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Die Welt · 1913-12-25 · 52 (25.12.1913) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
52 (25.12.1913)
Date
1913-12-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 52 DlElggELT 1750 Schauspiel, wie wir es vielleicht seit zwei Jahrtausenden nicht in gleicher Größe und Feierlichkeit erlebt haben. Eine Organisation des Uebergangs, die auch einmal bessere Zeiten gesehen hat, schwindet vor unseren Augen hin und verliert allmählich die Daseinsberechtigung. In ihrer Erbitterung macht sie verzweifelte Anstrengungen, um die Widerstände, die sich ihr entgegenstellen, zu überwinden. Wir müssen mm bedenken, daß auch eine Organisation für Handlungen, die sie in einem derartigen Seelenzustande begeht, nicht voll zur Verantwortung gezogen werden kann. Mögen die verzweifelt um ihren Fortbestand Kämpfenden nach Herzenslust Märchen ersinnen, mögen sie unwahre Beschuldigungen ausstreuen, mögen sie sich einzelne Personen, die nach ihrer beschränkten Meinung den ganzen Sturm hervorgerufen haben, zur Zielscheibe für ihre Geschosse wählen. Sie sind nun einmal nicht befähigt, in den Kern der Dinge einzudringen und sich über den Standpunkt kleinlicher Intrigen zu erheben. Unsere Aufgabe kann es nicht sein, ihnen Gleiches mit Gleichem zu vergelten- Die neue Aera oder der neue Zeitabschnitt in der Epoche der nationalen Renaissance, dessen Wahrzeichen die Alleinherrschaft des Hebräischen sein wird, legt uns die gebieterische Pflicht auf, an der Zukunft unseres Volkes unermüdlich und ohne Unterlaß zu bauen. Mögen die Kleinmütigen unter uns, die Aengstlichen und ewig Zweifelnden uns nicht sagen, daß wir uns damit einen Zustand der Vereinzelung schaffen, uns gewissermaßen selbst einkreisen. Unserem Volke ist auf seine alten Tage ein Lieblingskind geboren worden, ein Schmerzenskind, an dem es mit aller Inbrunst seiner Seele hängt: der neue Jischub. Und wie Jakob einst von seinem geliebten Sohne sagte: „Mein Sohn wird nicht mit Euch hinabziehen,“ so sagen wir: Es soll jenen Herren nicht glücken, das neue Palästina zu sich hinabzuziehen, sie werden vielmehr zu ihm, zu uns emporsteigen müssen! GEIST UND GELD Auch eincChanukah-Betrachtung Von Dr. O. Thon, Krakau Griechisch war eine schöne, wohlklingende Sprache. Griechisch war eine Weltsprache. Griechisch war die Sprache der Philosophie und der Wissenschaften. Wer griechisch gelernt hatte, konnte sich seine Kenntnisse aus der Urquelle holen. Dann konnte er Anschluß gewinnen an die große Welt, an Handel und Industrie, an Kunst und Wissenschaft. Und da ihm die Welt offen stand, konnte er auch leicht eine glänzende Anstellung bekommen. Ueberdies — beachtet diese Chance wohl! — Syrien war doch ein mächtiges Königreich, und wenn sich das kleine Palästinaländchen zu einer Art von Expositur Syriens empordienern würde, wäre es ja für alle Zeiten und Ewigkeiten geborgen. Und noch ein Letztes, ein Wichtigstes: „Die blanken Drachmen haben wir, und wir werden wohl wissen, wie wir unser Geld verwenden sollen, für euer abgelebtes, wortarmes Hebräisch, oder für unser lebensprühendes, ausdrucksfähiges Griechisch.“ Aber die um Mathihjahu Hasmonai — auch so ein verschrobener Querkopf! — schrien: „Verrat! Verrat am Judentum!“ Das ließen sich die drachmen- und einflußreichen Vertreter des „griechischen Prinzips“ erst recht nicht gefallen. Sie ließen sich von dem einen und dem andern Chacham — damals hieß diese Sorte: Koben Gadol, S'gan und so ähnlich! — schwarz auf weiß bescheinigen, daß Hebräisch durchaus kein integraler Bestandteil des Judentums sei, wenn nur genügend Gewicht gelegt werde auf die — Religion. Die Chachamim, oder Kohanim Gedolim und S’ganim sind immer — nein, nicht immer, aber häufig, sehr häufig dort, wo die klingenden Drachmen sind. . . . Also: ausgerüstet mit solchen autoritativen Zeugnissen und Bescheinigungen gingen sie hin und gründeten griechische Gymnasien, in denen wohl — das weiß ich allerdings nicht sicher, ich vermute es nur — die hebräischen Gebete in der — Ursprache unterrichtet wurden. Und wenn die Aufwiegler — jene bewußte Sorte von „Terroristen“ — remonstrierten, dann kam der Direktor — sicherlich ein „Koben“, vielleicht und sogar wahrscheinlich aus dem Stamme Ephraim, d. h. ein „Israelit“, nicht einfach ein Jude — in Begleitung des syrischen Konsuls und trieb die Meuterer mit Hilfe der „bewaffneten Macht“ auseinander. Natürlich konnten Kolbenschläge, oder wie das Schlaginstrument damals sonst hieß, nicht gut ausbleiben. Die weiteren Phasen dieses sonderbaren Kampfes sind bekannt. Man kann darüber nachlesen in jedem Lehrbuche der jüdischen Geschichte und auch in den Gebeten finden sich davon recht lebhafte Nachklänge. Und diese Gebete werden, wie männiglich bekannt, in der „Ursprache“ gelehrt, auch in den Schulen des deutschen Hilfsvereins und sogar in denen seiner älteren, konsequenteren und drachmenfesteren Schwester, der — Pariser Alliance. . . . Soviel von historischer Reminiszenz. Gewissermaßen als Hintergrund, der wohl nicht ganz notwendig ist und nicht ganz zur Sache gehört. Aber es ist nun einmal so: die Chanukahstimmung löst allemal die Erinnerung an alte Geschichten aus. So mag denn auch diese Geschichte dastehen, dieweil ich etwas vom letzten Treubruch im Judentum und von der Relation von Geist und Geld oder von Zionismus und Philanthropie sprechen werde. Ich habe lange überlegt und gezögert, bis ich das fürchterliche Wort: „Treubruch“ niedergeschrieben. Aber ich finde kein anderes Wort, das wirklich scharf genug und klar genug das Vorgehen der Männer des Hilfsvereins charakterisieren könnte. Erinnern wir uns nur: Sie gingen hin und alliierten sich mit den Zionisten, um gemeinsam ein monumentales Palästinawerk zu schaffen, ein Werk für das Palästina der Zukunft Der Zukunft, denn das Palästina der Gegenwart mit seinen 10 000 Kolonisten und 50—60000 Chalukahmenschen braucht noch kein Technikum. In einem Technikum wird doch eben — bauen gelehrt Bauen aber kann man nur für eine Zukunft. Und sie nahmen den Boden des „Jüdischen Nationalfonds.“ Auch sonst kamen sie ja — allerdings, wie üblich, mit einer gewissen „reservatio mentalis“ — dem Zionismus auf halbem Wege entgegen. Sie zionistelten sogar mitunter recht deutlich. Ferner liehen sie sich bei uns eine feurige Seele aus, daß sie für das große Werk mit zionistischbegeistertem Worte werbe. Sogar großes Geld nahmen

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