Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316620--58247-3376766- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1634 Nr. 48 geteilt, der Knabe hätte gestanden, daß er auf dem „Mjalo“ (Knetrad) der Säizewschen Ziegelei mit Eugen Tscheberjak und dem ermordeten Justschinski gespielt hätte. Dabei gab man Beilis zu verstehen, daß jetzt sein hartnäckiges Leugnen gar keinen Sinn mehr hätte. Der Knabe wurde bald darauf freigelassen, dem Vater gab man aber davon keine Nachricht, weil man ihm die Freude nicht gönnte. So wurde Beilis siebenundzwanzig Monate lang in der Untersuchungshaft behandelt! Das Honorar der Zivilkläger Während der Kiewer Verhandlungen hat Zivilkläger Dumaabgeordneter Samislowsky sich wiederholt in die Brust geworfen und erklärt, daß er und seine Freunde für ihre Mühe keine Kopeke Honorar bekommen. Wie aus gut unterrichteter Quelle mitgeteilt wird, stellt sich nun heraus, daß den Zivilklägern vom Geheimfonds der Regierung 12 000 Rubel bewilligt worden sind! Demgegenüber verdient hervorgehoben zu werden, daß weder die Verteidiger, denen im Gerichtssaal ganz unzweideutig Käuflichkeit vorgeworfen wurde, noch auch die Sachverständigen der Verteidigung irgendeine Vergütung annahmen. Worte, die von den zahlreichen anwesenden Rabbinern mit unbeschreiblichem Jubel aufgenommen wurden. — Endlich bekundete der gleichfalls jüdische Abgeordnete Dr. Nemes seine Weltfremdheit in jüdischen Angelegenheiten dadurch, daß er allen Ernstes beantragte, sämtliche Parlamente der Welt zu ersuchen, die Ritualmordprozesse auf legislatorischem Wege aus dem Bereiche der gesitteten Menschheit aus zu- Am 31. Dezember 1913 läuft das Abonnement der meisten Bezieher unseres Blattes ab. Nur bei rechtzeitiger Erneuerung des Abonnements Ungarische Protestversammlung gegen den Beilis-Prozeß Die führenden Kreise der ungarischen Juden hielten am 11. November, am Tage nach der Urteilsverkündung im Beilisprozeß, eine große Protestversammlung ab. Der Verlauf der Versammlung, insbesondere die meisten der von jüdischer Seite gehaltenen Reden waren wenig erfreulich. Der Präsident der Versammlung, Hofrat Franz S z e k e 1 y, führte aus, es sei wünschenswert, ja notwendig, daß in einer Zeit, da sämtliche Kultumationen einen feierlichen Protest gegen den Ritualmordwahn erheben, auch die Ungarn im Chore dieser Nationen ihre Stimme erheben. Die Protestversammlung war also in erster Reihe ein Gebot des ungarischpatriotischen Empfindens, und erst am Ende der Eröffnungsrede kam es verschämt zum Ausdruck, daß es sich auch um eine Angelegenheit des Judentums handelte. Der nächstfolgende Redner, der jüdische Reichstagsabgeordnete Dr. Samuel Bakonyi, sagte, daß es nur gelte, für diejenigen einzutreten, die im Lande der Unterdrückung verfolgt werden, „denn wir freie Bürger haben keinen Grund dazu, weil der konfessionelle Haß im gelobten Ungarlande niemals Fuß fassen konnte“. Glaubt der Herr Abgeordnete selber an die Richtigkeit dieser kühnen Behauptung? Es folgten nun zwei hervorragende Persönlichkeiten des politischen Lebens. Ministerpräsident a. D. Graf Khuen- Hedervarv, der jetzige Präsident der Regierungspartei, und der Präsident der Unabhängigkeitspartei, Graf Michael Kärolyi. Beide sprachen sichtlich im Interesse ihrer Partei und konnten nur schlecht ihre Absicht, die Sympathie der herbeigeeilten jüdischen Gemeindegewaltigen für ihre Partei zu gewinnen, verhüllen. Besonders Graf Kärolyi suchte die Beilis-Affäre für seine politischen Zwecke auszunützen, als er mit offener Anspielung auf den Kampf der Oppositionsparteien gegen die Regierung, die, wie er sagte, die Presse knebeln und die Schwurgerichte so gut wie abschaffen will, darauf hinwies, wieviel das Judentum auch im Fall Beilis der freien Presse und der Institution der Schwurgerichte zu verdanken hat. Es sprachen ferner der ungarische Reichstagsabgeordnete Andor v. K o z m a, Chefredakteur des Pester Lloyd, Ministerialrat a. D. Josef Veszi und der bekannte jüdische Abgeordnete Dr. Wilhelm Väzsonyi, der sich zu den Worten verstieg: „Wir ungarische Juden bedürfen eines besonderen jüdischen Gefühls, besonderer jüdischer Interessen nicht. Wir finden alle Garantien unserer menschlichen Rechte, unserer bürgerlichen Würde, unserer Entwicklung in der Verfassung und in der Gesellschaft der ungarischen Nation.“ können Störungen in der Zustellung der „WeRvermieden werden. Alle Abonnements, die bis zum 31. Dezember d. J. nicht ausdrücklich abbestellt werden, betrachten wir als erneuert. Abonnementsbeträge aus dem Auslande überweist man am einfachsten per Postanweisung, Schecks auf europäische Banken oder ev. auch in Briefmarken. Bestellungen auf Einbanddecken für den Jahrgang 1913 der „Welt“ werden schon jetzt entgegengenommen. Preis einer Einbanddecke inkl. Porto und Verpackung Mark 2.50. Auch im nächsten Jahre werden wir jede Woche eine Anzahl von Exemplaren der „Welt“ auf holzfreiem Papier hersteilen lassen. Wir empfehlen unsern geehrten Lesern, insbesondere aber allen Vereinsbibliotheken, Archiven usw. den Bezug dieser besseren Ausgabe der „Welt-. Diese Ausgabe kann selbstverständlich nur an ganzjährige Abonnenten geliefert werden und kostet für Deutschland u. Österreich-Ungarn M.18.— pro Jahr „ alle übrigen Lander.. 24— „ „ Der gebundene Jahrgang 1913 kann ab Januar zum Preise von Mark 25.— bezogen werden. Wir empfehlen insbesondere zu Geschenkzwecken die Anschaffung dieses Jahrganges. Verlag „Die Welt“ BERLIN W15, Sächsische Sir. 8.