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Die Welt · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 16)
Language
German
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1570 Nr. 49 DIE2§gELT Frankreich Das Zentralkomitee der französischen Zionisten hielt am 26. November eine Sitzung ab, zu der die Mitglieder fast vollzählig erschienen waren. Das Komitee nahm Kenntnis von der Gründung einer Histadruth Ibrith in Paris, die sich der Federation anschließt. Es wurde beschlossen, die Veranstaltungen der einzelnen Vereine derart zu ordnen, daß ein Zusammentreffen mehrerer Versammlungen am gleichen Abend möglichst vermieden werde. Das Komitee nahm einen Antrag Dr. Jacobsons an, ein eigenes monatliches Bulletin herauszugeben, das vornehmlich der weiteren Propaganda dienen soll. Dagegen wurde ein Antrag, der Federation eine sichere Einnahme auf der Grundlage eines Landesbeitrages zuzuführen, mit 7 gegen 3 Stimmen abgelehnt. England Manchester. Hier fand am 23. November eine vom Order of Ancient Maccabaeans veranstaltete Volksversammlung statt, bei der Mr. Joseph Hamwee den Vorsitz führte. Rabbiner Y o f f e i bradite eine von Mr. B e n t vv i c h und Dr. G a s t e r unterstützte Resolution ein, die einstimmig angenommen wurde und folgenden Wortlaut hatte: „Die Versammlung der Maccabaeans von Manchester und der Freunde der nationaljüdischen Bewegung spricht ihre Genugtuung über die Ergebnisse des XI. Zionistenkongresses aus, sowie ihre dankbare Anerkennung der erfolgreichen Arbeit, die während der letzten Kongreßperiode unter der tüchtigen Leitung von Prof. Warb urg und seinen Kollegen geleistet worden ist, und verpflichtet sich, das vom Kongreß gebilligte Programm für Kolonisations- und:Kulturarbeit zu fördern. Die Versammlung protestiert energisch gegen die Entscheidung des Berliner Komitees des Haitaer T echnikums, daß die deutsche Sprache zur Unterrichtssprache erhoben werden solle, anstatt der hebräischen Sprache, die glücklicherweise als Muttersprache des Volkes zu neuem Leben erwacht ist und in allen jüdischen Instituten im heiligen Lande als Unterrichtssprache beibehalten werden sollte.“ Rabbi Y o f f e i betonte die Notwendigkeit der Errichtung jüdischer Schulen in Palästina durch die zionistische Organisation, und sprach seine Ansicht dahin aus, daß in allen religiösen Dingen die Entscheidung in den Händen der Orthodoxen liegen müsse. Mr. Herbert B e n t w i c h sprach über die Resultate des Kongresses, besonders über die Beschlüsse aut kolonisatorischem Gebiet, während Dr. G a s t e r den Plan der Errichtung der jüdischen Universität begründete und auseinandersetzte. Vereinigte Staaten von Nordamerika New York. In der vorigen Woche hielt das Exekutiv- Comite der Federation of American Zionists eine Sitzung ab. Das Organisations-Comite der American Palestine Company legte einen Bericht vor, aus dem sich bereits ein Fortschritt erkennen läßt. An diesen Bericht knüpfte sich eine rege Diskussion, an der die Herren B r a n d e i s, de Haas, Prof. G o 11 h e i 1, Dr. Magnes, Goldberg, Le win-Epstein, Cowen usw. teilnahmen. Die Konferenz beschloß, gegen die Entscheidung des Kuratoriums des Haifaer Technikums zu protestieren. Die bevorstehenden Besuche der Herren Prof. Franz Oppenheimer, Mayer Berlin und Boris Schatz, ferner auch der Plan der jüdischen Universität wurden er- LITERARISCHE RUNDSCHAU Jüdisch-wissenschaftliche N euerscheinungen Von Rudolf Leszynsky Noch immer ist Graetz der Geschichtsschreiber des Judentums. In hunderten und aberhunderten von Punkten ist er überholt und muß er ergänzt werden, auch die Neuauflage seines Werkes, die in den letzten Jahren erschien, leistet darin nur das unumgänglich Notwendige, indem sie spärliche Hinweise auf Ergänzungen gibt und offenkundige Irrtümer verbessert. Eine neuzeitgemäße Geschichte der Juden haben wir nicht und werden wir vielleicht auch nicht so bald bekommen. Einen gewissen Ersatz dafür bieten kleinere Darstellungen, unter denen die Geschichte der Juden und ihrerLiteratur von M.Brann die erste Stelle einnimmt. Schon daß das Werk jetzt in dritter Auflage erscheinen konnte,*) zeigt seine unbedingte Brauchbarkeit. In erster Reihe will es der religiösen Belehrung dienen, es ist ein Schulbuch für den Religionsunterricht. Aber auch jeder Erwachsene, der sich schnell und zuverlässig über irgendeine Epoche der jüdischen Geschichte unterrichten will, wird gern zu dieser kurzen, übersichtlichen Darstellung greifen. Die gesicherten Resultate der neueren Forschungen sind überall berücksichtigt. Fragen, die noch im Flusse sind, können in einem derartigen Buche selbstverständlich nicht Aufnahme finden. Die Zitate aus jüdischen Schriften des Mittel¬ *) Geschichte der Juden und ihrer Literatur. Von Dr. M. Brann. Zweiter Teil: Vom Abschluß des Talmud bis zur Vertreibung der Juden aus der pyrenäischen Halbinsel. Dritter Teil: Von der Vertreibung der Juden aus der pyrenäischen Halbinsel bis zur Gegenwart. Dritte vermehrte und verbesserte Auflage. Breslau 1911 und 1913. Verlag von M. u. H. Marcus. alters und der Neuzeit sind in der neuen Ausgabe vermehrt, und — was viele sehr interessieren wird — die Geschichte bis auf die neueste Zeit herabgeführt. Auch der Zionismus wird hier behandelt, und man darf zugeben, daß der Verfasser sich Mühe gegeben hat, so objektiv zu sein, wie es dem Gegner einer zeitgenössischen Bewegung möglich ist. Unumwunden erkennt er an, daß das Judentum auch eine nationale Seite hat. „Gab es doch sogar unter den Juden selbst eine Gruppe, die der Meinung war, daß das Judentum besonders seit der Emanzipation eine nationale Seite überhaupt nicht mehr habe, sondern nur noch als eine Religion zu betrachten sei. Den gründlichen Kenner der Quellen und der Geschichte des Judentums mutet diese Anschauung freilich so fremdartig an wie etwa die Vorstellung, daß die Neger in Amerika nach dem Sklavenkriege ihre schwarze Hautfarbe abgelegt hätten und zu weißen Staatsbürgern geworden seien" (Bd. III, S. 176). Das sind Worte, die — so selbstverständlich sie für einen Historiker sind — doch manchen Leser des Buches zum Nachdenken stimmen könnten. Daß der Verfasser die Kolonisation Palästinas fast ganz und den Aufschwung der neuhebräischen Sprache völlig übergeht, bedauere ich. Beides sind Faktoren im heutigen Judentum geworden, mit denen auch der Gegner sich abfinden muß. Hoffentlich wird einmal in einer späteren Auflage ergänzt, was wir hier im Schlüsse vermissen. Die Anschauung, die den nationalen Charakter des Judentums bestreitet, gehört allerdings nicht, wie Brann meint, ausschließlich der Vergangenheit an. Sie wird noch heute vertreten, zum Teil von tüchtigen Rabbinern und Gelehrten, denen die einseitige Beschäftigung mit der Religion des jüdischen Volkes den Blick für die Vielseitigkeit des Judentums nicht trübt. In den Studies in Jewish Literature, die zu Ehren des Pro-

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