen 849 Kr. Die Selbstbesteuerung ergab 469 Kr., Ölbäume 41 Die Gäste atmen auf. Alle sprechen auf einmal, jeder lobt auf seine Art ihren Gesang: „Verbrannt mag sie werden, welch ein Gesang!"*) „Verstummen soll sie! So eine süße Stimme!" „Ein Hals wie von einem guten Schlemmer!" Doch das kleine Töchterchen läuft auf seine Mutter zu, faßt sie um den Hals und preßt sie stark, starkan sich. „O Muttchen, Muttchen, hab' ich dich lieb!" ruft das Kind entzückt. Und der Färber kriecht von der Ofenbank und fragt gerührt: „Nun, was sagt ihr zu meiner Alten, ha?" Basche Lea aber lächelt wieder. ... *) Volksart, das Entzücken mit einem Fluch zu begleiten, um das Gute nicht zu „berufen". zu 287 Kr., für die Palästinakommission 661 Kr., Bezalel 100 Kr., russische Waisen 14 Kr., M. Rosenfeld 20 Kr., Shareklub m 50 Aktien 1200 Kr., Parteisteuer 158 Kr., Schekel 376 Kr. Die Sammlung für den Parteifonds, bisher 1450 Kr. (noch nicht abgeschlossen). Außerdem wurden ins Goldene Buch drei Eintragungen mit 750 Kr. durchgeführt. Insgesamt wurden im Berichtsjahre rund 6400 Kr. zionistischen Zwecken gewidmet Die Neuwahl ergab das gleiche Resultat wie früher; nur tauschten die beiden Präsidenten die Plätze, so daß G. G. Ernst Bechert' erster und G. G. Ludwig Steiner zweiter Präsident wurde. Die übrigen Funktionäre blieben. Dr. Emil Margulies wurde einmütig zum Ehrenmitgliede< ernannt. (Wir möchten dieses Zeugnis eines geradezu glänzend arbeitenden Vereines nicht publizieren, ohne mit einigen Worten auf die Bedeutung der darin verzeichneten Tatsachen zurückzukommen. In Teplitz wurden in einem Jahre 6400 Kr. für zionistische Zwecke aufgebracht Gewiß eine bedeutende Ziffer. Aber wie viele, nicht Ortsgruppen, Landmannschaften haben wir, die angesichts dieser Zahlen beschämt zurücktreten müssen! -Und dabei kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der gleiche Erfolg überall zu erzielen wäre, wenn die Arbeit überall so energisch, so zielbewußt und so diszipiniert vorgenommen würde wie von unseren Gesinnungsgenossen in Teplitz. Wir können nur wünschen, daß das Beispiel dieser kleinen Stadt in Böhmen als ein Mahn- und Weckruf der ganzen zionistischen Welt betrachtet werden möge.) Storozynetz (Bukowina). Montag, den .23. Dezember fand hier eine stark besuchte Volksversammlung statt, die vom Verein Poale Zion einberufen war. Gesinnungsgenosse Salomon Herz aus Lemberg referierte über die Haltung der jüdischen Arbeitermassen gegenüber der jüdischen Nation. Sanok. Am 22. Dezember wurde ein Makkabäerabend mit einem reichhaltigen Programm veranstaltet, welcher außerordentlich gut ausfiel. Eine hübsche Summe wurde dann für den Nationalfond gesammelt. Auf Anregung unseres Präsidenten wird jetzt emsig an der Sammlung für ein Nationalhaus in Sanok gearbeitet. 500 J<r. sind schon zu diesem Zwecke gespendet worden.' SÜdgalizischer Distriktstag Samstag am 22. Dezember, fand in Stanislau in den Räumen des Vereines „Erez Israel" der südgalizische Distrikstag statt; an dem Delegierte der Stanislauer sowie der Provinzvereine teilnahmen. AUS DER BEWEGUNG