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Die Welt · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 48 DIE3^ELT 1635 Ä PALASTINA-RUNDSCHAU Die Ottomanislerung der palästinischen Juden In der zionistischen Oeffentlichkeit ist oft die Wichtigkeit der Ottomanisierung der palästinischen judenheit betont worden. Wollen die palästinischen Juden an der bürgerlichen und politischen Entwicklung des Landes teilnehmen, so muß die Annahme der türkischen Staatsangehörigkeit ihr erster Schritt sein. Daß dies mitunter auch mit Unannehmlichkeiten verbunden ist, wurde ja nie in Abrede gestellt. Aber erstens ist ja unsere gesamte Kolonisationsarbeit voll Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten, denn es ist ja entschieden bequemer, in einem bereits kultivierten Lande zu wohnen, als in einem Lande, das wir eben zu kultivieren haben. Andererseits ist auch zu berücksichtigen, daß diejenigen Juden, die Ottomanen geworden sind, mit ihrer neuen Staatsangehörigkeit in der Regel sehr zufrieden sind und Rechte genießen, die den Angehörigen fremder Staaten versagt bleiben. Wie anders würden wir dastehen, wenn wir alle hier vollberechtigte Staatsbürger wären und in den städtischen und provinziellen Vertretungskörperschaften usw. unseren Einfluß geltend machen könnten! Daß wir dann auch im Verwaltungsdienste und im Heere eine recht angesehene Position erlangen könnten, sei nur nebenbei bemerkt. Wenn man aber bis jetzt die Frage der Ottomanisierung sozusagen nur von der positiv nützlichen Seite betrachtet hat, so ereignete sich dieser Tage in Jaffa ein Vorfall, der die Wichtigkeit dieser Frage noch von einem ganz anderen Gesichtspunkte zeigte. Anläßlich des Beilis-Prozesses hatten die Rabbiner Jerusalems eine energische Protestkundgebung veranstaltet und einige Tage später wurde auch in Jaffa eine Protest Versammlung angekündigt. Sobald der russische Konsul davon erfahren hatte, suchte er die Versammlung zu hintertreiben. Er wandte sich an den Käimakam mit dem Ersuchen, die Versammlung nicht stattfinden zu lassen, da sie gegen die russische Regierung gerichtet sei. Der Kaimakam erkundigte sich darauf bei dem Jaffaer Chacham Baschi Ben-Zion U s i e 1 und erhielt die Antwort, daß es sich nicht um eine politische, sondern um eine Angelegenheit der jüdischen Religion handle, in die sich die weltlichen Behörden nicht zu mischen hätten. Diesem Standpunkte schloß sich auch der Kaimakam an und so wurde in der Synagoge N’weh Schalom die Protestversammlung abgehalten, an der sich ein tausendköpfiges Publikum beteiligte. Der Chacham Baschi hielt eine zündende Rede und verlas darauf eine Protestresolution. Draußen jedoch standen die Diener des russischen Konsuls, zwei Juden und ein Araber, und befahlen den Juden russischer Staatsangehörigkeit, die Versammlung nicht zu besuchen, was freilich nur von den wenigsten befolgt wurde. Wenn diesem Vorfall auch keine weitere Bedeutung beizulegen ist, so hat er doch die Frage der Ottomanisierung wieder in Fluß gebracht. Es ist übrigens noch nicht aufgeklärt, wer eigentlich den russischen Konsul zu diesem sonderbaren Verhalten bewogen hat. Er hat sich sonst während seiner bisherigen Amtstätigkeit den Juden von einer anderen Seite gezeigt. Die Zukunft der Mandelpflanzungen in Palästina Unter der Ueberschrift „Gründetein Mandelsyndikat“ veröffentlicht der Leiter des jüdischen Winzersyndikats in Palästina, Herr S. G1 u s k i n, einen Aufsatz in der palästinischen Presse, in dem er u. a. folgendes ausführt: Die Mandelkultur hat sich bei uns in den letzten Jahren ungemein stark entwickelt und es scheint, daß ihr noch eine große Zukunft bevorsteht. Die Bodenfläche, die mit Mandeln bepflanzt ist, vergrößert sich von Jahr zu Jahr. Die Mandelernte belief sich im abgelaufenem Jahr auf mehr als 300000 Kilogramm und wird wohl in nächster Zeit eine Million und mehr erreichen, zumal da die neuen Siedlungen ihre Pflanzungsarbeiten mit dieser Kultur beginnen. Dieser rapide Aufschwung regt zum Nachdenken an. Zwar waren die Preise in den letzten Jahren durchweg günstig und dank der Arbeit des „Karmel Misrachi“ wickelte sich auch der Absatz glatt ab, ohne daß die Produzenten genötigt waren, sich selbst Märkte für ihre Erzeugnisse zu suchen. Indessen muß man bedenken, daß die ungewöhnlich guten Preise, die in den letzten Jahren erzielt wurden, auf die Mißernten in Südeuropa zurückzuführen sind. Ein Sinken der Preise in den nächsten Jahren erscheint daher nicht unwahrscheinlich. Dazu kommt, daß vorläufig die Zahl der Kaufleute, die sich mit dem Export der Mandeln nach Europa befassen, gering ist und die palästinische Mandel hauptsächlich auf den ägyptischen Konsum angewiesen ist. (Nur ein kleiner Teil wird nach Marseille versandt.) Der europäische Markt verlangt auch meist eine Mandel mit harter Schale, während in Palästina überwiegend die feinschalige Mandel kultiviert wird. Herr Gluskin schlägt nun vor, daß sämtliche jüdischen Kolonisten, die Mandelpflanzungen besitzen, sich zu einer Genossenschaft vereinigen mögen. Die Hauptaufgaben einer solchen Genossenschaft wären die folgenden: Konzentrierung des Absatzes auf Rechnung der Produzenten; Erschließung neuer Absatzgebiete; Verbesserung der Mandelkultur durch Anbau neuer, für den Weltmarkt geeigneter Sorten; Verbilligung der Produktion durch Anschaffung geeigneter Maschinen; Schaffung eines günstigen Agrarkredites usw. Gluskins Vorschlag dürfte um so eher Anklang finden, als in den Kreisen der jüdischen Mandelpflanzer die angeregten Fragen schon vielfach erörtert worden sind und die Erfolge des jüdischen Winzersyndikats sie zu einem in gleicher Richtung liegenden Versuche anspornen werden. Besonders die Achusah-Gesellschaften, die sehr stark mit der Mandelkultur rechnen, sollten sich rechtzeitig das Studium der Pflanzungsmethoden und Absatzverhältnisse angelegen sein lassen. Es sei hier gestattet, aus dem Aufsatz über „Pflanzungsgesellschaften“, der in Nr. 26 der „Welt“ veröffentlicht war, folgenden Passus in Erinnerung zu bringen: „Es wäre zu wünschen, daß sich die verschiedenen Achusah- Gruppen zu einem Verbände organisierten, der seinen Zwecken entsprechende praktische Versuchsfelder einrichten und die ihn besonders beschäftigenden Fragen (z. B.: Welche Sorten haben die besten Chancen auf dem europäischen Markte?) studieren sollte.“ Auch für ganz neue Gruppen lohnt es sich, einige Mittel für solche Untersuchungen zur Verfügung zu stellen, da sie bereits bei ihren Pflanzungsarbeiten die Ergebnisse verwerten könnten. Konferenz jüdischer Landarbeiter in Galiläa Vor kurzem fand eine Konferenz der Vertreter der Landarbeiter in Galiläa statt. Aus dem Referate über die Lage der Arbeiter in Untergaliläa sei folgendes hervorgehoben : Die allermeisten Arbeiter befinden sich jetzt in den Farmen. In den eigentlichen Kolonien ist in den letzten Jahren die Zahl der Arbeiter zurückgegangen. Der Referent hat aus vielfachen Berechnungen, die er gemeinsam mit den Kolonisten anstellte, die Ueberzeugung gewonnen, daß der jüdische Arbeiter nicht teurer als der nichtjüdische sei; letzterer werde also nicht aus wirtschaftlichen Gründen vorgezogen. In letzter Zeit jedoch werden wieder jüdische Arbeiter verlangt, da sich jetzt wohlhabende Kolonisten ansiedeln, die selbst

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