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Die Welt · 1913-12-25 · 52 (25.12.1913) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
52 (25.12.1913)
Date
1913-12-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 52 DIE3^EUT Kuratorium des Haifaer Technikums und das zionistische Actions-Comite wurden von den Beschlüssen der Versammlung in Kenntnis gesetzt. In Dobrow (Rußland) fand am 3. Kislew (2. Dezember) eine von allen Schichten der jüdischen Bevölkerung besuchte Massenversammlung statt, in der eine scharfe Protestresolution gegen die Beschlüsse des Kuratoriums und die palästinensische Schulpolitik des Hilfsvereins angenommen Protest Pariser zionistischer Studenten Der „Verein Zionistischer Studenten“ in Paris hat in seiner letzten Generalversammlung folgende Resolution angenommen : „Wir zionistische Studenten in Paris protestiere*1 aufs energischste gegen den vom Kuratorium des Technikums in Haifa gefaßten Beschluß, in dem Institut de*1 Unterricht in den Wissenschaften in deutscher Sprache z»J erteilen. Wir betrachten diesen Entschluß im vollsten Gegensatz stehend zu den höchsten Interessen des jüdischen Volkes und als eine ernste Gefahr für unsere nationale Kultur in Palästina. Wir erklären uns vollkommen solidarisch mit den Schülern und Lehrern in Palästina in ihrem heiligen Kampfe für unsere höchsten Güter.“ Englische Stimmen zum Sprachenstreit Der „Jewish Chronicle“ schreibt in seiner letzten Nummer'- „Es ist wirklich notwendig, gegen die Anmaßung zu protestieren, mit der der Hilfsverein der deutschen Jud^u seine Politik, in dem neuen Technikum zu Haifa Deutsch zur Unterrichtssprache zu machen, verfolgt. Diese Politik scheint in der palästinensischen Judenheit eine große und erklärliche Opposition hervorgerufen zu haben. Es ist bereits zu Schulstreiks gekommen, zu öffentliche Versammlungen und anderen Demonstrationen der öffentlichen Meinung, die man nicht unterschätzen darf. Dr. Paul N a t h a n scheint aber der ganzen Sache mit königlicher Gleichgültigkeit gegenüberzustehen. Er soll sogar bereits erklärt haben, daß ihn die öffentliche Meinung sämtlicher Juden in Palästina nichts sngehe. ... Wie nun verlautet, drang daraufhin, daß einig« Lehrer am Hebräischen Seminar in Jerusalem den Unterricht niederlegten, ein bewaffnetes Polizeiaufgebot, begleitet vom deutschen Konsul, in das Institut ein und griff die Lehrer gewalttätig an. Wir können das alles nur aufs tiefste bedauern. E s nützt Dr. Nathan durchaus nichts, die jetzigen Vorgänge den Zionisten in die Schuhe schieben zu wollen. Die Schuld trifft nur d i e Leute, die das jüdische Gefühl verletzten, indem sie eine fremde Sprache zur Unterrichtssprache in einem jüdischen Institut machen, daß in der historischen Heimat des jüdischen Volkes errichtet wurde, und zwar durch Mittel, die nur unter der Voraussetzung beigesteuert wurden, daß Hebräisch die Unterrichtssprache sein würde. Wenn an einer großen Sache Verrat begangen wird und glühende Hoffnungen enttäuscht werden, so ist es nur selbstverständlich, daß die Leidenschaften erwachen. Wir bitten Dr. Nathan und seine Freunde dringend, zu bedenken, daß nicht nur die schon genügend wichtige öffentliche Meinung Palästinas gegen diese Entscheidung revoltiert, sondern daß sie bei Juden in allen Teilen der Welt Widerspruch findet; sie mögen sich überlegen, dafr es sich darum handelt, nicht ein deutsches oder sonstiges, sondern ein hebräisches Institut in Palästina zu gründen. Wir hoffen zuversichtlich, daß in Dr. Nathan sein bekanntes jüdisches Feingefühl über alle anderen Bedenken siegen wird, Und daß er dem Judentum jenen bedeutsamen Dienst leisten Wird, den so viele innigst herbeisehnen — die Wiedereinsetzung unserer ehrwürdigen Sprache, der ehrwürdigsten unter allen Sprachen — in die ihr gebührende Stelle in dem Lande, das 1757 für so viele von uns noch immer „das Land der Verheißung“ ist.“ Der Redakteur des „Jewish Chronicle“ hat folgenden zur Veröffentlichung bestimmten Brief erhalten, der ebenfalls in der letzten Nummer abgedruckt ist: „Gegen das Vorgehen des Hilfsvereins sollten die Juden scharf protestieren. Diese Organisation hat sich durch eine Reihe von Unternehmungen zugunsten der nationalen Erziehung im heiligen Lande die Dankbarkeit der Judenheit erworben. Und nun könnte sie durch Errichtung eines Technikums auf dem von der zionistischen Organisation zur Verfügung gestellten Terrain etwas Neues, Wertvolles schaffen. Bisher hat der Hilfsverein, trotz einer gewissen Vorliebe für die deutsche Sprache, die Bedeutung des Hebräischen als Bindemittel anerkannt und hat es daher, den Wünschen der Bevölkerung entsprechend, zur hauptsächlichen Unterrichtssprache gemacht. Dieses System hat sich außerordentlich gut bewährt, und es ist daher unklar, weshalb die hebräische nun einer ziemlich fremden Sprache weichen soll, die den palästinensischen Juden große terminologische Schwierigkeiten bereiten würde. Mit genau so viel Recht könnte man Spanisch oder Englisch einführen. Hebräisch ist die gegebene Sprache für ein jüdisches Technikum im heiligen Lande, denn sie würde nicht, wie dies bei Einführug der deutschen Sprache der Fall wäre, die Eifersucht der ottomanischen Regierung hervorrufen, und e s ist ferner tatsächlich die eigentliche Landessprache. Denen, die an der praktischen Verwendbarkeit des Hebräischen zweifeln, sei ferner gesagt, daß es sich seit viertausend Jahren jederzeit als Ausdrucksmittel bewährt hat. Wenn es für solche Geistesriesen wie Moses genügt hat, so wird es auch für die Lehrer am Technikum genügen. Heutzutage ist Hebräisch die Sprache der Kunstschule Bezalel, und Maimonides hat in ihr sein Corpus juris geschrieben. Durch die Verwendung im heiligen Lande würde die Nutzbarkeit und das Ansehen der Sprache gehoben und somit dem jüdischen Volke ein moralischer Halt gegeben werden. Im IS. Jahrhundert glaubte auch ein L e i b n i z noch, die deutsche Sprache nicht verwenden zu können, und schrieb deshalb französisch, bis ein Lessing und Goethe die deutsche Sprache wieder zu Ehren brachten. Ebenso kann es auch der hebräischen Sprache ergehen, und eine große jüdische Gesellschaft wie der Hilfsverein sollte seine unglücklichen Stammesgenossen nicht ihres höchsten geistlichen Gutes berauben. Dr. B. Saul, Chinley, Derbyshire. Die Londoner Zeitung „The Sunday Times“ schreibt zu dem palästinensischen Konflikt: „Eine der bemerkenswertesten Erscheinungen in der jüdischen Renaissance der letzten fünfzehn Jahre ist die Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Während bis vor zwanzig Jahren Hebräisch eine tote Sprache war, ist in den letzten Jahren ihre Wiedergeburt erfolgt. Die Sprache wurde ausgebaut, und hebräische Werke auf allen Gebieten der Dichtkunst und Wissenschaft wurden geschaffen. Die größten Dichtwerke wurden ins Hebräische übersetzt, und gleichzeitig entstanden eine Reihe von hebräischen Journalen, die heute über einen beträchtlichen Leserkreis verfügen. Die Wiedergeburt der hebräischen Sprache ist eine durchaus populäre Bewegung, die ganz plötzlich entstanden ist. In allen Ländern, in denen Juden leben, gibt es heute hebräische Unterrichtsklassen, Konversationszirkel und Vorträge. Meistens ist Hebräisch nicht die Muttersprache derer, die es meistern, außer in Palästina, wo fast die ganze junge Generation Hebräisch als seine Muttersprache spricht. Für die Wiedergeburt des Hebräischen in Palästina war es von größter Wichtigkeit, daß es als Unterrichtssprache in den Schulen eingeführt wurde. Noch vor wenigen Jahren waren die Schulen dort englische, deutsche oder französische Schulen, je nach dem Wohnsitz

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