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Die Welt · 1913-12-25 · 52 (25.12.1913) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
52 (25.12.1913)
Date
1913-12-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1758 -T Nr. 52 der Juden, die sie unterstützten. Heute ist an ihre Stelle das Hebräische getreten. Neue Schulen, wie die Gymnasien in Jaffa und Jerusalem, sind erstanden, in denen Hebräisch die Unterrichtssprache ist, wie sie es auch in der zu errichtenden Universität sein wird. Der einzige Rückschlag in dieser Entwicklung des Hebräischen ist der Entschluß, in dem neuen jüdischen Technikum zu Haifa Deutsch zur Unterrichtssprache zu machen. Aber ein einzelnes Institut kann sich dem immer wachsenden Strom nicht entgegenstellen, und früher oder später wird das Haifaer Technikum sich den anderen jüdischen Erziehungsstätten anpassen müsse n." WELTCHRONIK Oesterreich und die rumänischen Juden Interpellation des Grafen Karolyi in den Delegationen — Der Standpunkt der Regierung — Die Kritik an der Erklärung des Ministers (Von unserem Wiener Korrespondenten) In der Plenarsitzung der zu Wien tagenden Delegationen vom 17. Dezember gab es eine Sensation. Graf Karolyi rollte in einer sehr eindringlichen Interpellation das rumänische Judenproblem auf. Der Berliner Vertrag habe ausgesprochen, daß Religions- und Konfessionsunterschiede bei der Erwerbung von bürgerlichen und politischen Rechten in Rumänien kein Hindernis bilden können. Die Frage sei jetzt, da Rumänien Silistrien erworben hat, wieder aktuell, denn die Juden dieses Gebietes müßten fordern, daß ihnen die Gleichberechtigung, die sie als bulgarische Untertanen hatten, gewahrt bleibe. Sir Edward Grey habe vom rumänischen Gesandten Misu die Versicherung erhalten, Rumänien werde den Juden des annektierten Gebietes die Gleichberechtigung gewähren und England habe offiziell erwidert, es gehe nicht an, daß es in Rumänien rechtlose und vollberechtigte Juden gebe. Die rumänische Regierung solle daher mit der Gewährung der bürgerlichen und politischen Rechte an alle rumänischen Juden nicht säumen. Graf Karolyi verwies auf die Erklärung König Karols im „Echo de Paris", welche — trotzdem sich der König über die rumänischen Juden günstig äußerte — diesen wenig Hoffnung gibt und auf die Mitteilung Dirmilus, aus der hervorgeht, daß der Dreibund im Interesse der rumänischen Juden intervenierte. Die rumänische Regierung konnte sich jedoch auf den Standpunkt stellen, Graf Andrassy habe seinerzeit erklärt, daß die Monarchie niemals im Interesse der rumänischen Juden intervenieren werde. Graf Karolyi stellte schließlich folgende Anfragen: 1. Ist der Herr Minister des Aeußern geneigt, die Signatarmächte des Berliner Vertrages zu einer gemeinsamen Aktion zu dem Ende aufzufordern, daß den Artikeln 43 und 44 der mit dem Gesetzartikel 8 aus dem Jahre 1S79 inartikulierten Berliner Vertrages Geltung verschafft und daß diese Geltung auch auf die durch Rumänien annektierten neuen Gebiete erstreckt werde? 2. Hat der Herr Minister Kenntnis davon, daß die Regierung Englands bereits solche Schritte initiiert habe, und wenn ja, welchen Standpunkt hat er diesen Schritten gegenüber eingenommen? Die Antwort, welche Graf Berchthold erteilte, ist kurz und leider sehr eindeutig. Er sagte: „Ich beehre mich, die Interpellation des geehrten Delegierten Grafen Michael Karolyi in folgendem zu beantworten: In Angelegenheiten, welche § 44 des Berliner Vertrages berührt, können erfolgreich nur sämtliche Signatarmächte einvernehmlich vorgehen. Ich glaube nicht, daß ein derartiger ein vernehmlicher Schritt zustande gebracht werden könnte, und bin der Ansicht, daß wir trotz der Sympathien, welche jedermann für die religiöse Gleichberechtigung hegt, kein Interesse haben, in dieser Angelegenheit die Initiative zu ergreifen. Ich bemerke auch sofort, daß ich von einer derartigen Initiative der englischen Regierung keine Kenntnis besitze. An uns hat sich die englische Regierung in dieser Frage nicht gewendet. Ich bezweifle es auch sehr, daß das internationale Aufwerfen und Verhandeln dieser Frage den Israeliten Rumäniens zum Vorteil gereichen könnte, zumal die rumänische Regierung diese Angelegenheit immer ausschließlich als eine innere Frage Rumäniens betrachtete. Ich bitte die geehrte Delegation, diese meine Antwort zur Kenntnis nehmen zu wollen." Graf Michael Karolyi nahm diese Antwort nicht zur Kenntnis und drückte sein Bedauern aus, daß Oesterreich-Ungarn in dieser Sache nicht die Initiative ergreift, trotzdem es als Nachbar dazu eher berechtigt ist, als eine andere Signatarmacht. Eine treffliche Rede hielt auch der Delegierte V a z s o n y i: Den unbekannten Stämmen Albaniens gegenüber hat sich die Monarchie als Held in der Rolle des Befreiers aufgespielt, während die Interpellation Karolyis über die Rechtlosigkeit der rumänischen Juden mit einer gleichmütigen Erklärung abgetan wurde. In dieser Stellungnahme ist ein Liebesdienst dem Vermächtnisse Luegers gegenüber zu erblicken. Selbstverständlich wurde die Erklärung des Ministers von der überwiegenden Mehrheit genehmigt. Die „R e i c h s - post" (das Organ der Christlichsozialen) verhöhnte den Grafen Karolyi wegen seines Eintretens für die rumänischen Juden, fragte ihn, von wem er just diesen Auftrag erhalten habe und rügte es, daß er sich in „Rumäniens ureigenste Angelegenheit“ menge. Oesterreichs Orientpolitik und der Zionismus Aus Wien wird uns geschrieben: Es ist für den Zionismus gewiß von großer Bedeutung, daß die von ihm angestrebte wirtschaftliche Erschließung Palästinas auf der Linie der gesunden Orientpolitik Oesterreich-Ungams liegt, diesem der Türkei so eng befreundeten Staate, in welchem zwei Millionen Juden leben. Graf Berchtholds Expose in den Delegationen betonte nicht nur das Interesse Oesterreichs an dem Aufschwünge und der Konsolidierung der Pforte, sondern hob auch nachdrücklich hervor, daß der kleinasiatische Orient als eine sehr wichtige wirtschaftliche Interessensphäre der Donaumonarchie zu betrachten ist. Der Delegierte Lanczy würdigte diesen Passus des Exposes ganz besonders, worauf namens des Ministeriums des Aeußern Sektionschef Graf Wickenburg, noch viel eingehender Gelegenheit nahm, auf diese Angelegenheit zurückzukommen. Er sagte unter anderem: „Mit großer Freude haben wir die Erklärung des Delegierten Lanczy in der Richtung zur Kenntnis genommen, daß unsere Interessen in Kleinasien nicht vernachlässigt werden dürfen. Dieses Land hat vom wirtschaftlichen Standpunkte eine große Wichtigkeit für uns. Wir beabsichtigen, solche Bestrebungen gewissenhaft zu unterstützen und dies mit um so größerer Berechtigung, als unsere Ziele in diesen Gebieten ja wahrhaftig ausschließlich wirtschaftlicher Natur sind." Der österreichische Jude, der sich zionistisch betätigt lind die praktische Palästinaarbeit fördert, wirkt also nicht bloß an dem. Erlösungswerke für unser Volk mit, er handelt auch im Interesse seines Vaterlandes, welchem das palästinensische Kulturwerk handiespolitisch nützlich ist.

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