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Die Welt · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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1636 D!E3^ELT Nr. 48 von der Landwirtschaft nichts verstehen und auf zuverlässige und treue Arbeiter angewiesen sind. In der Diskussion vertrat Mose Kriegs er den Standpunkt, die Landarbeit in Palästina habe für den jüdischen Arbeiter nur Sinn, wenn er Aussicht habe, späterhin seinen eigenen Boden zu bearbeiten. Bei jüdischen Kolonisten, die selbst nicht arbeiten wollen, sollte man gar keine Arbeit annehmen. Im Lande seien Landwirtschaftsschulen nötig. Die Schüler von Slobödka lesna (einer von der I. C. A. bei K o 1 o m e a in Galizien unterhaltenen landwirtschaftlichen Schule) beweisen am klarsten den Nutzen derartiger Schulen*). Zur geistigen Hebung der Arbeiter seien landwirtschaftliche Vorträge erforderlich. Josef Bussei meint, daß solche Schulen zu teuer wären und die Arbeiter sich dort schlecht fühlen würden. Billiger und auch angenehmer für die Landarbeiter sei die Ausbildung, die sie in den Genossenschaften erhalten. Die Kolonisation bilde die große Schule sowohl für die Arbeiter als auch für die Kolonisten und Beamten. Hanna M e i s e 1 meint, die Genossenschaften hätten die Aufgabe, die Rentabilität der Landwirtschaft zu beweisen und könnten darum keine Lehrfarmen sein. Dies sei hingegen die Aufgabe von Ben-Schemen und Hulda, die doch bereits vom Palästina-Amt als Lehrfarmen betrachtet werden. Die Lehrer müßten aus den Kreisen der Arbeit hervorgehen. Die Mädchenfarm beweise, daß man auch in einer Schule fleißig und treu arbeiten könne. Zwecks Einrichtung einer landwirtschaftlichen Bibliothek, für die bereits 600 Eres, aufgebracht sind, wurde eine Kommission, bestehend aus Hanna M e i s e 1, Eleasar Schochat und Josef B u s s e 1 eingesetzt. Die Konferenz befaßte sich noch mit der Frage des Arbeitsnachweises. Das Arbeiterproblem In Palästina Die Frage, wie man Arbeitern durch Bereitstellung von Haus und Garten eine Existenzbasis sichert, beschäftigt in steigendem Maße die besten Köpfe und Herzen der fortgeschrittenen Nationen. Den Philantropen fesselt der schöne Gedanke, mit verhältnismäßig geringen Mitteln einer armen, arbeitsamen Familie ein bescheidenes, aber glückliches Heim zu schaffen. Den Sozialpolitiker leitet das Bestreben, den Arbeitern durch eine kleine. Haus- und Gartenwirtschaft das Ertragen von industriellen Krisen zu erleichtern und ihn gleichzeitig zu verhindern, durch Unterbietung den Lohn seiner Arbeitskollegen zu drücken. Den Grundbesitzer auf dem Lande leitet das Interesse, das Abströmen der einheimischen Arbeiter nach den Industriezentren einzudämmen. Den nationalen Politiker endlich bewegt die Sorge, daß das Land nicht durch Zuzug von fremdnationalen Saisonarbeitern entnationalisiert wird. Kein Wunder, daß sich in den letzten Jahren die Presse und die Literatur Deutschlands, Englands und anderer Länder intensiv mit dem Behausungsproblem auf dem Lande befassen. Für die nationale Kolonisation in Palästina kommt zu den eben erwähnten Beweggründen noch ein ausschlaggebender hinzu: Die ersehnte Massenkolonisation städtischer Elemente in Palästina und deren Umwandlung in Landarbeiter kann naturgemäß in erster Linie nur eine Kolonisation von Besitzlosen sein. Der Jüdische Nationalfonds sucht bekanntlich die Arbeiter-Kolonisationsfrage auf verschiedenen Wegen einer Lösung zuzuführen: durch Erwerb des Bodens als unveräußerlichen Nationalbesitz, Schaffung und Förderung von Siedlungs- und Pflanzungsgenossenschaften, Lehrfarmen usvv. ln den letzten Jahren hat er sein besonderes Interesse der Arbeiter-Wohnungsfrage zugewendet. Zunächst errichtete er Einfamilienhäuser aus dem Wolffsohnfonds und H a 1 - *) In Slobödka lesna ist der Unterricht fast nur praktischer Natur. Im Sommer beschränkt sich der theoretische Unterricht auf eine Erklärung der am vorigen Tage ausgeführten Arbeit; im Winter gibt es täglich eine Stunde theoretischen Unterricht. perinfonds; Ledigenheime aus seinen laufenden Einnahmen. Eine besonders großzügige Aktion ist jedoch erforderlich geworden, seitdem die Verfolgungen im Jemen tausende von Juden zur Auswanderung nach Palästina zwingen. Die Aktion war von Erfolg begleitet, indem Zionisten und Nichtzionisten dem Nationalfonds Hausspenden von je 1000.— Frcs. zuführten, bisher einschließlich der Teilzahlungen ca. 280 000 Frcs. Dieser Erfolg im Zusammenhang mit den bisherigen Erfahrungen veranlaßte die N. F.-Verwaltung, sich mit der Errichtung von Arbeiterheimstätten dauernd zu beschäftigen und die Werbearbeit hierfür in das ständige Tätigkeitsprogramm des N. F. aufzunehmen. Denn diese Häuser entsprechen einem dringenden Bedürfnis sowohl der Einwanderer aus dem Jemen, wie aus den Ländern Osteuropas, die, „durch Hunger und durch Liebe“ getrieben, in die alte Heimat zurückkehren, um sie durch harte Pionierarbeit für das Volk wiederzugewinnen. In den Chanukahtagen, da wir der Makkabäer gedenken, die mit dem Schwerte in der Hand für die Freiheit des jüdischen Landes und des jüdischen Bauern kämpften, sollten sich alle Juden ihrer Pflicht gegenüber den Makkabäern der Arbeit bewußt werden! Der jüdische Arbeiter, der die verwahrloste, unkultivierte Scholle mit Pflug und Hacke zum Nationalbesitztum macht, hat ein Recht darauf, als Erbpächter auf Nationalfondsboden Eigentümer von Haus und Garten zu werden und so eine Existenzbasis für seine Familie zu erhalten. Es ist zu erwarten, daß die im vorigen Jahre erfolgreich begonnene Aktion für die Arbeiter- und Jemitenhäuser durch eine Verbindung mit dem Chanukahfest zu einem dauernden Aufschwung dieses bedeutsamen Arbeitsgebietes des Nationalfonds in Palästina beitragen wird. Verband der jüdischen Kolonien Palästinas In letzter Zeit haben sich die jüdischen Ackerbaukolonien in Judäa zu einem Verbände zusammengeschlossen. Die Zentrale des Verbandes wird in Rischon le-Zion sein. Der Verband soll die judäischen Kolonien nach außen, namentlich den Behörden gegenüber, vertreten. Bisher haben die einzelnen Kolonien verschiedene städtische Körperschaften mit der Wahrnehmung ihrer Interessen bei den Behörden betraut, sind aber zu der Ueberzeugung gelangt, daß die ländlichen Angelegenheiten nur von einem ländlichen Verbände wirksam vertreten werden können. In den Kreisen der Kolonisten setzt man große Hoffnungen in die Tätigkeit des neuen Verbandes. Jüdische Bauhandwerker in Palästina gebucht In einer Zuschrift, die die Jerusalemer Zeitung „Hacheruth“ veröffentlicht, wird darauf hingewiesen, daß in den größeren jüdischen Kolonien jüdische Maurer und sonstige Bauhandwerker dauernd Beschäftigung finden könnten, da die Bautätigkeit fast das ganze Jahr anhält. In der Zuschrift wird auch mitgeteilt, daß in Rechoboth drei jüdische Tischler und drei Schmiede wohnen, die immer reichlich beschäftigt sind. In Pethach-Tikwah wird das ganze Jahr hindurch gebaut. Im übrigen mangelt es auch in den Städten an tüchtigen Maurern, und die vorhandenen jüdischen Maurer erzielen hohe Löhne. Kleine Nachrichten Der neue Militärgouvemeur von Jerusalem hatte den Jerusalemer Jeschiboth, und zwar sowohl den aschkenasischen wie den sephardischen, die Anerkennung als theologische Hochschulen, deren Zöglinge vom Heeresdienst befreit sind, entgegen der früheren Praxis versagt. Zahlreiche Chachamim und Rabbinatskandidaten wurden daher von den Militärbehörden in Palästina gezwungen, sich für den Militärdienst vormerken zu lassen. Auf die energische Intervention des türkischen Großrabbiners hat nun vor kurzer Zeit der Kriegsminister nach Jerusalem die telegraphische Anweisung ergehen lassen, daß jüdische Theologiestudenten vom Militärdienst befreit und die bereits Ausgehobenen sofort aus dem Dienst entlassen werden sollen. Die Trennung im „Bezalel“ ist jetzt auch räumlich durchgeführt, indem die Kunstschule sowohl wie auch die Werkstätten je eines von den beiden Bezalelhäusem des National-

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