Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 50 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1692 Nr. 50 DIEffiELT Auf unsere weitere Frage, wie es denn komme, daß allgemein behauptet wird, seitens der Leitung des Hilfsvereins hätte man ihm ein Schriftstück zur Unterschrift vorgelegt, antwortete der Chacham Baschi wörtlich folgendes: „Allerdings, diese Behauptung ist richtig. Ich habe aber nichts unterzeichnet, was sich auf die Frage der Unterrichtssprache in den Schulen des Hilfsvereins bezogen hätte, vielmehr unterschrieb ich ein mir vorgelegtes Zeugnis, demzufolge der Hilfsverein auf dem Gebiete des Erziehungswesens in Palästina viel Gutes geleistet hat und noch leistet." „Haben denn Euer Ehrwürden nicht erkannt, daß dieses „Zeugnis" nur ein — taktischer Schachzug seitens der Leitung des Hilfsvereins war, die das Schriftstück zu dem Zwecke brauchte, um zu ihrer Rechtfertigung eine autoritative Bescheinigung beizubringen, daß sie dem jüdischen Erziehungswerk in Palästina Nutzen bringe, während sie ihm in Wirklichkeit jetzt nur geschadet hat?“ Darauf antwortete der Chacham Baschi recht naiv: „Woher hätte ich denn wissen sollen, daß dahinter „Politik" steckt? Wenn Leute zu Ihnen kämen, die ein gutes Werk für die Gesamtheit tun wollen, würden Sie ihre guten Absichten nicht lobend anerkennen? Die Herren kamen zu mir und baten mich, eine derartige Bescheinigung zu unterschreiben — und ich habe es getan, ohne irgendeine Nebenabsicht. Hätte ich gewußt, daß man meine Unterschrift gegen die hebräische Unterrichtssprache ausnutzen wird, so hätte ich sie unbedingt verweigert!“ Der Herausgeber des „Hacheruth" erzählt dann noch, daß Rabbiner Franco ihm auf seine Frage, wann ihm das fragliche „Zeugnis“ zur Unterschrift vorgelegt worden sei, geantwortet habe: „Vor etwa zwanzig Tagen." Daraus folgt, wie die Redaktion des „Hacheruth" mit Recht hervorhebt, daß der Vertreter des Hilfsvereins und des Kuratoriums in Jerusalem, Herr Ephraim Cohn, als ihm der Beschluß des Kuratoriums eben erst bekannt geworden war und er den Sturm der Entrüstung, den dieser Beschluß in der palästinensischen Oeffentlichkeit hervorrufen mußte, sehr richtig voraussah, recht vorsorglich nach einem „Gegengift" Umschau hielt und sich beizeiten mit Attesten vom Chacham Baschi und wahrscheinlich auch von anderen Rabbinern und Institutionen wappnete . . . . Auf alle Fälle aber war dem Chacham - Baschi Franco, als er den „Führern“ (wie es im Communique des Kuratoriums etwas unklar heißt) ihr Wohlverhalten bescheinigte, der Beschluß des Kuratoriums bezüglich der Unterrichtssprache am Technikum noch gar nicht bekannt! Protest des sephardischen Rabbinats Wie „Hacheruth“ weiter berichtet, fand in den letzten Tagen eine Sitzung des sephardischen Rabbinats von Jerusalem statt, an der auch einige angesehene Laien teilnahmen, und in der ein hervorragendes Mitglied der sephardischen Gemeinde dem Rabbinat vorschlug, auch seinerseits gegen den Beschluß des Kuratoriums zu protestieren. Nach kurzer Debatte wurde dieser Vorschlag mit allen gegen eine Stimme angenommen, und Rabbi Persiado Surnaga, der Vorsitzende des sephardischen Beth-Din, ermächtigte den Antragsteller, in seinem Namen und im Namen der Mitglieder des sephardischen Rabbinats öffentlich zu erklären, daß das Rabbinat gegen den Beschluß des Kuratoriums aufs schärfste protestiert und die Kämpfer für die heilige Sprache beglückwünscht. Protestversammlung der Lehrer in den jüdischen Kolonien In einer Versammlung der Abteilung Süd-Judäa des Lehrerverbandes, die am 27. Marcheschwan in der Kolonie Rechob o t h stattfand, und an der die Lehrer der Kolonien R i - schon-le-Zion, Rechoboth, Ness-Ziona (Wadi- Chanin), B’er-Jacob, Ekron, Gedera (Katra) und B’er-Tobia (Kastinieh) teilnahmen, wurde gegen den beschämenden Beschluß des Kuratoriums und gegen das Vorgehen des Hilfsvereins der Deutschen Juden, der in seinen palästinensischen Schulen eine fremde Sprache zur herrschenden Unterrichtssprache macht, der schärfste Protest ausgesprochen. Kundgebungen der jüdischen Kolonien Ness Ziona und B’er-Tobia Der Vorstand der Kolonie Ness-Ziona (Wadi-Chanin) hat an das zionistische Actions-Comite folgendes Schreiben gerichtet: Geehrte Gesinnungsgenossen! Seit mehr als einem Vierteljahrhundert widmen wir uns der Wiedergeburt des jüdischen Volkes im Lande der Väter, jeder -von uns hängt mit ganzer Seele an diesem Ideal und jeder von uns ist sich dessen bewußt, daß einer der wichtigsten Faktoren für die Neubelebung des Landes und unseres Volkes die hebräische Sprache ist. Es ist uns auch bis zu einem gewissen Grade gelungen, diese unsere Sprache, die Sprache der jüdischen Vergangenheit und der jüdischen Zukunft, auch zur Sprache der Gegenwart in unserem Lande zu machen. Sie herrscht nicht nur in allen Schulen, sondern unser junges Geschlecht bedient sich ihrer als Umgangssprache zu Hause und auf der Straße, auf dem Felde und in den Weinbergen; in ihr findet die Bevölkerung die Befriedigung ihrer geistigen Bedürfnisse und in ihr erziehen wir unsere Jugend, für die das Hebräische schon zur Sprache des täglichen Lebens geworden ist. Nach all dieser Arbeit, der wir uns mit soviel Liebe und Hingebung unterzogen haben, kommt das Kuratorium und untergräbt unser ganzes Werk! Mit aller Entschiedenheit protestieren wir gegen dieses beschämende Vorgehen und erklären nachdrücklichst, daß wir unsere Sprache unter keinen Umständen preisgeben werden. Wenn die Herren vom Kuratorium tatsächlich nur das Wohl der jüdischen Bevölkerung im Auge haben, dann müssen sie doch ihren dringenden Wünschen Rechnung tragen. Der dringendste Wunsch des jüdischen Volkes in Palästina ist aber der, daß die hebräische Sprache die herrschende im Technikum sei. Wir können nicht zugeben, daß man sich über diese einmütige Forderung der jüdischen Bevölkerung verächtlich hinwegsetzt und schließen uns dem Proteste der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit an, die diesen Beschluß als eine Beleidigung empfindet und ihre Stimme dagegen erhebt. Waad der Kolonie Ness-Ziona (Wadi-Chanin) (Folgen Unterschriften). Das zionistische Actions-Comite erhielt ferner von dem Vorstand der Kolonie B’er-Tobia folgende Zuschrift: Geehrte Herren! Wir beehren uns Ihnen mitzuteilen, daß die am 23. Marcheschwan abgehaltene Generalversammlung der Kolonisten und sonstigen Bewohner von B’er-Tobia sich mit dem bekannten Beschluß des Kuratoriums befaßt und folgende Resolution einstimmig angenommen hat: Die Versammlung erklärt sich mit der größten Entschiedenheit gegen den Beschluß des Kuratoriums, der die Grundlagen des jüdischen Erziehungswesens in Palästina