Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 52 (25.12.1913)
- Date
- 1913-12-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 52 LT 1759 Der Dank der Kiewer Juden an Sir Francis Montefiore Sir Francis Montefiore, der als Ehrenpräsident der English Zionist Federation den Vorsitz in dem Londoner Beilis- Protestmeeting führte, hat ein Dankschreiben von der jüdischen Gemeinde in Kiew erhalten, das die Dienste, die er dadurch dem Judentum geleistet habe, hervorhebt. Diese Anerkennung ist von um so größerer Bedeutung, da die Protest- Versammlung von der English Zionist Federation gegen den ausdrücklichen Beschluß der offiziellen Gemeindeführer einberufen wurde, und viele dieser Herren bis jetzt behauptet haben, daß jeder öffentliche Protest nur der Sache schaden würde und sogar den russischen Juden selbst unerwünscht wäre. Würdeloses Assimilantentum in England Aus London schreibt uns unser dortiger Berichterstatter: Es will scheinen, als ob auch an der Themse — wie an der Spree — eine kleine Anzahl von reichen Assimilanten es unternommen hätte, durch die Beeinflussung der Jugend das Geschick des jüdischen Volkes zu bestimmen. Dieser Anspruch ist schon ziemlich alt, aber er ist noch nicht oft in so augenfälliger Form aufgetreten wie gerade jetzt. Eine Anzahl junger Leute, denen es vielleicht nicht an gutem Willen, sicher aber an jeglichem jüdischen Empfinden mangelt, haben sich zu Führern der jüdischen Jugend aufgeworfen und sie ins assimilatorische Fahrwasser gelenkt. Diese Art ist schon vorige Woche bei der Erwähnung des neu zu eröffnenden Jugendklubs, „Camperdown House“, im East End Londons, hier gekennzeichnet worden. Die Eröffnung dieses Hauses, die dieser Tage stattgefunden hat, ist so ausgefallen, daß sie eine allgemeine, unerwartete Entrüstung hervorgerufen hat. Zu Ehren der englischen Judenheit soll gesagt werden, daß wahrscheinlich noch nie eine so entwürdigende Eröffnungsfeier einer „jüdische u" Anstalt vorgekommen ist, und daß wir gewissermaßen für diesen Beweis ad oculus, wohin die Assimilation endlich führen muß, dankbar sein müssen. Von Anfang bis zu Ende wurde von allen Rednern fast mit keiner Silbe erwähnt, daß dieses schöne Klubgebäude einzig und allein von Juden erbaut worden ist und erhalten werden wird, noch daß die verschiedenen Organisationen, die zum Bau Anlaß gegeben und soweit alles vollkommen in Besitz genommen haben, echt East Endjüdisch sind. Es wurde ausgerechnet von einem Christen, Lord M i 1 n e r , eröffnet, und der Schwerpunkt und Inhalt aller Beglückwünschungen war die frohe Botschaft, daß dieses Klubhaus inmitten des Whitechapeler Ghetto-interkonfessionell sein und bleiben wird! Dazu kam immer der Refrain, daß das ganze Werk zum Wohl und Nutzen des britischen Imperialismus zustande gebracht worden ist. Diese Tragikomödie richtig zu bewerten, muß man aber die Gesichter der anwesenden Stützen des britischen Imperialismus gesehen haben! — Zweihundertjährige Sykomore in Tel Awiw Ein über zweihundert Jahre alter Baum auf dem Gebiet des jüdischen Stadtviertels Tel Awiw in Jaffa. Diese riesige Sykomore, die man bei Bebauung des Terrains sicher zu erhalten suchen wird, ist auch dadurch merkwürdig, daß sich ihre Wurzeln zu einem großen Teil über den Erdboden erheben. Der Längendurchmesser der Baumkrone betragt ca 25 Meter.