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Die Welt · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49 1661 DIE30KELT zu kämpfen, wie wir bisher gegen Hindernisse aller Art den Kampf aufgenommen haben. Salomon Schiller, Direktor des hebräischen Gymnasiums, setzte auseinander, die nationaljüdischen Kreise hätten schwer gesündigt, daß sie ihr Hauptaugenmerk auf kolonisatorische Arbeit gerichtet, die Jugenderziehung im Lande aber nichtnationalen Verbänden überlassen haben. Das umgekehrte Verfahren wäre vielleicht richtiger gewesen: für Kolonisationszwecke könnte man unter Umständen auch Assimilanten heranziehen, aber die Heranbildung des jungen Geschlechts müsse die ausschließliche, eifersüchtig gehütete Domäne der Natiönaljuden bleiben. Zwischen uns und den Assimilanten bestehe in Erziehungsfragen eine unüberbrückbare Kluft. Die Herren Paul Nathan und James Simon glauben, für das Wohl der Juden im Orient tätig zu sein, uns aber geht es um die Erhaltung des jüdischen Volkes, das jene Herren gar nicht kennen. Ancient Maccabaeans und Arbeiterorganisationen Herr Schub, Großmeister der Ancient Maccabaeans in Jerusalem, forderte die volkstreuen Palästinenser auf, gegen die modernen hellenistischen Bestrebungen der Assimilanten mit der gleichen Entschlossenheit vorzugehen, wie einst die ruhmreichen Hasmonäer gegen die damaligen Hellenisten und Volksverräter. Es könne nicht zweifelhaft sein, auf wessen Seite der Sieg sein wird. Alexander C ha sch in sprach im Namen der Arbeiterorganisation „Poale Zion4*. Er wies darauf hin, daß auch vom rein kulturellen Gesichtspunkte das Beginnen der deutschen Herren verdammenswert sei. Vestigia terrent! Welche Kulturwerte hat denn die Alliance durch ihre fremdländischen, im französischen Geiste geleiteten Schulen geschaffen? Sind aus diesen Schulen etwa harmonische, in sich gefestigte Persönlichkeiten hervorgegangen? Das „praktische44 Ergebnis dieses ausgedehnten Schulwerks sei die Züchtung eines Typus von „levantinischen44 Juden, die das berühmte Alliance-Französisch sprechen und ihre „französische Kultur44 bestenfalls als Fremdenführer verwerten. Das hebräische Milieu in (Palästina fordere gebieterisch die hebräische Unterrichtssprache in allen jüdischen Lehranstalten. Nur dann könne die Schule ihrer Aufgabe gerecht werden, ganze Menschen, Kulturmenschen und Kulturjuden heranzubilden. Joseph Ahronowitz aus Jaffa schloß sich der Protestkundgebung im Namen der Arbeiterorganisation „Hapoel Hazair44 an. Er meinte, die jüdischen „philanthropischen44 Organisationen in Europa verfolgten bei ihrem Schulwerk in Palästina in Wirklichkeit nicht humanitäre, sondern ausnahmslos politische Absichten. Unsere Jugend sei uns aber denn doch zu schade dafür, den politischen Ambitionen jener Herren geopfert zu werden. Als der Hilfsverein scheinbar das Hebräische in seinen Schulen begünstigte, war auch das im Grunde nur Politik: das „Volk44 sollte geködert werden!.. Für das jetzige Vorgehen der Herren gebe es aber nur eine adäquate Bezeichnung: Provokation! Wir müssen im Namen des ottomanischen Patriotismus gegen den alldeutschen Kulturchauvinismus kämpfen. Wir müssen aber auch nach innen den Kampf aufnehmen gegen den Geist der Halbheit und der Lauheit. Die jüdischen Landarbeiter und Wächter, die für die jüdische Sache ohne Zaudern selbst ihr Leben hingeben, sollten unserer Lehrerschaft und unserer studierenden Jugend zum Vorbild dienen. Es sprachen noch Professor Boris Schatz im Namen der Kunstgew erbeschule .„Bezalel44, Dr. S i m o n i im Namen des Vereines hebräisch sprechender Aerzte, Dr. Arjeh Beham im Namen des Internationalen Gesundheitsamtes m Jerusalem und Abieser J e 11 i n , der infolge der Berliner Beschlüsse sein Lehramt in einer Hilfsvereinsschule niedergelegt hat. Dr. Beham wies u. a. darauf hin, daß er die Ergebnisse seiner Forschungen in der serologischen und Wutschutzabteilung ausschließlich in hebräischer Sprache niederschreibe. Nur wem die Entwicklung des Hebräischen in Palästina ganz unbekannt ist, könne an der Eignung unserer Sprache für alle wissenschaftlichen und pädagogischen Zwecke zweifeln. Die Versammlung nahm schließlich einstimmig eine Resolution an, in der gegen die Beschlüsse des Kuratoriums in schärfster Weise protestiert wird und die Freunde der hebräischen Kultur aufgefordert werden, alle Mittel aufzubieten, um das Kuratorium zur Aufhebung seines Beschlusses zu zwingen. Die Resolution versichert ferner die Herren A. Ginzberg, Dr. L e v i n und Dr. Tschlenow der Zustimmung und des Vertrauens der palästinischen Bevölkerung und spricht die bestimmte Erwartung aus, daß kein volksbewußter jüdischer Lehrer und Schüler die Schwelle des Technikums betreten werde, solange in der Anstalt das Hebräische nicht als ausschließliche Unterrichtssprache für alle Fächer herrschen wird. Eine weitere Massenversammlung in Jerusalem Eine Woche nach der großen Protestversammlung im Beth-Am fand ein zweites Massenmeeting unter freiem Himmel (im Garten des Beth-Am) in Jerusalem statt. Sie übertraf an Teilnehmerzahl noch die frühere imposante Kundgebung. Den Vorsitz führte Elieser Ben-J ehuda, der die Versammlung mit einer flammenden Ansprache eröffnete. Hierauf erteilte er das Wort Herrn Disengoft, der nach einer temperamentvollen Charakterisierung der Schulpolitik des Hilfsvereins eine Reihe von Beschlüssen verlas, die das Jaffaer Komitee zur Förderung des hebräischen Erziehungswesens in Palästina beschlossen hatte. Es sprachen noch der Direktor des Jaffaer hebräischen Gymnasiums Dr. Mossinsohn und die Herren Guttmann, Silmann und Zerubabel. Konferenz der jfidischen Verbände! in Jaifa Am 14. Marcheschwan lud die Zentrale des hebräischen Lehrerverbandes alle jüdischen Organisationen und Institute Jaffas zu einer Besprechung ein, um gegen den Beschluß des Kuratoriums Stellung zu nehmen und über Mittel und Wege zu seiner Bekämpfung schlüssig zu werden. An der Beratung nahmen die Vertreter folgender Körperschaften teil: Waad-Hair (Jüdischer Gemeindevorstand von Jaffa), Waad des Jüdischen Stadtviertels Tel-Awiw, Palästina-Amt, Bureau des Odessaer Palästina-Komitees, Anglo-Palestine Company, Leihgenossenschaft, Aerztegesellschaft, Musikverein, Beamtenverein, Hapoel Hazair, Poale Zion, Order of Ancient Maccabaeans, Turnverein Makkabi, Beth-Am, Organisation der Jüdischen Lehrer in Jaffa, Handwerker-Zentrale, und die Redaktionen von „Koheleth44, „Hachinuch44, „Moledeth44, „Hachaklai44 und „Laam44. Die Versammlung beschloß: 1. Die Maßnahmen des Lehrerverbandes zu genehmigen und mit demselben gemeinsam vorzugehen. 2. Die Versammlung hält es für notwendig, eine Streikkasse für die Lehrer, die ihre Stellen niederlegen werden, ins Leben zu rufen. 3. Die Versammlung ist der Ansicht, daß es nicht genüge, gegen das Vorgehen des Kuratoriums zu kämpfen, sondern, daß es notwendig sei, sogleich mit positiver Arbeit zu beginnen. Die nächste Aufgabe, die gelöst werden muß, ist die Gründung einer Kulturgesellschaft, die das gesamte jüdische Erziehungswerk in Palästina leiten soll. Die Versammlung regt ferner die Gründung einer jüdischen Elementarschule in Jaffa an. 4. Die Versammlung setzt eine achtgliedrige Kommission ein, die in ständiger Fühlung mit der Zentrale des Lehrerverbandes bleiben soll. In die Kommission wurden die Herren M. Disengoff, M. Scheinkin, S. Ben-Zion, Dr. Metmann, B. Joffe, I. Ahronowitz, Ismusik und Friedmann gewählt, ln die Kommission wurden noch die Herren Dr. T u r o f f und Dr. Thon kooptiert. Die Kommis-

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