Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 1 (3.1.1908)
- Date
- 1908-01-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Frl. Meiler erstattet den Rechenschaftsbericht des D. K. Mit Rücksicht auf die Kürze der Zwischenzeit vom letztem Distrikstage bis heute, im ganzen 6 Monate, könne solcher keine außerordentlichen Momente aufweisen. Nach den Reichsratswahlen im Frühjahre sei natürlicherweise eine kurze Stagnation gefolgt, die jedoch infolge „der Vorbereitungen zum Kongreß und der Durchführung der Kongreß wahlen nicht lange anhielt Das D. K. habe bei allen wichtigen zionistischen Konferenzen durch eigene Delegierte teilgenommen. Es habe auch schon Schritte für die Einleitung einer Aktion zugunsten der Abänderung der J. C. T.-Statuten unternommen. Ferner habe es einigen neuen Vereinen zu ihrer Gründung verholfen usw. Es sind heuer 2034 Schkolim verkauft worden. Außerdem haben noch die Poale Zion, die separat marschierten, einige Hundert verkauft An Palästina-Schekel sind noch vor dem Kongresse K. 110,— eingegangen, hiervon K. 98,— aus Stanislau selbst Der südgalizische Distrikt umfaßt jetzt — d. h. nach der Ausschaltung einiger Bezirke und deren Zuweisung zu dem neukreierten D. K. in Tarnopol — 44 Vereine und zwar 35 Männer- und 9 Frauenvereine. An Neugründungen sind in diesem Semester 4 zu verzeichnen. Es entspann sich eine Debatte, an der die Delegierten Horowitz und Wechsler teilnahmen., Nachmittagssitzung. Herr Meier Henisch erhält das Wort zu seinen Referate über den jüdischen Nätionalfonds. Er führt aus: Wir haben auf jedem Gebiete Ersprießliches geleistet Zunächst haben wir eine Flugschrift in jüdischer Sprache veröffentlicht und sie in größerer Anzahl überall hin gratis verschickt. Die Früchte dieser Propaganda sind nicht ausgeblieben. Wir haben uns auch für die Einsetzung von spezieillen N. F.¬ Kommissionen allerorts bemüht und ebenso für die Einführung der Sammelbogen und Sammelbüchsen Sorge getragen. Büchsen befinden sich in 30 Ortschaften unseres Distriktes, in manchen sogar einige Hundert Stück. In Stanislau z. B. erzielen wir mit den Büchsen ein jährliches Einkommen von K. 800,— bis K. 1000,— für den N. F. In der Zeit vom 1. Januar 1907 bis zum 15. Dezember (also kein volles Jahr, und wenn wir die Wahlkampagne berücksichtigen, sind es keine 9 Monate) sind aus unserem Distrikte — ich rechne dazu auch die Städte, die nunmehr Tarnopol gehören — K 8432.69 dem W. F. zugeführt worden. Hiervon durch Wien K. 6308.82 (ausgewiesen in der „Welt" und „Jüdische Zeitung") und durch Lemberg („Wschod") K. 2123.87. Hieran beteiligten sich 44 Orte. 15 Orte mit Beträgen von mehr als K. 100.—, 2 Orte mit mehr als K. 1000.—, eine Stadt mit mehr als K. 2000.— und zwar Stanislau mit K. 2015.70, Drohobycz K. 1342.89, Boryslaw K- 789.80, Kolomea K. 595.28, Stryj K. 505.58, Czortkow K. 902.04, Kossöw K. 352.80, Kalusz.K. 308.25, Buczacz K. 275.34, Bolechöw K. 236.69, Tlumacz K. 222.77, Zaleszczyki K. 202.54, Grozdziec K. 143.27, Öttynia K. 113.57, Kopyczynci K. 101.44. Fassen wir aber das Verhältnis der jüdischen Einwohnerzahl zu den gespendeten Beträgen ins Auge, so gebührt Czortkow der erste Platz. Es entfällt nämlich 17,5 Heller auf jeden Kopf. Bei Drohobycz 14,9 Heller, bei Stanislau 14,2 Heller, usw. Dem abtretenden D. K. wird die Decharge erteilt Der Antrag des Herrn Dr. Sussmann auf Verlegung des D. K. nach Stryj, welcher eine heftige Debatte hervorrief, wurde schließlich fast einstimmig abgelehnt Bei den vorgenommenen Neuwahlen wurden folgende Herren ins D. K. gewählt: Dr. Schur, Dr. Halpern, H. Tropp, Dr. Lutwak, H. Henisch, Dr. Füllenbaum, Dr. Werfe!, H. Eigenfeld, H. Fischgrund, Frl. Melier aus Stanislau und je ein Mitglied von den Kreis-Komitees in Drohobycz, Stryj, Kolomea und Buczacz^ Mit einer Ansprache des Herrn Dr. Braude schloß der Distriktstag. M. H. Rumänien Fast in sämtlichen Städten des Landes wurde von den Zionisten das Makkabäerf est' gefeiert. Überall wurden Versammlungen abgehalten. Besonders opferte dieses Jahr unser Gesinnungsgenosse Dr. L Niemirover seine Zeit und Kräfte. ' Im Laufe weniger Tage besuchte er mehrere Städte des Landes, z. B. Jasi, Vaslui, Harlau, Piatra und Galatz, und hielt Tempelpredigten und Synagogenreden über die Literatur des Zionismus, Parteifonds usw. Die Resultate dieser Veranstaltungen scheinen gute Früchte zu tragen. Amerika Zehn Jahre Zionismus in St. Louis Gelegentlich der Feier des zehnjährigen Bestehens des Bnai Zion-Vereins in St. Louis bringt der „Vorsteher", das in jüdischer Sprache erscheinende Tageblatt dieser Stadt, einen interessanten Artikel über die zehnjährige Geschichte des Zionismus in St Louis, dem wir folgendes entnehmen: Die Juden von St. Louis waren unter den ersten Juden Amerikas, bei denen der Aufruf Dr. Herzls ein Echo fand. Zur selben Zeit, als in Wien die ersten zionistischen Zirkel sich bildeten und der Zionismus eben begann in die jüdischen Kreise Europas langsam Einzug zu halten, kam auch in St Louis eine zionistische Gruppe zustande. Es war im Hause des seligen Dr. Friedman, wo .sich eine kleine Anzahl für den Zionismus begeisterter junger Männer zusammenfand, die bald eine lebhafte- Agitation für den Zionismus und die nationale Idee entfaltete. Die Entwicklung dieser kleinen Gruppe zu einem mächtigen Verein, in dem heute die Zionisten von St Louis zusammengeschlossen sind, ging nicht ohne Schwierigkeiten von statten. Insbesondere die orthodoxen Juden wehrten sich mit aller Gewalt gegen die Überlassung von Synagogen zu zionistischen Propagandazwecken, und nichts ist bezeichnender für den Umschwung der Verhältnisse, der inzwischen eingetreten ist, als die Tatsache, daß das zehnjährige Stiftungsfest der Bnai Zion in einer der größten Synagogen der Stadt, in der der Congregation Tiffereth Israel, stattfand. In derselben Synagoge fand am Nachmittage eine stark besuchte Massenversammlung für den Bezalel statt Der Artikel erinnert dann weiter an den Erfolg der Aktiensubskriptionen der Jüdischen Kolonialbank in St Louis, wo binnen wenigen Tagen 300 Aktien gezeichnet wurden, hier wurde zuerst in Amerika eine Einträgung ins Goldene Buch zustande gebracht, die ersten Nationalfondsbüchsen wurden in St. Louis ausgegeben usw. usw. Die tätigste zionistische Vereinigung New Yorks, die „Hatechia", wird am 18. Januar ihr viertes Stiftungsfest feiern. Die große Arbeitskraft dieses Vereins erhellt am klarsten, wenn man die bescheidenen Anfänge berücksichtigt, aus denen heraus er sich entwickelt hat. Die Gründer des Vereins waren sieben junge russische Juden und eine Jüdin, die gleich nach ihrer Ankunft in New York die zionistische Arbeit begannen. Zunächst trug der Verein den Namen' „Russischer Zionistenverein". Damals verfolgte der Verein eine streng radikale und demokratische Tendenz, ohne sich aber den Poale Zion anzuschließen. In den ersten zwei Jahren ihres Bestehens litt die neue Organisation sehr-unter den Differenzen zwischen den Radikalen und den Poale Zion und den Meinungsverschiedenheiten infolge des Ugandaprojekts. Versammlung über Versammlung wurde abgehalten, Nächte lang wurde diskutiert, bis schließlich diese Fragen genügend erschöpft waren und man Zeit und Lust für energische praktische Arbeit fand. Mit dem Fortschreitendes Verständnisses der Leiter des Vereins für die Sonderheiten des amerikanischen Judentums wurde er mehr konsolidiert; damals änderte er auch seinen Namen in „Hatechia". Der Verein hat im