Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 49 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1666 achtenden Juden anderer Länder durch ihre Seelenlosigkeit. Ist es nicht vielleicht eine völlige Verkennung jüdischer Art, wenn man glaubt, die gesamten Mußestunden eines heranwachsenden jüdischen Jungen mit sportlichen Spielen ausfüllen zu können? Würde es nicht viel besser der Eigenart des jüdischen Geistes entsprechen, wenn man alle diese Sport-, Spiel- und sonstigen Vereine unter die Nr. 49 Herrschaft eines bestimmten jüdischen Gedankens stellte und auf diese Weise nicht nur zur Kräftigung und Erziehung jüdischenglischer Bürger, sondern zur Kräftigung und Veredlung des jüdischen Volkes beitrüge? Einen Widerhall würde ein jüdischer Leitgedanke in dem noch wenig erweckten Geiste der jüdischen Jungen Englands sicherlich finden! hc. t>!E3§KELT if Doonoo WELTCHRONIK □ □□□□□ Ti o Kaiser Franz Josef I. Am 2. Dezember vollendete der Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn das fünfundsechzigste Regie r u n g s j ah r, ein in der Weltgeschichte einzig dastehendes Regentenjubiläum. Sprichwörtlich ist die Liebe und Verehrung der Juden Oesterreich-Ungarns für den greisen, vielgeprüften, einsamen Monarchen. Er, der den stolzen Namen eines Friedensfürsten trägt und der erste Beamte des Reiches genannt wird, ist in seiner beispiellosen Gewissenhaftigkeit, Pflichttreue und Gerechtigkeitsliebe allen Untertanen ein väterlicher Regent. Trotzend den finsteren Mächten, die sich um die Throne drängen und die Welt zurückschrauben wollen, hat er seinen Völkern die Segnungen der Konstitution bewahrt und sie durch das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht erweitert. Kaiser Franz Josef I. ist erhaben über die nur allzu häufige Verletzung der konstitutionellen Bürgschaften, der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung den Juden gegenüber. Schuldtragend sind der judenfeindliche Geist der Behörden und die Schwäche der wechselnden Ministerien, die zum Spielball der Parteien wurden. Nichts aber ist eine schmutzigere Verunglimpfung seiner edlen Majestät, als wenn die Antisemiten ihr Kesseltreiben gegen die Juden mit Patriotismus und Kaiserliebe drapieren, nichts ein verwerflicherer Mißbrauch, als wenn sie bei judenfeindlichen Demonstrationen entblößten Hauptes die Kaiserhymne singen. Aus allen Synagogen steigen heiße Gebete auf für das Leben und die Gesundheit des Kaisers, und alle jüdischen Herzen vereinigen sich mit den andern Völkern des Reiches in dem Wunsche, es möge ihm nach schmerzlichen Erlebnissen und sorgenvollen, von harter Arbeit für sein Land erfüllten Jahren ein ungetrübter Lebensabend beschieden sein. Eine jüdische Volksbank in Bulgarien Aus Rusts chuk wird uns geschrieben: Nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten moralischer und materieller Natur ist es den hiesigen Gesinnungsgenossen gelungen, eine rein zionistische Bank, die Jüdische Volksbank Akt. - Ges. in Rusts chuk zu gründen und die Legalisierung durchzuführen. Ehe Bank ist ein Unternehmen rein geschäftlicher Natur mit einem Aktienkapital von 250 000 Frcs. Sämtliche Aktionäre sind organisierte Zionisten und der Verwaltungsrat und die Leitung besteht aus den angesehensten Zionisten unserer Stadt. Die Gründung dieser Bank ist für den Zionismus in Bulgarien ein Ereignis von besonderer Bedeutung. Die Bank wird zweifellos zur wirtschaftlichen Hebung der Juden Bulgariens erheblich beitragen und ihre Gründung ist daher in allen jüdischen Kreisen mit Genugtuung begrüßt worden. So bedeutet das neue Institut heute schon eine Stärkung des Ansehens unserer nationalen Bewegung im Lande. In der Jahresversammlung der Jüdischen Emigrations-Gesellschaft, die kürzlich in Kiew stattfand und an der auch Vertreter einiger Bankhäuser teilnahmen, wurde beschlossen, für Ende Januar eine besondere Konferenz einzuberufen, um die Gründung einer jüdischen Emigrations- Bank in die Wege zu leiten. Die Ausländerfrage an der Prager deutschen Universität Am 26. November fand eine zweite außerordentliche Generalversammlung des Vereins deutscher Mediziner an der Prager Universität statt. Der Versammlung wohnten der Dekan der medizinischen Fakultät Professor Grosser nebst anderen Professoren und Vertretern des Vereins der Prager deutschen Aerzte bei. Der Vorsitzende cand. med. Pattera sprach im Namen des Ausschusses die Mißbilligung gegen die in der letzten Vollversammlung gefallene Aeußerung des damaligen Vorsitzenden aus, der die russischen Juden in einer unqualifizierbaren Weise angegriffen hatte. Der Verein hat also angesichts der großen Empörung, welche in der Prager jüdischen Oeffentlichkeit über den Vorfall herrschte, offiziell seine antisemitischen Absichten dementieren lassen. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß dieses Vorgehen nicht die wahren Tendenzen der weitaus größten Majorität der Vereinsmitglieder zum Ausdruck bringt. Es sollen sich im Gegenteil in dem Verein Strömungen geltend machen, welche auf einen Ausschluß der Juden hinzielen. Unter den gehaltenen Reden ist die des Dekans Prof. Grosser hervorzuheben, der in der Ausländerfrage einen maßvollen Standpunkt einnimmt. Da anzunehmen ist, daß die Anschauung des Dekans im Professorenkollegium durchdringen wird, führen wir im wesentlichen seine Worte an: Eine solche Frequenz wie in diesem Jahre läßt sich auf die Dauer bei uns nicht halten, wenn alle unsere Studenten im Inland Unterkommen wollen. Sollte aber die Zahl dennoch steigen, ist es unsere Pflicht, für die Ausgestaltung der Universität durch Bauten, Adaptierungen usw. zu sorgen. Wir wollen an Ausländem 50 °/o der Inländer aufnehmen. Dieser Prozentsatz soll nicht überschritten werden. Die Platzkarten sollen zuerst an Inländer und erst nachher an Ausländer vergeben werden. Die Debatte beschäftigte sich weiter mit der Frage der Naturalisierung von Ausländem und der Echtheit der ausländischen Zeugnisse. Hierauf gelangte ein Antrag zur Annahme, der das Professorenkollegium ersucht, den Numerus clausus schon in diesem Semester einzuführen. Wie man sieht, wird die Zahl der Ausländer an der Prager Universität in Zukunft eine Beschränkung erfahren, und es ist nur zu hoffen, daß die Frage eine einigermaßen liberale Lösung finden wird. Der Wiener Vizebürgermeister über den Beilis-Prozeß Die Wiener Antisemiten sind über den Ausgang des Kiewer Ritualmordprozesses sehr ungehalten. Das ist begreiflich. Weniger verständlich aber ist es, — so schreibt uns unser Wiener Korrespondent — daß christlichsoziale Führer auf exponierten Posten gegen den Freispruch in der großen Oeffentlichkeit Argumente Vorbringen, die von erschütternder Dummheit und Lächerlichkeit sind. Der Vizebürgermeister der Stadt Wien, Herr Hierhammer, leistete sich in einer Massenversammlung christlicher Frauen (einberufen, um den Boykott jüdischer Firmen bei Weihnachtseinkäufen zu organisieren) folgende plausible Erklärung für das freisprechende Urteil: Das für Beilis günstige Verdikt der russischen Volksrichter sei das Werk von — hundert jüdischen Berichterstattern. Die Judenheit der ganzen Welt habe diese mächtige