Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 49 (5.12.1913)
- Date
- 1913-12-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
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Nr. 49 1663 DIEI^ELT sprechen, müssen wir Ihren, gegen die genannten Herren gefaßten Beschluß auf das lebhafteste zurückweisen. Das jüdische Technikum in Haifa kann unmöglich nur eine Stätte fachtechnischer Ausbildung sein, es muß auch dem nationalen Streben der jüdischen Bevölkerung Palästinas entsprechen. Ein jüdisches Technikum in Palästina ohne Berücksichtigung unserer neu auflebenden hebräischen Sprache ist ein Absurdum. Es muß auch Ihnen, falls Sie als Juden mit uns schaffen wollen, einleuchten, daß das Technikum in Palästina nur dann eine jüdische Institution sein wird, wenn Hebräisch zumindet den Platz einnimt, den unsere Führer in ihrer mehr als taktvollen Bescheidenheit gefordert hatten. Merchawjah, am 16. November 1913. Die Oppenheimersche Siedlungsgenossenschaft: gez. S. Dyk. Die Arbeiter-Gruppe Merchawjah: , gez. Israel Bezer. Im Namen der Arbeitergruppe Tel-Adas: gez. Mosche K i c k s e r. Im Namen der Handwerker: gez. Jakob Pankiewicz. Im Namen der Arbeiterschaft, Merchawjah: gez. Josef Erdstein. Im Namen der Kolonisten: Der Vorsitzende des Waad Blumenfeld. Protest der jüdischen Akademiker Deutschlands Das Präsidium des Bundes Jüdischer Corporationen hat an Herrn Dr. Lurie in Jaffa das folgende Telegramm ge- Der Bund Jüdischer Corporationen sympathisiert lebhaft mit der palästinensischen Judenheit in ihrem Kampf gegen die schmähliche Zurücksetzung der hebräischen Sprache durch das Kuratorium des Technikums. Unser Chanukah in Königsberg zusammentretender Kartelltag wird den einmütigen Protest von 800 jüdischen Akademikern Deutschlands zum Ausdruck bringen. Das Präsidium des Bundes Jüdischer Corporationen. Dr. Rosenkranz. Die Stimmung unter der russisch-jüdischen Jugend Die hebräische Tageszeitung „Hazephirah“ schreibt an leitender Stelle ihrer Nr. 254 nach einer Schilderung der außerordentlichen Erregung, die der Beschluß des Kuratoriums in Palästina hervorgerufen hat: ,,.... Allein diejenigen, die da glauben, in der Diaspora sei der Beschluß des Kuratoriums mit größerer Seelenruhe aufgenommen worden, befinden sich im Irrtum. Die Herren vom Kuratorium täuschen sich, wenn sie glauben, daß sie mit den Worten „praktischer Zweck" und ,,Karriere" die jungen Studierenden aus Rußland für sich einnehmen und die antinationale Bedeutung des von ihnen unternommenen Schrittes vergessen machen können . . . Allerdings, die jungen Leute aus Rußland suchen in ihren Studien auch einen materiellen Zweck — müssen einen solchen Stichen. Aber dies ist ihnen nicht der einzige Zweck. Das praktische Ziel können sie auch anderwärts erreichen, wo ihnen das Studium noch offen steht. In Palästina suchen sie etwas ganz anderes: das Ideal einer jüdischen Hochschule. . . Um an einem deutschen Technikum studieren zu können, müssen sie wahrhaftig nicht nach Haifa gehen, wie die Schüler des Hebräischen Gymnasiums nicht nach Jaffa gegangen wären, wenn die Unterrichtssprache dort deutsch oder französisch wäre. Wenn die Herren aber ein Technikum für diejenigen jüdischen Studierenden aus Rußland errichten wollten, denen anderswo der Zutritt versperrt ist, dann sind ja diejenigen im Rechte, die ein solches jüdisches Technikum mit deutscher Unterrichtssprache in Deutschland selbst errichtet zu sehen wünschten . . . Diese Anschauung kommt in allen den zahlreichen Protesten zum Ausdruck, die der Redaktion der „Hazephirah" von allen Seiten zugehen, insbesondere aus den Kreisen der jüdischen Mittelschüler und Studenten. Wir wollen diese Proteste verdolmetschen, weil sie in der Tat zum Ausdruck bringen, was die jüdische studierende Jugend im Innersten fühlt, und den tiefen Schmerz erkennen lassen, den der Beschluß des Kuratoriums gerade in den Reihen derer geweckt hat, die am meisten einer derartigen Hochschule bedürfen. Die Denkschrift der Schüler des Lehrerseminars und der Handelsschule in Jerusalem Die Zöglinge der höheren Lehranstalten des Hilfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem, nämlich des Lehrerseminars und der Handelsschule, haben der Direktion dieser Anstalten eine Denkschrift überreicht, die wir — aus dem hebräischen Original übersetzt — hier auszugsweise wiedergeben: „. . . Die Schüler sind von der tiefen Ueberzeugung durchdrungen, daß die beiden Anstalten, deren gegenwärtiger Unterrichtsbetrieb weder die Direktion, noch die Schüler befriedigt, einer durchgreifenden Reorganisation bedürfen. Nicht nur die Stellung der hebräischen Sprache, sondern auch der Unterricht in den wissenschaftlichen Fächern und in der deutschen Sprache ist unzulänglich und unbefriedigend. Nachdem wir eingehende Beratungen gepflogen hatten und den Ursachen des Uebels nachgegangen waren, kamen wir zu folgenden Schlußfolgerungen : Die hebräische Sprache nimmt in den beiden Anstalten durchaus nicht diejenige Stellung ein, die ihr nach dem Empfinden der jüdischen Öffentlichkeit und der Schüler selbst in höheren jüdischen Lehranstalten Palästinas zukommt. Nach der jetzigen Stellung des Hebräischen in den vereinigten Anstalten werden die Schüler nicht befähigt sein, sich dieser Sprache für die Zwecke des Unterrichts in der Volksschule und des Handelsverkehrs in Palästina zu bedienen. Ueberdies leidet auch der Unterricht in den allgemeinen Disziplinen darunter, daß sie in einer Sprache vorgetragen werden, die den Schülern fremd ist. Aber nicht nur das Lehrziel in den allgemein-wissenschaftlichen Fächern wird infolgedessen mangelhaft erreicht, sondern auch der deutschen Sprache — deren gründliche Erlernung ja der eigentliche Zweck dieser Einrichtung sein soll — schadet das bisherige Verfahren mehr, als es ihr nützt. Denn die Unzweckmäßigkeit der deutschen Unterrichtssprache für die allgemein-wissenschaftlichen Lehrgegenstände hat im Kreise der Schüler eine gewisse Opposition gegen die Sprache selbst hervorgerufen. Die Tatsache, daß alle Anstrengungen der Direktion, den Schülern eine umfassende Kenntnis der deutschen Sprache beizubringen, fehlgeschlagen sind, obgleich sich die Schüler über die Bedeutung und die Nützlichkeit der deutschen Sprache vollkommen klar sind, beweist am besten, daß das jetzige Unterrichtssystem verfehlt ist. Der Grundfehler scheint uns eben darin zu liegen, daß die allgemeinen Lehrfächer deutsch vorgetragen werden. Erst wenn alle wissenschaftlichen Disziplinen ausnahmslos in hebräischer Sprache — der Umgangssprache der Schüler, deren sie sich auch in ihrem künftigen Beruf als Lehrer und Kaufleute in Palästina zu bedienen haben werden — gelehrt werden, wird sich das Niveau der hebräischen Sprachkenntnisse heben, und es werden zugleich hinsichtlich der allgemeinen Wissensgebiete bessere Erfolge erzielt werden. Aber auch die Kenntnis der deutschen Sprache, die als Kultursprache für uns von größter Wichtigkeit ist und die auch eine reichhaltige jüdisch-wissenschaftliche Literatur aufweist, wird von dieser Reorganisation nur Nutzen ziehen. Wir sind überzeugt, daß das Verhältnis der Schüler zur deutschen Sprache nach dieser Neuordnung ein ganz anderes als bisher sein wird, und daß dann die Direktion die Stundenzahl für den deutschen Sprachunterricht im vollsten Einverständnis mit den Schülern wird vermehren können. Demgemäß haben die Schüler in einer jüngst abgehaltenen Besprechung beschlossen, der Direktion folgende Forderungen zu unterbreiten: 1. Der deutsche Sprachunterricht soll von seiner Verknüpfung mit dem Unterricht der allgemeinen Disziplinen — einer Verknüpfung, die für beide Fächer schädlich war — befreit werden. Deutsch soll eben nur als europäische