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Die Welt · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ELT Nr. 48 1630 : D1E3äK_ WELTCHRONIK Die deutschen Konsulate in Palästina Wie aus dem soeben von der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichten deutschen Reichsetat hervorgeht, fordert die Regierung vom Reichstag die Mittel zur Umwandlung des deutschen Konsulats in Jerusalem in ein Generalkonsulat und der bisherigen Vize- Konsulate in Jaffa und Haifa in Konsulate. Der Fonds zur Unterstützung deutscher Schulen im Auslande soll im nächsten Jahre um 400 000 Mark, nämlich von 1 100 000 auf 1 500 000 Mark, erhöht werden. Oesterreich und die Türkei Das Expose des Ministers des Aeußem, Grafen Bercht o 1 d, welches er vor den soeben in Wien tagenden österreichisch-ungarischen Delegationen hielt, enthält auch einen wichtigen Passus über die Orientpolitik des Donaureiches und seine Beziehungen zur Türkei. „Die nach dem ungünstigen Ergebnisse des Balkankrieges bewiesene Vitalität des Osmanischen Reiches, welches sich in der Wiedergewinnung des östlichen Thraziens mit Adrianopel geäußert hat, läßt für dasselbe eine Periode der Konsolidierung und des Aufschwunges erhoffen, wofür der Wegfall der kostspieligen und stets gefährdeten mazedonischen Provinz nur förderlich sein kann. Durch den in jüngster Zeit geschlossenen Ausgleich mit Bulgarien, welchem jener mit Griechenland bald nachgefolgt ist, wird die Pforte nun in die Lage versetzt, sich den großen Aufgaben der inneren Reorganisation zu widmen. Wir sind durch traditionelle freundschaftliche Beziehungen, wie durch vielfältige kommerzielle Interessen mit der Türkei verbunden und nehmen an ihrer Regenerierung lebhaften Anteil.“ Diese Feststellung der ausgezeichneten Beziehungen Oesterreichs-Ungarns zu der Pforte und die Betonung des lebhaften Interesses, das die Monarchie einer günstigen Entwicklung des türkischen Reiches entgegenbringt — aus Gründen traditioneller Freundschaft nicht minder als aus handelspolitischen Motiven — ist für den Zionismus von Bedeutung. Anläßlich des Wiener Zionistenkongresses hat nebst zahlreichen anderen Pressestimmen ganz besonders das offizielle Organ der österreichisch-ungarischen Kolonialgesellschaft in einer ausführlichen Darlegung hervorgehoben, daß unter den asiatischen Gebieten der Pforte als wirtschaftliche Interessensphäre des Donaustaates fast nur Syrien und Palästina in Betracht käme. Die intensive zionistische Kulturarbeit in Palästina sei daher zu begrüßen und zu fördern und eine gute österreichische Orientpolitik müsse mit ihr als einer gegebenen Größe rechnen. Auch aus dem Expose des Ministers geht hervor, daß Oesterreich-Ungarn handelspolitisch an dem Aufschwünge des türkischen Orients hervorragend interessiert ist. Das türkischeuropäische Absatzgebiet hat sich um die an Serbien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien abgetretenen großen Landstriche verringert — auch Graf Berchtold erwähnt den Wegfall der mazedonischen Provinz — und damit treten für den österreichischen Export die kleinasiatischen Länder des ottomanischen Reiches in den Vordergrund. Innerhalb fünf Jahren zionistischer Palästina-Arbeit ist die Einfuhr in Jaffa fast auf das Doppelte gestiegen. Die österreichisch-ungarische Regierung wird daher gewiß den Aufschwung des zionistischen Palästinawerkes, das dem bedrängten jüdischen Volke die Erlösung bringt, gleichzeitig aber auch die Erstarkung der Türkei fördert und den Handelsinteressen der Monarchie dient, lebhaft begrüßen. Die italienischen Wahlen und die Juden Die allgemeinen Wahlen zum italienischen Parlament, die nunmehr zu Ende sind, erhielten ein besonderes Gepräge durch die Hetze der klerikalen Blätter gegen die jüdischen Kandidaten und das jüdische Volk. Es war seit vielen Jahren das erste Mal, daß in Italien gegen das Judentum eine systematische Hetze in der Presse und in öffentlichen Versammlungen eingeleitet wurde. Das in der vorigen Session angenommene Wahlgesetz, das breiten Schichten des Volkes das Wahlrecht verleiht, hatte u. a. zur Folge, daß sich — zum ersten Male in der Geschichte des neuen Italien — die Klerikalen massenhaft an den Wahlen beteiligten: zum ersten Male hatte der Vatikan sein „Non expedit" für fast alle Wahlkreise aufgehoben. Der Kampf der Klerikalen galt nun besonders den fortschrittlichen Elementen, wozu sie außer den Sozialisten in erster Linie „Freimaurer und Juden" rechnen. Die letzteren erfreuten sich einer besonderen Bevorzugung. Wo jüdische Kandidaten auftraten — und es gab solche in allen Lagern — da meldeten sich die frommen Bannerträger zum Kampfe. Alle Waffen waren gut genug dazu: Verleumdungen gegen das jüdische Volk wurden aus den dunkelsten Arsenalen des Mittelalters hervorgeholt. Eine gute Gelegenheit bot der Beilis-Prozeß, der gerade in diese Zeit fiel und reichlich ausgebeutet wurde. Besonders heftig wurde die antisemitische Hetze in Borgo S. Dalmazzo geführt, wo die Klerikalen in der Stichwahl einen hervorragenden Juden vor sich hatten: den Comm. Cassin. Außer der Ritualmordhetze dienten hier der frommen Propaganda auch andere schauerliche Geschichten, besonders Wuchergeschichten und ähnliches. Aber trotz des verzweifelten Kampfes der Klerikalen hat Comm. Cassin, der sich in seinen Propagandareden offen zum Judentum bekannte, einen bedeutenden Sieg davongetragen. Und das in einem Wahlkreis, wo es nur ein paar Juden gibt! Die „U n i t a C a 11 o 1 i c a" in Florenz, die im Rufe steht, das katholischste Blatt Italiens zu sein, und sich der besonderen Gunst des Vatikans zu erfreuen hat, will auch jetzt, da die Wahlen zu Ende sind, mit seiner schändlichen Judenhetze nicht aufhören. Da dieses -Blatt unter der katholischen Bevölkerung sehr verbreitet und einflußreich ist, erbittert seine Kampagne die Florentiner Juden, die bis jetzt derartige Ausfälle nicht gewohnt waren. Und da die „Unita Catto- 1 i c a" das Organ des Erzbischofs von Florenz ist, beschloß Rabbiner Dr. M a r g u 1 i e s , bei ihm vorzusprechen, um die Einstellung der antisemitischen Hetze zu erlangen. Eine Audienz beim Erzbischof wurde ihm aber nicht gewährt. Er erhielt vom Sekretär desselben Bescheid, daß Seine Eminenz nicht in Florenz sei (was nicht der Wahrheit entsprach), der Herr Rabbiner müsse sich begnügen, vom Sekretär empfangen zu werden . . . Und Dr. Margulies begnügte sich. Der Sekretär empfing den Rabbiner sehr „höflich"', und gab die Versicherung, daß er „sich nicht mehr über die .Unita Cattolica4 zu beklagen haben würde ..." Dessenungeachtet setzt das Pfaffenblatt seine Judenhetze in verstärktem Maße fort. Dr. Margulies hätte vielleicht besser getan, nicht in dieser unterwürfigen Weise vorzugehen. Sein demütiges Vorsprechen beim Sekretär des Erzbischofs hat doch nichts gefruchtet. Er hat den Witz der Abwesenheit des Erzbischofs und des Versprechens, daß er sich über die

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