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Die Welt · 1913-12-12 · 50 (12.12.1913) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1694 Nr. 50 DIElgHELT und geben der Hoffnung Ausdruck, daß das Kuratorium dem allgemeinen Wunsche des für die Erneuerung des jüdischen Volks tätigen Teils der Judenheit nachgeben und der hebräischen Sprache im jüdischen Technikum den ihr zukommenden Platz geben wird. Mit vorzüglicher Hochachtung! Verbindung Hasmonaea, Berlin. Verbindung Ivria, Freiburg. Verbindung Jordania, München. Verbindung Zephirah, Breslau. Das Präsidium des Kartells Zionistischer Verbindungen <gez.) Dr. Wollstein. Protestkundgebung der jüdischen Studierenden am Technikum Mittweida ln einer Versammlung der jüdischen Studierenden am Technikum Mi 11 w e i d a , die vorige Woche stattfand, wurde die Veröffentlichung folgender Protestresolution in der jüdischen Presse beschlossen: Die Unterzeichneten Studierenden am Technikum Mittweida protestieren auf das allerentschiedenste gegen den Beschluß des Kuratoriums, eine fremde Sprache als herrschende Unterrichtssprache an der ersten jüdischen Realschule und am ersten jüdischen Technikum in Palästina einzuführen. Wir hegen die tiefste Sympathie für die jüdische Bevölkerung in Palästina im allgemeinen und die Schüler der palästinensischen Schulen im besonderen, die einen Verteidigungskampf für die vom Kuratorium des Haifaer Technikums bedrohte Ehre unserer nationalen Sprache führen. Einzelne unter uns, die die Absicht hatten, in das Haifaer Technikum einzutreten, schließen sich nunmehr dem Boykott gegen diese Anstalt an: Deutsche technische Hochschulen gibt es in genügender Anzahl in Deutschland selbst, und es liegt absolut keine Veranlassung vor, von jüdischer Seite in Palästina ein deutsches Technikum zu errichten. Goldberg, Gilensohn, Braunstein, Wassermann, Sandomirski, Millmann, Koschkoli, Bijunski, Krupkin, Sklar, Lewner Alfred, Schaki, Genei, Goldstein, Wechsler, Wieseltier, Ingenieur Krupnik, Kantorowitz, Schwarz, Rainer, Feldmann, Fialko, ,.Kein Hebräisch oder kein Nathan“ Die in Baltimore erscheinende angesehene jüdische Wochenschrift „Jewish Comment“ schreibt in ihrer letzten Nummer: Dr. Paul Nathan und seine germanisierenden Kollegen aus dem Kuratorium des Technikums werden es ziemlich schwierig finden, durch eine Beschlußfassung die hebräische Sprache zu verjagen. Was dem Technikum überhaupt so viel Lebenskraft verleiht, ist die Macht der hebräischen Sprache, für die sich Dr. Schmarj a Levin und andere mit vollem Eifer einsetzen, nicht aber weil in Amerika oder Deutschland der übermächtige Wunsch besteht, Palästina mit Erziehungsinstituten zu bedenken. So weit wir hören, hat Dr. Paul Nathan ein Ultimatum gestellt: kein Hebräisch oder kein Nathan. Wenn dem aber so ist, so ist die Herausforderung nicht sehr schwerwiegend; wie groß auch Dr. Nathans Verdienst um das palästinensische Schulwesen ist, steht es dennoch in keinem Verhältnis zu dem Opfer, das man bringen müßte, wenn man aus dem jüdischen Institut ein deutsches Institut machte. Wenn wir schon in Palästina auf unsere höchsten Rechte verzichten, so können wir das noch viel leichter in Berlin oder Wien oder sogar New York. So weit die amerikanischen Unterstützer des Technikums in Betracht kommen, so dürfen wir wohl sagen, daß Dr. Levins leidenschaftliche Propaganda für das Institut mehr auf sie gewirkt hat als die hochangesehenen Nantes von Dr. Nathan und seinen einflußreichen Kollegen. Wir hoffen, daß die Amerikaner sich zum Wort melden und daß sie begreifen werden, daß die deutsche Sprache ebenso wenig ein Anrecht auf die führende Stelle hat wie beispielsweise die englische. Vor allem dürfen sie sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, ein wirklich jüdisches Experiment zu machen. Wenn die Deutschen auf Deutsch bestehen, so sollen sie sich mit echt deutscher patriotischer Würde zurüdkziehen. Schlimmstenfalls verliert dann die Schule ihre Unterstützung. Ihren deutschen Patriotismus aber den Juden der ganzen übrigen Welt aufzuzwingen, ist nicht angängig. Spanien und die Juden Unter dieser Ueberschrift erschien in der „Hazephirah“ ein überaus beachtenswerter Brief von dem bekannten Orientalisten, dem früheren Dozenten an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und nunmehrigem Professor an der Universität in Madrid, Herrn Dr. A. S. Y a - h u d a, den wir in seinem wesentlichen Inhalt wiedergeben: Geehrte Redaktion! In einigen unserer hebräischen und jüdischen Zeitungen erschien die übertriebene Nachricht, daß ich mich mit einem detaillierten Projekt beschäftige, betreffs der Immigration von Juden nach Spanien, und daß die Regierung diese Frage bereits in ernstere Erwägung gezogen hat. Ich halte es für meine Pflicht, im Angesichte der jüdischen Öffentlichkeit zu erklären, daß dieses Gerücht vollständig unbegründet ist. Die Regierung hat ein Interesse für alle Fragen, die die Lage unserer Brüder in Marokko betreffen, die unter ihrem Schutze stehen, und die Regierung hat den Wunsch, ihre ökonomische Lage und ihren geistigen Zustand nach Möglichkeit zu heben, und zwar nach dem Geist der Tradition unserer marokkanischen Brüder selbst. Mit dem Beschluß, in Madrid einen Lehrstuhl für die jüdische Wissenschaft zu gründen, beabsichtigt die Regierung, den jungen Leuten unserer marokkanischen Brüder die Möglichkeit zu gewähren, sich in allen Fächern, die die Wissenschaft unserer Religion, Geschichte und Literatur betreffen, in der spanischen Residenz auszubilden. Gleichzeitig hat die Regierung den Wunsch, die Beziehungen des spanischen Volkes zu den Juden dadurch günstiger zu gestalten, daß sie ihren Bürgern die Möglichkeit gewährt, das schätzen zu lernen, was das jüdische Volk, als es in Spanien ansässig war, getan und geleistet hat, und die großen Dienste, die die einstmals aus Spanien Vertriebenen ihren Einwanderungsländern geleistet haben. Von diesem Standpunkt aus bin ich ihrem Rufe gefolgt, da es unsere Pflicht ist, in dieser Sache unser Möglichstes zu tun. Wenn es gelingen sollte, auch in diesem Lande für jüdische Wissenschaft und Literatur Interesse zu erwecken, in einem Lande, wo viele unserer Dichter und Denker gelebt und gewirkt haben, so wird das sicherlich ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Diaspora werden. ' Aber nicht nur den marokkanischen Juden dürfte dieser Schritt zugute kommen, sondern auch den Juden, die sich bereits in Spanien niedergelassen haben. Seit Jahrzehnten wandern Juden nach Spanien ein. In den großen Städten sind bereits Hunderte von Juden vorhanden und in Sevilla gibt es bereits eine kleine Gemeinde unserer marokkanischen Brüder. Sowohl die Regierung, als auch die Bevölkerung verhält sich ihnen gegenüber durchaus freundlich. Die Einwanderung von Juden nach Spanien geschieht ohne jede äußere Anregung oder Agitation, und es ist unsere Pflicht, unsere Brüder, die in den großen Städten zerstreut sind, zu einigen, damit sie geordnete Gemeinden und Körperschaften bilden . . . Schon die Tatsache selbst, daß Spanien nunmehr Versuche unternimmt, um mit den Juden, die unter seinen Schutz kamen, in nähere Beziehungen zu treten, und die Abkömmlinge derer, die aus diesem Lande vertrieben wurden, wieder heranzuziehen, bildet ein überaus bedeutsames historisches Ereignis. In einer Zeit, da man in anderen Ländern es unternimmt, die Besten unseres Volkes zu unterdrücken und zu verstoßen, mit Mitteln, deren sich unsere Feinde im Mittelalter bedient haben, dürfte diese Tatsache dazu beitragen, um die trüben Wolken von unserem Himmel ein wenig zu verjagen.

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