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Die Welt · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 48 1632 - DIE3&ELT; Ein russisches Dokument Die „Utro“ veröffentlicht folgendes amtliche Dokument: „Kiew er Gendarmerieverwaltung. 3. Oktober 1913 Nr. 3448. An den Herrn Gouverneur! Ich habe die Ehre, mitzuteilen, daß zurzeit in Kiew im Stadtviertel Podol unter den Landstreichern, Arbeitslosen und verdächtigen Personen aller Art über den bevorstehenden Judenpogrom, der bereits ganz organisiert sei, Gespräche geführt und über den geeigneten Zeitpunkt beraten wird. Aus diesen Gesprächen ist zu schließen, daß es einige tausend Personen gibt, die zum Pogrom bereit sind, und diesen sollen sich im Pogrom die kleinen Hausbesitzer anschließen. Widerstand von seiten der in Kiew einquartierten Ural-Kosaken erwarten die Pogrommacher nicht.“ (Folgen Unterschriften.) Ehe großartige patriotische Aktion blieb diesmal aus. Denn es genügte, wie die „Utro“ richtig bemerkt, ein ablehnender Wink der Zentralbehörden, damit sich das Pogromgeschmeiß in seine Löcher verkroch . ... Erdölvorkommen ln Syrien Nachdem schon im Jahre 1909 ein deutsch-syrisches Syndikat von der türkischen Regierung die Konzession für Erdölbohrungen an sechs verschiedenen Punkten des Jarmuk- und des Jordantales erlangt hatte, bildete sich im November 1912, unter hauptsächlicher Beteiligung englischer Finanzkreise, die Syrian Exploration Company, Limited, mit dem Sitz in London und Haifa. Die Gesellschaft nahm im April d. J. mit Hilfe englischer und amerikanischer Fachleute Bohrungen bei der Bahnstation El Makärin der Hedschasbahn (125 km von Haifa) vor. Nach Ansicht der Bohrmeister dürfte Erdöl erst in 350 bis 400 m Tiefe erreicht werden. Die Syrian Exploration Co. hat zunächst 20000 £ für die Bohrversuche bereitgestellt, ist aber entschlossen, das Kapital bei günstigen Ergebnissen nach Bedarf zu erhöhen. Auch am Westufer des Toten Meeres sind von dem deutschen Geologen Dr. M. Blanckenhom Erdölquellen und bituminöse Lagerungen entdeckt worden. Dieses Vorkommen dürfte in der nächsten Zeit ebenfalls; durch Bohrversuche geprüft werden. Neben der genannten englischen : Gesellschaft ist neuerdings eine amerikanische Gesellschaft ins Leben gerufen worden, die gleichfalls in Syrien Bohrungen nach Erdöl unternehmen will' Auch in der Nähe von Beirut hat man vor kurzem eine Petroleummine entdeckt, für deren Ausbeutung sich der ägyptische Prinz Jussuf Pascha Karn e 1 interessiert, der in dieser Angelegenheit Verhandlungen mit dem türkischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten angeknüpft hat. 5000 Dollar für Jemenitenhäuser in Palästina Das American J-ewish Committee, diese bedeutendste amerikanisch-jüdische. Körperschaft, die sich mit fast sämtlichen Angelegenheiten des jüdischen Lebens in Amerika befaßt und auch ini Auslande eine rege Tätigkeit entfaltet, hat am 9. NöVember seine siebente Jahresversammlung abgehalten. Die Versammlung faßte zwei wichtige Beschlüsse, nämlich erstens die, Einrichtung, eines Vereines für jüdische Statistik und die Gewährung einer Spende von 5COO Doll, zur Errichtung von Jemen itenhäiis'ern in den palästinensischen Kolonien.' Aus dem Arbeitsbericht des. American Jewish Committee geht hervor, daß das; Komitee; im - Verein mit den anderen großen jüdischen, Korporationen bedeutende Hilfsaktionen zugunsten der Balkan-Jude ri unternommen hat. Dem amerikanischen Senat und Repräsentantenhause wurden mehrere Eingaben zwecks Intervention im Interesse der rumänischen Juden unterbreitet, die .zurzeit :zur Verhandlung stehen. Im Hinblick auf die. jüdische Einwanderung in Amerika erwähnt der Bericht' mit Genugtuung Präsident Wilsons ermutigende Aeußerungen, aus denen hervorgeht, daß er vorläufig die Einwanderung keinesfalls. zu: beschränken gedenkt. Ueber die Pa ß v e r h a n,d l.uu ge n zwischen Amerika und Rußland sagt der Bericht: „Es ist sicher, .daß unsere Regierung keinesfalls einen neuen Vertrag eingehen Würde, in dem nicht die Gleichberechtigung aller Bürger, ohne Rücksicht auf Rasse und Religion, gewährleistet wird und der das Recht der Expatriierung nicht formell anerkennt.“ — Da wird wohl der Vertragsabschluß so bald nicht zu erwarten sein. (Vgl. auch Mitteilungen des Jüdischen Nationalfonds.) Kleine Nachrichten Tagung der jüdischen Lehrervereine Der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche hält in den Tagen vom 28. bis 30. Dezember in Breslau seinen Verbandstag ab. EHe Verhandlungen finden in den Räumen der Lessing-Loge, Agnesstraße, statt. Das Hauptthema beschäftigt sich mit der „rechtlichen Stellung des jüdischen Religionsunterrichts und des jüdischen Lehrers“. Da die gesetzliche Lage in den deutschen Bundesstaaten verschieden ist, so sind Referenten aus allen Teilen des Reiches gewonnen worden. Mit der Tagung ist eine Ausstellung von Jugendschriften und Lehr- und Lernmitteln verbunden. Die Hauptversammlungen sind öffentlich; Gäste haben also freien Zutrit. Die jüdischen Ackerbauer in Südrußland Die Bewohner der jüdischen Ackerbaukolonien in Taurien, den südrussischen Gouvernements und Bessarabien hatten bisher einen besonderen Kopfzoll zu entrichten. Dieser Kopfzoll soll nunmehr nach dem „Standard“ in eine Bodensteuer umgewandelt werden, durch welche die Juden weniger empfindlich getroffen werden. Die jüdischen Ackerbauer sollen in Zukunft auch das Recht erhalten, Land anzukaufen, während sie es bisher nur pachten konnten. Die jüdischen Kolonien sind blühende Siedlungen, die durch die neue Maßnahme einen größeren Aufschwung nehmen könnten — wenn die Nachricht des „Standard“ in dieser Form richtig ist. Da die Gebiete, die Serbien in den letzten Balkankriegen neu erworben hat, teilweise sehr dünn bevölkert sind, hat die serbische Regierung die jüdische Gemeinde in Belgrad benachrichtigt, daß sie eine Ansiedlung von Juden in dem betreffenden Landstrich gern sehen würde und geneigt wäre, jüdischen Ansiedlern Vergünstigungen aller Art zu gewähren. Die planmäßige Verdrängung der jüdischen Aerzte von den Wienern Spitälern, die Gegenstand einer von uns besprochenen Interpellation im Parlamente war, hatte die Gründung einer neuen Organisation, die „Soziale Vereinigung jüdischer Aerzte in Wien“ zur Folge. Sie will in allgemein ärztlichen Angelegenheiten an der Wiener wirtschaftlichen Organisation der Aerzte mitwirken, erblickt aber natürlich ihre Hauptaufgabe in der möglichsten Bekämpfung der herrschenden, die jüdischen Kollegen allein betreffenden unerhörten Mißstände. Der Berliner Professor der Theologie, Dr. Hermann L. Strack sprach in einer großen Wiener Versammlung gegen das Ritualmordmärchen und behandelte insbesondere die Fälle von Metz, Könitz, Polna und K i e w. In einer Rede an die Eltern jüdischer Religionsschüler in New York erwähnte Dr. J. L. Magnes die bedauerliche Tatsache, daß in New York von 200000 jüdischen Schulkindern nur 12000 eine Talmud Thora besuchen und höchstens 50 000 irgendwelchen jüdischen Unterricht erhalten. In Kiew fand am 20. November die Jahresversammlung der Jüdischen Emigrationgesellschaft (Ito) statt. Die Versammlung wurde von Leo Brodsky eröffnet. Dr. Jocheimann berichtete über den Stand der Emigration nach Galveston und über die allgemeine Lage der Gesellschaft. Frau Eugenie Mandelstamm, die Tochter des verstorbenen Prof. Mandelstamm, referierte über die Tätigkeit der Gesellschaft in den letzten zwei Jahren. An die Berichte schloß sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren G. J. Gurewitsch, Dr. Mandelberg, Advokat K e 1 b e r i n u. a. beteiligten. Einem Festgottesdienst in der Synagoge zu Sofia zu Ehren der gefallenen jüdischen Offiziere und Soldaten in bulgarischen Diensten wohnten der Premierminister und der Prälat des Heiligen Synods bei. Der Stadtrat von Sofia hatte schon lange vorher die Einwohner der Stadt durch Plakate auf fordern lassen, an dem Festgottesdienst teilzunehmen. Auch hohe Offiziere, Gerichts- und Verwaltungsbeamte wohnten ihm bei. In W i I n a ist armen jüdischen Familien eine Buße von insgesamt 362 000 Rubeln auferlegt worden, weil ihre nach Amerika ausgew änderten Familienmitglieder sich „der Militärpflicht entzogen“ haben. In der Duma sollen einige Abgeordnete die Absicht haben, die Regierung über die jüngst neu erlassenen Anordnungen zur Beschränkung der Aufnahme jüdischer Schüler

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