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Die Welt · 1913-12-25 · 52 (25.12.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
52 (25.12.1913)
Date
1913-12-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr 52 1756 DIE2§gELT und praktischen Grundsätze, die die gesamte palästinensische Öffentlichkeit beherrschen, aus dem Kuratorium ausgetreten sind. Im Verein mit der jüdischen Gesamtheit sind wir entschlossen, den Kampf gegen die Leitung des Technikums aufzunehmen, bis sie unsere nationalen und staatsbürgerlichen Anschauungen im wesentlichen respektieren wird. Waad der Kolonie Jessod-Hamaalah (folgen 22 Unterschriften). Protestversammlung in Pethach-Tikwah Auch in der Kolonie Pethach-Tikwah fand eine große Volksversammlung statt, in der gegen die Beschlüsse des Kuratoriums und gegen den unhebräischen Charakter der Hilfsvereinsschulen protestiert wurde. Für den hebräischen Schulfonds wurden in der Versammlung 300 Frcs. gesammelt. Eine Darstellung des Hilfsvereins Die Antwort des Actions-Comitds Der „H ilfsverein der Deutschen Juden“ versandte dieser Tage an die deutsche Presse die folgende Mitteilung : „Die durch die zionistischen Blätter aller Länder verbreiteten unzutreffenden Darstellungen der Vorgänge, welche zu den Unruhen auf unseren Schulen in Palästina geführt haben, nötigen uns zur Richtigstellung. Bis vor wenigen Wochen haben die Zionisten an unserem Schulprogramm nichts auszusetzen eghabt. Noch auf dem Wiener Kongreß im September d. J. wurden dankbar die Verdienste des Hilfsvereins um die Pflege der hebräischen Sprache anerkannt. Im Oktober fand die Beratung über das Lehrprogramm für die dem jüdischen Technikum in Haifa angegliederte Mittelschule, welche im April n. J. eröffnet werden wird, statt. Das Technikum steht in keiner organischen Verbindung mit den Hilfsvereinsschulen; es besteht nur eine Personal-Union im Vorsitz beider Einrichtungen. Es wurde beschlossen, die hebräischen Fächer in hebräischer, Mathematik und Naturwissenschaften in deutscher Sprache unterrichten zu lassen; für die übrigen Fächer, Geschichte, Geographie, Zeichnen, Handfertigkeitslehre u. a. — abgesehen von den Sprachen — wurde die Entscheidungdarüber, obindeutscheroderhebräischer Sprache unterrichtet werden solle, vertagt. Die zionistischen Kuratoriumsmitglieder erhoben die Forderung, daß Hebräisch als Unterrichtssprache der Schule aufgestellt werden solle, demgemäß auch die Unterweisung in Mathematik und Naturwissenschaften in Hebräisch zu erfolgen habe. Da sie in der Minderheit blieben, schieden sie aus. Die Schulen des Hilfsvereins hatten damit nicht das mindeste zu tun. Es wurde nun aber das Märchen erfunden und verbreitet, der Hilfsverein habe auf seinen Anstalten das Hebräische zugunsten des Deutschen zurückgedrängt. Demgegenüber erklären wir, daß in dem Programm des Hilfsvereins nicht das geringste geändert worden ist noch geändert werden wird. Neben der deutschen nimmt die hebräische Sprache nach wie vor den breitesten Raum in den Lehrplänen ein; nicht eine einzige Unterrichtsstunde, die in Hebräisch erteilt wurde, ist in eine deutsche umgewandelt worden. Die Empörung der Lehrer verfolgt den Zweck, durch Vertragsbruch Hilfsverein und Kuratorium des Technikums zu zwingen, künftig nur in hebräischer Sprache unterrichten zu lassen, und sie haben in Mißachtung der elementarsten Grundsätze der Pädagogik urteilslose Kinder und junge Leute, die ihnen zur Ausbildung anvertraut waren, zum Streik verführt. Wir werden uns durch ihre unverantwortliche Handlungsweise von den Grundsätzen, die sich in 12 jähriger erfolgreicher Kulturarbeit zum Wohle der palästinensischen Judenheit bewährt haben, nicht abdrängen lassen. (gez.) Dr. James Simo n.“ Darauf hat das Zionistische Actions-Comite die folgende Antwort versandt, die in ihrer schlichten Feststellung der Tatsachen gegenüber den Behauptungen des Hilfsvereins charakteristisch ist für die ganze Politik des gegenwärtigen Kampfes. „Die vom Hilfsverein der Deutschen Juden verbreitete Darstellung der Vorgänge in Palästina entspricht in mehreren wesentlichen Punkten nicht den Tatsachen: Zunächst ist es nur formell richtig, wenn erklärt wird, daß in dem Programm des Hilfsvereins nicht das Geringste geändert worden sei; denn in diesem Programm ist die Unterrichtssprache überhaupt nicht festgelegt, und das Programm brauchte also auch jetzt nicht geändert zu werden. Objektiv unwahr dagegen ist es, wenn behauptet wird: „Nicht eine einzige Unterrichtsstunde, die in hebräisch erteilt wurde, ist in eine deutsche umgewandelt worden.“ Demgegenüber stellen wir fest: in der Lämelschule, im Lehrerseminar und auch in der Mädchenschule in Jerusalem, ebenso wie in der Knabenschule in Jaffa wurden bis vor kurzem die meisten mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer in hebräischer Sprache gelehrt, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Bezüglich des Technikums ist die Erklärung des Hilfsvereins, die „hebräischen Fächer“ würden in hebräischer Sprache unterrichtet werden, völlig belanglos, da sich der Streit eben um die Unterrichtssprache in den allgemeinen Fächern dreht. Ferner ist es unrichtig, wenn behauptet wird, die Entscheidung darüber, ob Geschichte, Geographie, Zeichnen usw. in deutscher oder hebräischer Sprache unterrichtet werden solle, sei vertagt worden. Richtig ist dagegen, daß ein Kompromißantrag, der für Geschichte und Geographie die hebräische Unterrichtssprache vorsah, vom Kuratorium abgelehnt worden ist. Demnach ist es durchaus kein „Märchen“, daß der Hilfsverein auf seinen Anstalten das Hebräische mehr und mehr zurückgedrängt hat. Wie sollten auch die ältesten und bewährtesten Lehrer des Hilfsvereins, darunter der Direktor des Lehrerseminars, die doch die Verhältnisse am besten kennen, sich durch ein „Märchen“ zu Schritten verleiten lassen, die sie aus Amt und Brot bringen. Wir geben aber die Hoffnung nicht auf, daß infolge einer besseren Information über die Lage der Dinge in Palästina den berechtigten Beschwerden der palästinensischen Bevölkerung Rechnung getragen werden Ein Protest aus Saloniki Das Komitee der „Zionistischen Gesellschaft Nordau“, die Vertretung der intellektuellen zionistischen Elemente von Saloniki, ist am 4. Dezember — 5. Kislew — zusammengetreten. Das Komitee erklärt seine Entrüstung über den Beschluß des Kuratoriums des Haifaer Technikums und protestiert energisch gegen diesen Beschluß, durch den nicht allein die hebräische Sprache, sondern auch der Zionismus gefährdet wird. Das Komitee hofft, daß die hervorragenden Führer der zionistischen Bewegung ihr Möglichstes tun werden, um die Ausübung eines solchen Vergehens zu verhüten. Die Mitglieder des Actions-Comites, die bei dieser Gelegenheit bewiesen haben, wie sehr sie von ihrer Mission erfüllt sind, beglückwünscht die „Gesellschaft Nordau“ wegen ihrer energischen und würdigen Haltung, bittet sie, bei ihren Beschlüssen zu verharren, und versichert sie ihrer völligen Hingabe an die Verfechtung des edlen Gedankens, nach dessen Verwirklichung wir streben. — Der Präsident: Js. J. S c i a 1 o m. Der Sekretär: Js. J. A 1 c h e h. Kundgebungen aus Galizien In der Generalversammlung des Vereins „Ivria“ in Przemysl, die am 15. Kislew (14. Dezember) stattfand, wurde den ausgetretenen Mitgliedern des Kuratoriums sowie dem zionistischen Actions-Gomite für die entschlossene Aufnahme des Verteidigungskampfes zur Wahrung der Interessen der hebräischen Kultur einstimmig Anerkennung und Vertrauen ausgesprochen. Zugleich überwies der Verein 100 K. als erste Rate seines Beitrages für das hebräische Schulwerk in Palästina. In einem überaus zahlreich besuchten Protestmeeting, das im Beth-Haam in G1 i n i a n y stattfand und in der Herr M. H a 1 p e r n über die Bedeutung der bekannten Beschlüsse des Kuratoriums referierte, gelangte unter großer Begeisterung einstimmig eine Resolution zur Annahme, die der Empörung über das Verhalten des Kuratoriums, das einem geistigen Pogrom gleichkomme, Ausdruck verleiht, den Herren Achad-Haam, Dr. Levin und Dr. T s c h 1 e - n o w Dank und Vertrauen ausspricht und den Merkas Hamorim wie die nationalgesinnte studierende Jugend in Palästina der wärmsten Sympathie und Teilnahme versichert. Es wurde zugleich eine Sammlung für das hebräische Schulwerk eingeleitet, die einen ansehnlichen Betrag ergab. Das

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