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Die Welt · 1913-12-19 · 51 (19.12.1913) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
51 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1726 Nr. 51 D1E3^ELT gungsf rist. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß Nathan von seiner Parole „Biegen oder Brechen“ nicht abgehen wird. Mag lieber das mühsam errichtete Schulwerk des Hilfsvereins in einem Tage vernichtet werden, wenn nur der neue Jischub — und er allein kommt für moderne Schulen in Betracht, die Rabbiner stehen nach wie vor auf dem Standpunkte des „Cherem" — wenn nur die nationalen Juden Palästinas ihren Willen zur hebräischen Unterrichtssprache nicht haben. Diese Selbstzerfleischung und Selbstvernichtung des Hilfsvereins entbehrt gewiß nicht mancher tragischer Züge. Wer aus purer Ueberhebung, aus Verachtung für die heiligsten Bestrebungen des Volkes, einem politischen Abgrunde entgegeneilt, erregt stets ein Gefühl des Grauens und des Mitleids. Wichtiger aber als diese nachdenklichen Betrachtungen ist jetzt für das palästinensische Judentum, daß es nicht beim lauten Protestieren und Boykottieren stehen bleibt, sondern selbst die Sorge für seine Schulen übernimmt. Von dieser Erkenntnis durchdrungen, geht man hier jetzt daran, einen palästinensischen Schulverein ins Leben zu rufen. Schon die Erhaltung der beiden Knabenschulen in Jaffa und Haifa, des Lehrerseminars und der Mädchenschule in Jerusalem wird wohl ein jährliches Budget von zirka 100000 Eres, erforderlich machen. Daß die Juden Palästinas und die zionistische Organisation einen beträchtlichen Teil dieses Betrages auf bringen werden, versteht sich von selbst. Wir sind auch sicher, daß alle Palästinafreunde in den fünf Teilen des Erdenrundes, die mit uns über Ziel und Bedeutung der palästinensischen Kulturbewegung eines Sinnes sind, begeistert dem palästinensischen Schulverein beitreten werden. Er wird aber auch der Beteiligung aller bedürfen, wenn der Verein seiner großen Aufgabe, der Gründung und Unterhaltung von Schulen in Stadt und Kolonie für alle Schichten der Bevölkerung gerecht werden soll. Der provisorischen finanziellen Kommission gehören u. a. an: Disengoff, Hoofien, Jaffe, Mossinsohn, Scheinkin, Thon, Chissin, Eisenberg, Gluski n und Smilänsky. Daß bei Begründung oder Unterstützung von Schulen als einziges Kriterium die hebräische Unterrichtssprache dienen wird und das Schulprogramm auch hinsichtlich der religiösen Unterweisung dem Elternausschuß jeder Schule überlassen bleiben wird, versteht sich von selbst. Protest der Kolonie Metulah Das Actions-Comite der zionistischen Organisation hat von dem Vorstand der Kolonie Metulah folgende Zuschrift erhalten : Sehr geehrte Herren! Wir Kolonisten von Metulah und die übrigen Bewohner unserer Siedlung, die wir nach Palästina gekommen sind, um mitzuwirken an der Neubelebung unseres Volkes, unseres Landes und unserer Sprache und die wir hier seit etwa zwanzig Jahren als Angehörige einer ottomanisch-jüdischen Gemeinde leben, haben uns am Ausgange des Sabbath, am 23. Marcheschwan, versammelt, um über die Beschlüsse der Leitung des Haifaer Technikum bezüglich der Unterrichtssprache an dieser Anstalt zu beraten. Es wurden verschiedene Anträge gestellt, schließlich wurde folgende Resolution gefaßt: Wir Bewohner von Metulah sprechen hierdurch unsere tiefste Erbitterung aus über den schmachvollen Beschluß des Kuratoriums, demzufolge das Hebräische als Unterrichtssprache vom Technikum femgehalten werden soll. Wir legen nachdrücklichst Verwahrung ein gegen die sonderbare Neigung einzelner unserer „Wohltäter“, uns palästinensische Juden als Mittel für ihre fremdländischen politischen Bestrebungen zu gebrauchen. Wir brachten und bringen auch jetzt noch schwere Opfer für das Ideal der Wiedergeburt unseres Volkes und seiner Sprache im Lande der Väter und werden es unter keinen Umständen dulden, daß unsere heiligsten Gefühle verletzt werden. Wir erklären uns solidarisch mit der gesamten jüdischen Einwohnerschaft von Palästina in dem Kampfe gegen den Beschluß des Kuratoriums. Das zionistische Actions-Gomite aber fordern wir auf, den Baugrund des Technikums, der das Eigentum des aus den Pfennigen des jüdischen Volkes zusammengesetzten Jüdischen Nationalfonds bildet, nicht für ein Gebäude herzugeben, dessen Bestimmung unseren Zwecken durchaus zuwiderläuft. Uns und allen denen, die durch ihre Beiträge an dem Nationalfonds teilhaben, erscheint dieser Vorgang als ein Raub an dem einzigen Gut des Armen, wie er in der Bibel so ergreifend geschildert ist. Unser Volk hat seine letzten Groschen nicht zur Erbauung eines deutschen Technikums in Palästina herbeigetragen! Im Namen der Kolonie Die Mitglieder des Waad: Samuel F e i g 1 i n. Jakob Goldberg. Kalman Lachmann. Protest der Lehrer in Untergaliläa In der Generalversammlung der jüdischen Lehrerschaft von Untergaliläa, die am 23. Marcbeschwan in der Kolonie J i b - n a e 1 (Jemma) stattfand, wurde die Absendung einer Protesterklärung an das Kuratorium des Haifaer Technikums beschlossen. Die Erklärung wendet sich auch in scharfen Worten gegen die palästinensische Schulpolitik des Hilfsvereins, die darauf abziele, den hebräischen Charakter der palästinensischen Schulen allmählich zu verwischen und sie immer mehr zu Pflanzstätten fremdnationalen Geistes zu machen. Gleichzeitig wurde in einer Zuschrift an das zionistische Actions-Comite den Herren Achad-Haam, Dr. L e v i n und Dr. T schlenow der Dank und das Vertrauen der Lehrerschaft ausgesprochen. In einem vom 3. Kislew (2. Dezember) datierten Rundschreiben des Merkas Hamorim wird u. a. mitgeteilt, daß in Jaffa allein ca. 20 000 Eres, für den zu schaffenden hebräischen Schulfonds gesammelt worden sind. In den übrigen Städten und Kolonien Palästinas hofft man einen mindestens ebenso hohen Betrag aufzubringen. In dem Zirkular wird hervorgehoben, daß wohl noch keiner gemeinnützigen Institution aus dem armen Palästina derartige Beträge zugeflossen sind. Die Opferwilligkeit in allen Kreisen ist wahrhaft rührend. Manche kleine Beamte haben die Hälfte oder ein Drittel ihres Monatsgehalts gespendet. Protest der jüdischen Studenten in Basel In einer Versammlung des jüdischen Studentenvereins „Hechawer“ in Basel wurde folgende Protestresolution gefaßt: Die Mitglieder des jüdischen Studentenvereins „Hechawer" in Basel protestieren nachdrücklich gegen den Beschluß des Kuratoriums des Haifaer Technikums, die deutsche Unterrichtssprache an dieser Anstalt einzuführen. Wir halten es für ein Unrecht, wenn in einer palästinensischen Schule, die durch das Zusammenwirken von Juden aller Länder zustande gekommen ist, irgend eine europäische Sprache als alleinherrschende eigenmächtig bestimmt wird. Wir sehen darin eine Gefahr für unsere nationale Arbeit in Palästina, begrüßen den Kampf, den unsere Brüder in Palästina gegen diesen verhängnisvollen Beschluß aufgenommen haben, und hoffen, daß sie unsere nationalen Güter energisch verteidigen und die Verwirklichung eines derartigen Beschlusses nicht zulassen werden. Die Sympathien aller derer, die sich für Palästina interessieren, begleiten sie in diesem idealen Kampfe und gewährleisten ihnen den endlichen Sieg.

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