Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 50 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1704 LT Nr. 50 über den Stand unserer Arbeiten erteilte und die Erfordernisse einer gedeihlichen Weiterentwicklung besprach. Sonntag abend fand im Zentralhotel eine große öffentliche Versammlung statt, die sehr stark besucht war. Es sprachen Dr. Hantke, Ing. Stricker, Blumenfeld und Dr. Emil Margulies. Westgalizischer Distriktstag (Von unserem galizischen Berichterstatter.) Sonntag, den 23. November hielt in T a r n o w der XII. westgalizische Distriktstag seine Beratungen ab, an denen sich 15 Ortschaften durch 59 Delegierte beteiligten. Nachdem der Vorsitzende des Krakauer Distriktskomitees. Dr. F e 1 d b 1 u m, den Distriktstag eröffnet und Dr. Spann den Gruß des Tamower Ortskomitees übermittelt hat, wurden Dr. S i r o p (Neusandez) zum Vorsitzenden, Dr. Kornhäuser (Jaslo), Dr. Schnee (Rzeszow) zu Stellvertretern, Dr. Schwarzbard, Frl. Mandelbaum, Scharfstein (Tamow) zu Schriftführern gewählt. Begrüßungen waren u. a. vom Engeren Actions-Comite, vom Zentralkomitee der Zionisten Galiziens, von der österreichischen Nationalfondssammelstelle, von Max Nord au, David Wolffsohn, M. Ussischkin, Adolf Stand und Dr. Leon Reich eingelangt. Im Tätigkeitsberichte gab Dr. Aronsohn (Krakau) an, daß im Distrikte 40 Ortsgruppen vorhanden sind. Das Distriktskomitee schickte 18 Propagandaredner nach 23 Ortschaften, Dr. Geyer sprach in 18 Orten. Im verflossenen Jahre wurden 2845 Schkolim abgesetzt, für den Zentralfonds sind 2000 Kronen eingegangen. Dem Baufonds der Gymnasial, Ibrith in Jerusalem wurden zu den früheren 5000 Kronen weitere 3600 Kronen zugeführt. Für den Nationalfonds wurden 10 395,95 Kronen, für Jemenitenhäuser 2270,74 Kronen, für den Bezalel 2000 Kronen, für andere Palästinazwecke 504 Kronen gesammelt. Die Toynbeehalle in Krakau zählt 3000 Mitglieder, wöchentlich werden sechs Vorträge abgehalten. Die gymnastischen und Sportvereine, die hebräischen Schulen, die kaufmännischen Organisationen nehmen eine gute Entwicklung. Dem von Dr. Leser (Krakau) vorgelegten Kassenberichte ist zu entnehmen, daß die Ausgaben 763 Kronen, darunter für Propaganda 92 Kronen betrugen. In der Diskussion beklagten J ungwirth (Chrzanow), S i t z e r (Bochnia) die zu geringe Agitation. Dr. Kornhäuser (Jaslo) tritt gegen das Prinzip der bezahlten Arbeitskräfte in der Bewegung auf. Eine Reihe von Delegierten wiederlegte diese Meinung. Das Absolutorium wurde erteilt. In der Nachmittagssitzung besprach Dr. Zimmermann (Krakau) die Fragen der Presse und beantragte die Herausgabe eines zionistischen Organs in polnischer Sprache für Westgalizien. Dr. P i 1 z e r (Oswiecim) stellte den gegenwärtigen Stand des Zionismus in Galizien dar. Die Bewegung — meint er — entwickle sich unzureichend. Das Zentralkomitee möge in der Presse seine Reformabsichten zur Diskussion stellen. Vorschläge, die die Organisation, Parteivorstand und Bureau sowie die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit betreffen, werden dem Distriktskomitee zum Leberprüfen zugewiesen. Ing. Dr. F e 1 i k s (Andrychau) referiert über die Palästinaarbeit. Er beantragt die Begründung einer Achusah, in der jedes Mitglied durch 10 Jahre 50 Kronen jährlich zu entrichten hat. Sofort meldeten sieben Herren ihren Bei- Dr. F e 1 d b 1 u m (Krakau) spricht über die Gegenwartsarbeit. Referent lehnt jedes Liebäugeln mit der Assimilation ab und will die Realisierung des kulturellen und wirtschaftlichen Landesprogramms. In der Debatte findet Neiger (Tamow) die beantragte Herausgabe eines polnischen Organs unnötig, mit der Tätigkeit des Zentralkomitees sei er ganz unzufrieden. Friedm a n n (Sandez), S c h i p e r (Rzeszow), Dr. Tisch (Tamow) unterziehen die Redaktion des „Tagblatt“ einer sehr scharfen Kritik. Zum Schluß wurden eine Anzahl Resolutionen gefaßt, darunter die von Dr. F e 1 i k s, für den Absatz der P. L. D. C. - Aktien und den Genossenschaftsfonds eine Agitation einzuleiten. Das Budget wurde laut Antrag Dr. Lesers mit 3250 Kronen bestimmt, wovon 865 Kronen von den Teilnehmern gesichert wurden. Gegen den Sprachen-Beschluß am Haifaer Technikum wurde telegraphisch Protest erhoben und beschlossen, für den Streikfonds der Lehrer zu sammeln. In das neue Distriktskomitee wurden gewählt: Dr. Arönsohn, Dr. F e 1 d b 1 u m, Dr. Krengel, Leistn e r, Dr. Leser, Ritzel e, Rabbiner Thon, Dr. Wahrhaftig, Dr. Zimmermann. Deutschland Berlin. Der VII. Kartelltag des Kartells Zionistischer Verbindungen tagt vom 24. bis 28. er. in Berlin, auf der Kneipe der Verbindung im K. Z. V. „Hasmonaea“. — Seit dem vorjährigen Kartelltag hat sich das K. Z. V. um die Breslauer Verbindung „Zephirah“ vermehrt, auch ist ein erfreulicher Zuwachs an Füxen zu verzeichnen. Einen großen Teil der Beratungen des Kartelltages nehmen innere Organisationsfragen ein. Daneben wird der Kartelltag der Arbeit der Verbindungen wie der einzelnen Mitglieder in den anderen zionitsischen Organisationen seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden. — Ein Festkommers am 24. Dezember in den Spichemsälen soll die Kartelltags-Delegierten mit unseren zionistischen Freunden vereinen und gleichzeitig eine Demonstration des zionistischen Gedankens für die nichtzionistische Öffentlichkeit sein. Leipzig. Die hiesige Zionistische Ortsgruppe eröffnete ihre Wintertätigkeit am 8. Dezember mit einem stark besuchten Vortragsabend, an welchem Herr Davis Trietsch über die Neubesiedlung Palästinas sprach. Stettin. Am 6. Dezember veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe einen öffentlichen Vortragsabend. Herr Dr. Julius Becker hielt einen Vortrag über „Die Stellung der Juden im deutschen Wirtschaftsleben“. Oesterreich II. Westösterreichischer Kreisturntag. Gleichzeitig mit dem westösterreichischen Zionistentag in Prag tagte in Wien der II. ordentliche Kreisturntag der westösterreichischen Jüdischen Turnerschaft. Er zeigte, daß unsere Turner von gesundem nationalem Geiste getragen und immer intensiver bestrebt sind, die körperliche Regenerierung der Jugend mit nationaler Erziehung im besten Sinne des Wortes zu verbinden und Remedur zu schaffen, wo Turnen und Sport zum Selbstzweck zu werden drohen und die nationale Idee in den Hintergrund tritt. Die Tagung, welche von den Städten Boskowitz, Brünn, Graz, Lundenburg, Mähr.- Ostrau, Mislitz, Olmütz Prag, Ung.-H radisch und Wien beschickt war, wurde durch den Bericht des Kreisvorstandes Herrn Kien eingeleitet. Der Kreis zählt gegenwärtig 23 Vereine mit 2500 Turnern. Das glänzende Turnfest anläßlich des Wiener Kongresses hat auf die Tumerschaft einen mächtigen Impuls ausgeübt. Das Referat hebt hervor, daß die Entwicklung der Jüdischen Tumerschaft in Mähren günstiger ist, als in Böhmen, weil in Mähren der nationale Ausgleich zwischen Deutschen und Tschechen perfekt ist und die Juden nicht mehr in dem Maße als „Summand in der politischen Ziffemschlacht“ in Betracht kommen, wie früher. Im Aufblühen sei unsere Turnbewegung in Ungarn sowie in Bosnien und der Herzegowina. Schließlich hob der Bericht hervor, daß das nationale Bekenntnis der Turner nicht genüge, sondern durch Vertiefung der Mitglieder in allen nationalen Fragen und Informationen über alle Erscheinungen unseres verjüngten Lebens wach erhalten werden müsse. (Lebhafter Beifall.) Der Kreistumtag beschloß auf Grund eines Referates des Herrn Dr. Stern die obligatorische Einführung der hebräischen Kommandosprache, sowie die Abänderung der Vereinsnamen in „Makkabi-Vereine“. An die zweitägigen Verhandlungen schloß sich ein Propaganda-Meeting. Die Herren Dr. Sonnenfeld und T aglicht sprachen über die Aufgaben der jüdischen Tumerschaft, Herr Friedmann referierte über „die Juden in der Athletik“ (ein historischer Rückblick und eine Behandlung der günstigen Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Sportzweige), Herr Ullmann hielt ein eingehendes Referat über: „Turnen und Sport“ und Herr Schick berichtete über den Jugend- Wanderbund. Anläßlich der Tagung fand ein Schauturnen des jüdischen Turnvereins „Fünfhaus“ in den Katharinen-Sälen statt, ein Fußball-Match auf der „Hohen Warte“, bei welchem unsere „Hakoah“ die „Süd mark“ schlug (Resultat 3:0), und ein geselliger Tee-Abend in den Räumen des ersten Wiener jüdischen Turnvereins.