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Die Welt · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49 1659 alle Juden Haifas auf das „Jüdische Polytechnikum“, wie es im Volksmunde hieß, gesetzt hatten. Hat doch das Hebräische Gymnasium in Jaffa ein augenfälliges Beispiel davon gegeben, was eine gut funktionierende Schule auch für die wirtschaftliche Position einer Stadt bedeuten kann. Man fragte sich also besorgt, ob die Juden von Haifa, der Not gehorchend, nicht auch einem auf das Niveau des Levantinismus herabgesunkenen Technikum zu jubeln würden. Nun denn, die Antwort, die die Juden von Haifa spontan und als die ersten im Lande gegeben haben, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wer die Zeichen der Zeit zu deuten vermag, wird an die Kundgebung von Haifa nicht achtlos vorübergehen. Er wird sich vielmehr deutlich merken müssen: Die Zeiten des jüdischen Levantinismus, der Wurzellosigkeit und des Nihilismus, in denen die „führenden Männer“ in Israel um das jüdische Volkstum wie die Katze um den heißen Brei herumgehen konnten, sind endgültig dahin! Grosses Protestmeettng in Jerusalem Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Der Beschluß des Kuratoriums des Haifaer Technikums, wonach sämtliche wissenschaftlichen Fächer in der neuen Anstalt deutsch vorgetragen werden sollen, hat hier die gesamte öffentliche Meinung aufs äußerste erbittert. Vor einiger Zeit kam der künftige Direktor des Haifaer Technikums, Herr Dr. Finkeistein, nach Jerusalem, und ihm zu Ehren berief die hebräische Sprachkommission (Waad Halasdion) eine besondere Sitzung ein, in der die Mitglieder der Kommission in verschiedenen Referaten und Vorträgen die Möglichkeit, technische Disziplinen in hebräischer Sprache zu lehren, nachwiesen. Dr. Finkeistein machte nur den einzigen Einwand geltend, daß es bis jetzt noch keine technische Literatur in hebräischer Sprache gebe und die Schüler einer technischen Hochschule doch mit der technischen Literatur vertraut sein müssen. Von seiten der Sprachkommission wurde darauf erwidert, daß die hebräische Unterrichtssprache die Schüler doch nicht hindere, die technische Literatur in deutscher Sprache oder in einer anderen europäischen Kultursprache zu verfolgen. Wir hatten nun angenommen, daß Herr Dr. Finkeistein, nachdem er sich von dem rein hebräischen Schulbetrieb in den höheren Schulen Palästinas durch den; Augenschein überzeugt hatte, selber dahin wirken würde, daß die Leitung des Technikums nicht all das untergrabe, was die besten schaffenden Kräfte des jüdischen Volkes in Palästina aufgebaut haben. Bekanntlich hat die Zentrale des hebräischen Lehrerverbandes in Palästina (Merkas Hamorim) auch eine Denkschrift an das Kuratorium des Technikums abgesandt und in derselben ausführlich begründet, weshalb die hebräische Unterrichtssprache am Technikum sowohl vom kolonisatorischen, als vom politischen und jüdisch-nationalen Standpunkte eine unbedingte Notwendigkeit ist. In der Denkschrift kam die Zentrale des Lehrerverbandes den Vertretern einer gegenteiligen Anschauung insofern entgegen, daß sie vorschlug : falls für alle Unterrichtszweige keine geeigneten hebräischen Lehrkräfte zu finden sein würden, sollten einstweilen die betreffenden Fächer deutsch vorgetragen werden unter der Voraussetzung, daß die Lehrer sich verpflichteten, nach Ablauf von drei Jahren zur hebräischen Vortragssprache überzugehen. Der hebräische Lehrerverband billigte in seiner bald darauf abgehaltenen Generalversammlung einstimmig die Denkschrift seiner Zentrale, und obwohl einzelne Mitglieder mit der Kompromißtendenz, die sie in der Denkschrift zu finden glaubten, nicht einverstanden waren, sprachen auch sie, um die Einmütigkeit in der Stellungnahme des Lehrerverbandes zum Ausdruck zu bringen, der Zentrale Dank und Vertrauen in Angelegenheit der Denkschrift aus. Auch sämtliche anwesenden Lehrer der Hilfsvereinsschulen, selbst solche, die deutsch unterrichten, schlossen sich dieser Vertrauenskundgebung an. Man war nun in den Kreisen der Lehrerschaft überzeugt, daß das Kuratorium des Technikums wenigstens teilweise auf die Wünsche und Forderungen der gesamten jüdischen Lehrerschaft Palästinas eingehen würde. Handelte es sich doch um die wohlbegründete Meinung von hundert Lehrern aus allen Städten und Kolonien Palästinas, die die Verhältnisse im Lande genau kennen und denen in Schulfragen doch eine gewisse Sachkenntnis zugebilligt werden muß. Man mag sich nun den Eindruck unter der jüdischen Lehrerschaft ausmalen, als bekannt wurde, daß das Kuratorium sich allen sachkundigen Vorstellungen gegenüber auf einen schroff ablehnenden Standpunkt gestellt und die bekannten Beschlüsse gefaßt hatte, die einen Hohn auf die Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Palästina darstellen. Derselbe Paul Nathan, der immer wieder hervorgehoben hatte, daß der Hilfsverein den Wünschen der jüdischen Bevölkerung in Palästina Rechnung trage und eben aus diesem Grunde der hebräischen Sprache als einem Bindemittel zwischen den Juden verschiedener Herkunft eine Vorzugsstellung in seinen palästinischen Schulanstalten eingeräumt habe — derselbe Paul Nathan setzte sich jetzt gegen die einmütige Meinung der kompetentesten Kreise Palästinas für die völlige Ausschaltung des Hebräischen ein! Sogleich, als der Beschluß des Kuratoriums in Jerusalem bekannt wurde, versammelten sich die Zöglinge des Lehrerseminars des Hilfsvereins und beschlossen einen Protest gegen das Vorgehen des Kuratoriums und gleichzeitig die Ueberreichung einer Eingabe an die Leitung des Lehrerseminars, in der gefordert wird, daß der Unterricht an dieser Anstalt, wie in früheren Jahren, einen mehr hebräischen Charakter trüge. Tags darauf erstattete zufällig der Direktor des Lehrerseminars, Herr David Je 11 in, im Klub der Ancient Maccabeans sein Referat über den XI. Zionistenkongreß. Nach Schluß des Referates meldete sich der hebräische (Schriftsteller K. S i 1 m a n n zum Worte, berichtete kurz über den Beschluß des Kuratoriums und brachte den Artikel von Nahum So ko low „Wer für das Hebräische ist, schließe sich uns an“ aus der „Hazephirah“ (den auch die „Welt“ auszugsweise abgedruckt hatte) zur Verlesung. Auf Antrag des Herrn Schub, Vorsitzenden der Ancient Maccabeans, wurde hierauf eine Protestresolution gegen das Kuratorium und eine Vertrauenskundgebung für Achad Haam, Dr. Schmarja Levin und Dr. Tschlenow einstimmig angenommen. Dem Protest schlossen sich auch die anwesenden Lehrer der Hilfsvereinsschulen an. Die Versammlung im Beth-Am Die eindrucksvollste Protestkundgebung war jedoch diejenige, die einige Tage später im Beth-Am vor einer tausendköpfigen Versammlung stattgefunden hat. Die Protestversammlung wurde von dem Vorsitzenden des Beth-Am, Herrn Dr. Simoni-Mekler, eröffnet. Er führte u. a. aus: „Der Beschluß des Kuratoriums ist nicht nur eine Beleidigung der hebräischen Kultur und der jüdischen Bevölkerung Palästinas, sondern eine große Gefahr für unser ganzes Schulwerk, ja, für unsere politische Lage im Lande. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Technikum, wie es jetzt geplant ist, die jüdische Kolonisation Palästinas schädigen wird: es wird unsere Kräfte schwächen und den Einfluß unserer Widersacher vermehren. Darum muß diese große Versammlung, an der alle Kulturgesellschaften und die Massen der jüdischen Bevölkerung Jerusalems teilnehmen, ihren Schmerz und ihre Erbitterung aussprechen über den unerhörten Beschluß des Kuratoriums. Diese Erbitterung der Jerusalemer jüdischen Bevölkerung soll aber nicht nur in Worten allgemeiner Art zum Ausdruck kommen, sondern es soll auf die wahre Bedeutung dieser geradezu

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