Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 52 (25.12.1913)
- Date
- 1913-12-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 52 1755 DIES^ELT Der nationale Manifest des „Merkas Hamorim“ Eine Erklärung des hebräischen Lehrerverbandes Der jüdische Lehrerverband Palästinas „Merkas Hamorim“, der in seinen 150 Mitgliedern nahezu sämtliche jüdischen Lehrer Palästinas umfaßt, veröffentlicht folgende Erklärung: Es ist zu unserer Kenntnis gelangt, daß einzelne Personen, von denen wir nicht wissen, ob sie zu unseren Anhängern oder zu unseren Gegnern gehören, sich erlaubt haben, Drohbriefe zu versenden, in denen den Briefempfängern Gewalttaten in Aussicht gestellt wurden. Die Verteidiger der hebräischen Sprache halten es deshalb für ihre heilige Pflicht, öffentlich zu erklären, mit allem Nachdruck und mit aller Entschiedenheit: Unser Kampf ist ein Kulturkampf. In diesem Kampfe bedienen wir uns nur solcher Mittel, die in der Kultur weit üblich sind. Unsere Mittel sind in negativer Hinsicht: Moralische Protestkundgebungen gegen das Unrecht, das unserer Sprache zugefügt wurde. Verhängung des Boykotts über die zu errichtende Realschule und das Technikum in Haifa, solange die hebräische Sprache in diesen Anstalten nicht die herrschende Unterrichtssprache ist. Erklärung des Boykotts über diejenigen Lehrer, die sich für die durch Demission ihrer Kollegen erledigten Stellen melden sollten. Jedoch ist dieser Boykott ein rein passiver. In diesem Boykott liegt keine Gewalttat und keine Nötigung. Entfernen wir uns von denen, die sich an den Heiligtümern unserer Nation vergehen. Entfernen wir uns von denjenigen, die den Bund der Brüder stören. Aber — keine Hand soll sie berühren! Unsere positiven Mittel in diesem Kampfe sind: Eröffnung hebräischer Schulen. Geldsammlung für diese Schulen. Andere Mittel kennen wir nicht. Wir erklären mit aller Entschiedenheit: ein jeder, der sich erlauben sollte, sich anderer Mittel zu bedienen, geht böswillig oder irrtümlich Hand in Hand mit unserem Gegner. Durch diese Handlung fügt er unserer Bewegung, sowie der ganzen jüdischen Gemeinschaft in Palästina den größten Schaden zu. Unsere Wege sind ausschließlich Kulturwege, und nur diese wollen wir gehen. Wir sind die Starken — Gewalttaten sind Mittel der Schwachen. Zeigen wir unseren Gegnern, daß wir die Starken sind. Wir wollen ausschließlich in den Grenzen 'des Kulturkampfes bleiben und mit kulturellen Mitteln kämpfen. Der Lehrerverband in Palästina. Der Hilfsverein und die Jerusalemer Orthodoxie Die Herren vom Hilfsverein haben kein Glück mit ihren Jerusalemer „Sympathie-Kundgebungen“. Von dem Belobigungsattest des Chacham-Baschi Franco an die Adresse der „Führer“ hat sich herausgestellt, daß es dem ahnungslosen Chacham, der von dem Beschluß des Kuratoriums noch keine Kenntnis hatte und nicht wußte, welchem Zwecke das Schriftstück dienen sollte, durch Herrn Ephraim Cohn entlockt worden war. Der Hilfsverein berief sich ferner in einem zweiten Communique auf angebliche zustimmende Aeußerungen der „Beth-Din der Peruschim und Chassidim“. Welche Bewandtnis es damit hat, ergibt sich daraus, daß die Bathe-Din der Peruschim- und Chassidimgemeinden in Jerusalem dieser Tage eine Erklärung in allen Straßen affichieren ließen, wonach sie es mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Schulstreit für ihre religiöse Pflicht halten, darauf hinzu- Kulturkampf weisen, daß der alte rabbinische Issur (Verbot) gegen den Besuch moderner Schulen aller Art, seien es die der Alliance oder die des Hilf s Vereins, für Jerusalem noch immer Geltung habe. Glaubenstreuen Eltern sei es daher nach wie vor religionsgesetzlich verboten, ihre Kinder in diese oder ähnliche Anstalten zu schicken . . . Die Schulen des Hilfs Vereins werden in dieser Erklärung ausdrücklich mit erwähnt. Mit den „Peruschim“ und „Chassidim“ ist es also wieder nichts. Man mag begierig sein, auf welche palästinensischen Bevölkerungskreise sich das nächste Communique des Hilfsvereins berufen wird. Protest der jüdischen Körperschaften in Safed Das Komitee der Hilfs vereinsschule und des Hilfsvereins- Kindergartens in Safed, ferner das Komitee der dortigen Mädchenschule, der Verein „Makkabi“, die Vorstände der Bne Brith und des Order of Ancient Maccabeans, der Beamtenkörper der A. P. C., die jüdische Lehrerschaft und der jüdische Jugendverein in Safed sandten an Dr. Paul Nathan ein Telegramm, worin gegen die Beschlüsse des Kuratoriums energisch protestiert und zugleich betont wird, daß die jüdische Intelligenz in Safed ihre Söhne nur dann in das Haifaer Technikum und die ihm angegliederte Mittelschule schicken könne, wenn der rein hebräische Charakter dieser Anstalt gesichert sein werde. Ein ähnliches Telegramm richteten auch die Vorstände der jüdischen Kolonien Rosch-Pinah, Misch mar- Hajarden, Jessod-Hamaalah und M e t u 1 a li an Herrn Dr. Nathan. Die neueröffnete hebräische Knabenschule in Jaffa zählt bereits 105 Schüler, die fast alle vorher die Hilfsvereinsschule besucht haben. In der Hilfsvereinsschule sind bloß 45 Schüler geblieben. Protest der Kolonie Jessod-Hamaalah Am 29. Marcheschwan versammelten sich die Bewohner der Kolonie Jessod-Hamaalah, um gegen die Beschlüsse des Kuratoriums des Haifaer Technikums Stellung zu nehmen. Es wurde einstimmig beschlossen, an das Kuratorium eine Protesterklärung abzusenden. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: Seitdem der Plan der Gründung eines Technikums in Haifa bekannt geworden war, verfolgten wir gleich der ganzen jüdischen Oeffentlichkeit die Entwicklung dieser Angelegenheit mit dem lebhaftesten Interesse, da wir zuversichtlich hofften, daß sich durch diese Anstalt die materielle und geistige Lage unseres Volkes im Lande der Väter heben werde und daß diejenigen unter unseren Söhnen, die nicht in der Lage sind, sich als Landwirte auf unserem Boden niederzulassen, in dieser Anstalt eine technische Erziehung erhalten werden, die ihnen die Möglichkeit, als gute Juden im Lande zu leben, gewähren wird. Die Beschlüsse des Kuratoriums, die das Deutsche zur Unterrichtssprache im Technikum machen und der ganzen Anstalt einen deutschen Charakter aufprägen, vernichten nun zunächst alle unsere persönlichen Hoffnungen, da unsere Söhne eine hebräische Erziehung genossen haben. Die Beschlüsse verletzen aber auch unsere nationalen Empfindungen. Endlich finden wir als ottomanische Juden, daß der deutsche Charakter, der dem Technikum aufgeprägt werden soll, von schädlichen Folgen für unsere Lage im Lande sein wird. Auf Grund aller dieser Erwägungen protestieren wir gegen die Beschlüsse des Kuratoriums und erklären uns solidarisch mit den drei Mitgliedern, die in Wahrung der nationalen