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Die Welt · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 PlE^gELT— ,= :■■ -- --- 1627 5. Nach alldem protestieren v/ir einstimmig und nachdrücklich gegen die Beschlüsse des Kuratoriumsundsind entschlossen ,mit allen Kräften gegen sie anzukämpfen. Wir hoffen, daß die Mehrheit des Kuratoriums ihre Beschlüsse einer Revision unterziehen wird. Dieser Resolution haben sich ausdrücklich angeschlossen: Der Vorstand der aschkenasischen Gemeinde, Haifa. Der Vorstand der sephardisdien Gemeinde, Haifa. Die Dr. Paul Nathan-Loge des U. O. B. B., Haifa. Die Karmel-Loge des Order of Anrient Maccabeans, Haifa. Das Komitee der Mittelschule des Hilfsvereins der Deutschen Die Haifaer Ortsgruppe der Allgemeinen Palästina-Organisation. Der Haifaer Arbeiter-Klub. Die Haifaer Ortsgruppen der Arbeiter-Organisationen „Poale- Zion“ und „Hapoel-Hazair“. Das Komitee begnügt sich jedoch nicht mit Protesten; es betreibt vor allem nachdrücklich die Gründung einer hebräischen Mittelschule in Haifa als wirksamste Gegenaktion gegen die Germanisierung des Technikums. Eine Sammlung in der kleinen und armen Haifaer Gemeinde ergab für diesen Zweck bereits in zwei Tagen mehr als 2000 Eres. Größere Geldmittel sind uns bereits von anderer Seite in Aussicht gestellt. Wir glauben zuversichtlich, gegen das Technikum die Parole durchführen zu können: Dieser Schule keine Schüler! Die gewaltige Erregung, die der Beschluß des Kuratoriums in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Palästinas hervorgerufen hat, spiegelt sich in sehr charakteristischer Weise auch in einem Artikel der Jerusalemer Tageszeitung „Hacheruth“, der die nationalgesinnten Lehrer an den palästinischen Hilfsvereins-Schulen auffordert, ihr Lehramt ungesäumt niederzulegen. Es heißt da u. a.: „Kann man auch nur einen Augenblick zugeben, daß die hebräische Erziehung in Palästina, unsere erste und letzte Hoffnung, zum Gegenstand eines diplomatischen Spiels herabgewürdigt werde? . . . Wollen wir es dulden, daß westeuropäische Assimilanten die Axt über unsere zarten Pflanzungen schwingen? Legt eure Aemter nieder! Alle Proteste und öffentlichen Erklärungen werden nichts nützen. Jene Herren haben deutlich genug bekundet, daß sie uns nicht gelten lassen und daß es ihnen ein leichtes ist, mit unseren Gefühlen und heiligsten Grundsätzen ein frevles Spiel zu treiben; aber Taten werden ihnen imponieren — die Niederlegung eurer Aemter! . . . Wir wissen, daß es ein großes Opfer ist, das wir von euch fordern, aber Ihr werdet es bringen. Ihr werdet euer Lehramt nicht schnöde entweihen. Die Stunde ist gekommen, da das Gebot gilt: Man ziehe den Tod der Uebertretung des Gesetzes vor! Und bei euch handelt es sich doch lediglich um materiellen Schaden. Ihr habt es ja immer verschmäht, in den Dienst der Alliance... zu treten, heute aber seht Ihr euch Ammon und Moab gegenüber: wie die Alliance, so der Hilfsverein, wie Bigart, so Paul Nathan, wie Antebi, so Ephraim Cohn. E i n fluchwürdiger Geist beseelt sie alle, der Geist der heuchlerischen Assimilation! Legt eure Aemter nieder! Sollte David J eil in, der Vorsitzende des hebräischen Kulturkongresses, der Leiter der hebräischen Sprachkommission in Jerusalem, der voraussichtliche Kandidat für den Lehrstuhl der hebräischen Sprache an der künftigen Jerusalemer Universität, nicht der erste sein, der das Banner des Hebräischen kraftvoll hochhält? Wir können auch nicht annehmen, daß E. M. Lipschitz und Dr. Jehuda Marschak, diese wackeren, gesinnungstüchtigen Männer, — daß Ch. L. S u t a und Dr. Braver, die von nationaljüdischem Empfinden erfüllt sind, jetzt nicht die erforderliche Tatkraft finden sollten, gegen ihre Vorgesetzten offen den Kampf aufzunehmen! Endlich all die jungen Lehrkräfte, die in den palästinischen Schulen des Hilfsvereins zerstreut sind, jene jungen Juden von dem herzerfreuenden Typus eines Abieser JeIlin und J. Burla in Jerusalem, eines Reichard und Neumann in Haifa — unsere Söhne, in denen wir beglückt die Erfüllung unserer Sehnsucht sehen —, sie werden unsere Zuversicht nicht zuschanden machen! Voll Jugendkraft und unerschütterlichem Glauben an die ewige Jugend Israels, werden sie vereint ihre Aemter niederlegen. Wie könnten wir euch denn, Genossen, tagtäglich sehen mit einem brennenden Mal an eurer Stirne, dem Kainsmal der Unterwerfung unter den Willen von Assimilanten? Geht nicht den Weg der Kompromisse, denn euer ist der Sieg, wenn Ihr diesen Weg nicht geht! Geht in den Fußstapfen des Lehrers in Israel, in den Fußstapfen Achad-Haams und seiner Genossen! Legt eure Aemter nieder! Heiligt euch, heiligt eure Zukunft, heiligt die Sprache Israels! Und wenn Ihr, die Zierde des Hilfsvereins und sein Ruhm, euch von ihm abwenden werdet, wer wird dann noch in seinem Lager bleiben? Verräter werden die Nichtswürdigen sein, die es wagen sollten, eure Plätze einzunehmen! Mögen die Schulen geschlossen werden, mag der Hilfsverein alles Ansehen verlieren, mögen jüdische Knaben und Mädchen ohne jeden Unterricht bleiben und in den Straßen umherirren .... wir wanken nicht: Die neue jüdische Lehranstalt in Palästina muß von Anfang bis zu Ende hebräisch sein!“ Der Eindruck in England (Von unserem Londoner Korrespondenten.) Obwohl die Anglo-Jewish Association sich als ein Zweig der Alliance Israelite bezeichnet, besitzt der Hilfsverein der Deutschen Juden vielleicht mehr Sympathien in England als die Alliance. Seit dem Entstehen des Hilfsvereins hat sein Wirken immer volle Würdigung in der englisch-jüdischen Presse gefunden. Umsomehr ist die Entscheidung des Kuratoriums bezüglich der Sprachfrage am Haifaer Technikum als eine schwere Enttäuschung empfunden worden. Ueber das Hebräische als einzige Unterrichtssprache gehen die Meinungen hier auseinander, immerhin erwartete man jedoch in allen Kreisen, daß das Technikum ein rein jüdisches Kulturwerk werden sollte, und keine Anstalt von ausgesprochen deutschem Charakter. Es ist unter den gegebenen Umständen ausgeschlossen, daß das Technikum in englisch-jüdischen Kreisen materielle und moralische Förderung gewinnen wird, so lange der verhängnisvolle Beschluß des Kuratoriums aufrecht erhalten bleibt. „Jewish Chronide“, das repräsentative Organ der englischen Judenheit, führt in seiner jüngsten Nummer folgendes „Die Leute, die gegen die untergeordnete Stellung protestieren, die man der hebräischen Sprache am Technikum in Haifa eingeräumt hat, werden allseitiger Zustimmung begegnen. Deutsch wird anscheinend die offizielle Sprache des Instituts sein, und Hebräisch, anstatt das eigentliche Unterrichtsmittel, nur eines von vielen Lehrfächern. Wir zweifeln daran, daß dies in der Absicht der vielen Jüdisch-Nationalen lag, die zu der Errichtung des Instituts beigesteuert haben. Sicherlich ist es entmutigend für die, welche sich ernstlich um die jüdische Renaissance in Palästina bemühen. Es ist möglich, daß es praktisch etwas schwierig sein mag, Hebräisch zur ausschließlichen Lehrsprache zu machen. Aber zwischen gewissen Einschränkungen und der jetzt gewählten Maßregel ist ein großer Unterschied; daß Hebräisch ein wichtiges Lehrmittel in Mittelschulen werden kann, beweisen die hebräischen Gymnasien, deren Absolventen an europäischen Universitäten zugelassen werden, ferner die Hilfsvereins- Schulen und das Lehrerinnenseminar in Jaffa. Was uns aber am bedauerlichsten erscheint, das ist die Tatsache, daß ein Institut, das auf dem Boden unseres alten Landes errichtet wird und gleichzeitig die Hoffnung und das Symbol des jüdischen Neuerwachens im Lande der Verheißung sein soll, sich scheut, die hebräische Sprache aufzunehmen. Ein großes jüdisches

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