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Die Welt · 1913-11-21 · 47 (21.11.1913) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 47 DIE&ELT 1601 kennt und ihren Vorteil wahrzunehmen versteht. Es handelt sich hier um eine wichtige Sache, die leicht in einer für das Land günstigen Weise zu regeln ist. Es ist ein löblicher Versuch, den die Welt endlich einmal anerkennen muß. Man darf sich ihm nicht widersetzen, sondern sollte im Gegenteil der jüdischen Ansiedlung recht viel Interesse entgegenbringen. Ein Punkt, den man nicht aus den Augen verlieren darf, ist die Wahrung der Rechte und Interessen der einheimischen Bevölkerung, aber die Lösung dieser Frage dürfte nicht allzu schwer sein. | Jüdische Farmer in Australien Bei der vor kurzem stattgehabten Jahresversammlung der Melbourne Jewish Philanthropie Society wurde der Beschluß gefaßt, in Zukunft jüdischen Einwanderern die Möglichkeit zur Ausbildung in landwirtschaftlichen Berufen zu geben und ihnen beim Ankauf von Farmen behilflich zu sein. Die bisher in Australien gemachten Versuche, jüdische Einwanderer landwirtschaftlichen Berufen zuzuführen, haben sich vortrefflich bewährt. Die Juden in Südafrika Lieber die allgemeine Lage der Juden in Südafrika wird uns aus Johannesburg geschrieben: Von Antisemitismus kann in Südafrika keine Rede sein. Die Juden genießen im geschäftlichen und gesellschaftlichen Leben volle Anerkennung. Zahlreiche Juden bekleiden auch städtische Ehrenämter. Dagegen ist es bemerkenswert, daß im Regierungsdienst nur eine ganz geringe Anzahl Juden angestellt ist. Die jüdischen Einwanderer passen sich sehr schnell den Verhältnissen des Landes an, und die zweite Generation fühlt sich in der Regel schon vollkommen heimisch und bildet ein wertvolles Bürgerelement. Die Einwanderungsbehörden lassen es allerdings den jüdischen Immigranten gegenüber an Entgegenkommen häufig fehlen, und der jüdische Deputiertenrat für Südafrika hatte wiederholt Veranlassung, gegen offenbare Zurücksetzung jüdischer Einwanderer Stellung zu nehmen. Da aber in den letzten Jahren zahlreiche Juden britische Untertanen geworden sind und sich lebhaft an den Wahlen beteiligen, und da es auch eine Anzahl jüdischer Parlamentsmitglieder gibt, so ist darauf zu rechnen, daß die südafrikanischen Juden künftig nachdrücklicher und mit mehr Erfolg für ihre Rechte werden kämpfen können. Von einem eigentlichen jüdischen Gemeindeleben und der Pflege jüdischer Gemeinschaftsinteressen ist nicht viel zu spüren. Besonders die junge Generation verhält sich allen jüdischen Angelegenheiten gegenüber sehr gleichgültig. Die einzige wirklich gut organisierte und eifrig tätige jüdische Organisation ist die zionistische Föderation, der Hunderte von Zweigvereinen im ganzen Lande angeschlossen Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß die Erschließung der Gold- und Diamantenminen die Juden ins Land gebracht habe. Die meisten angesehenen jüdischen Firmen "in Südafrika bestehen schon seit Jahrzehnten und haben sich in langsamer Arbeit ihren Ruf erworben. Bei den Bergwerken sind zahlreiche Juden als Fachleute auf den verschiedensten technischen Gebieten tätig. Die jüdische Schuljugend empfängt ihren Unterricht zum größten Teil in den öffentlichen Regierungsschulen, die hauptsächlich von jüdischen Schülern besucht werden. Da hier täglich' eine Stunde hebräischer Unterricht erteilt wird, und zwar aut Kosten der Regierung, können die Juden meist von der Errichtung eigener Religionsschulen absehen. Für seminaristisch gebildete jüdische Lehrer bieten sich übrigens in Südafrika vorzügliche Chancen. Die Juden als Glieder eines vielfach unterdrückten Volkes gehören in Südafrika zu den eifrigsten Verteidigern der Rechte eines Volksstammes, der gleichfalls unter Ausnahmegesetzen zu leiden hat. Im Transvaal besteht nämlich für Ansiedler aus Britisch-Indien ein Ansiedlungsgebiet ähnlich dem jüdischen Ansiedlungsrayon in Rußland. Die Indier sind auf die Provinz Natal angewiesen und haben sogar hier eine Kopfsteuer zu bezahlen. Diese Maßregel soll angeblich aus wirtschaftlichen Gründen notwendig sein, um ein Herabdrücken der Löhne zu verhüten, und soll ferner einer weiteren Rassenmischung entgegenwirken. Zwei jüdische Bürger von Johannesburg sind nun kürzlich verhaftet worden, weil sie Indiern widerrechtlich zur Einwanderung in außerhalb des Ansiedlungsgebiets liegende Provinzen verholten haben. Obwohl die "Betreffenden unstreitig gegen das Gesetz verstoßen haben, bringt die öffentliche Meinung ihrer Handlungsweise lebhafte Sympathie entgegen. Es ist hierbei darauf zu verweisen, daß die jüdischen Ansiedler in Südafrika ja meistens russische Auswanderer sind, die in ihrem Herkunftslande die Schrecken von Ausnahmegesetzen am eigenen Leibe erfahren Kleine Nachrichten Jüdische Gemeinde Paris Der Jahresbericht für 1912 der Pariser jüdischen Gemeinde enthält einige interessante Angaben. Der Bericht beschäftigt sich nur mit religiösen Organisationen. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen während des Jahres 1 120 020 Francs. Dabei ist bemerkenswert, daß diese Einnahmen von nur 4000 Mitgliedern aus einer gesamten jüdischen Bevölkerung von nahezu 100 000 Seelen herrührten. Deutlich erkennbar ist die Tendenz, sich bei Eheschließungen mit der Ziviltrauung zu begnügen. Im ganzen fanden 1912 nur 334 durch Rabbiner vollzogene Trauungen statt. Die Anzahl der Bar Mizwahs während des Jahres betrug nur 229. Es bestehen 33 Religionsklassen für etwa 3000 Schüler, von denen die meisten Kinder von Einwanderern sind. Der auf der Hamburger Tagung am am 9. November gewählte Ausschuß des „Verbandes der deutschen Juden" hat das Mitglied des Großen Actions-Comites Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin, kooptiert. Am 5. November fand in Paris die jährliche Sitzung des Central-Comites der Alliance Israelite Universelle statt. Außer den meisten Pariser Herren waren mehrere auswärtige Mitglieder zugegen. In den Vorstand wurden wiedergewählt: als Vorsitzender Herr Narcisse Leven, als stellvertretende Vorsitzende: die Herren Prof. Dr. Netter und Eugene See, als Schatzmeister: Herr Machiels. Samuel Effendi Israel ist nach einer uns aus Konstantinopel zugehenden Meldung soeben zum politischen Leiter des Departements für öffentliche Sicherheit im ottomanischen Reiche ernannt worden. Die Erhebung dieses jüdischen Beamten auf einen so wichtigen Posten geschah in Anerkennung des Heldenmutes, den Samuel Effendi bei der Verhaftung der Anstifter des auf den Großwesir Mahmud Schefket Pascha verübten Attentates bewiesen hat. Samuel Effendi, der kaum 35 Jahre alt ist, hat bereits eine langjährige erfolgreiche Laufbahn in der Polizeiverwaltung hinter sich. Die russische Regierungskommission, die damit beauftragt worden ist, die Folgen des H andels Vertrages mit Amerika zu studieren, hat veranlaßt, daß der russische Botschafter in Washington beauftragt wurde, die Vereinigten Staaten zu ersuchen, vorläufig keine Aenderung in der Behandlung Rußlands, als eines nicht mehr mit Amerika durch Handelsverträge verbundenen Landes, eintreten zu lassen, bis man sich über die Schließung eines neuen Vertrages geeinigt hat. Im „Rjetsch" schlägt Prof. Jarotzky die Gründung einer russischen Universität im Auslände vor, und zwar für solche Studenten (hauptsächlich Juden), die an den Universitäten in Rußland keine Aufnahme finden. Unter der russisch-jüdischen akademischen Jugend macht sich eine starke Tendenz zum Studium der italienischen Sprache bemerkbar, die sich wohl auf der Hoffnung der jungen Leute gründet, daß sie an italienischen Universitäten Aufnahme finden werden. Der Gouverneur von Jekaterinoslaw hat alle städtischen Beamten, soweit sie Juden sind, aus dem Dienst entlassen.! In Petersburg ist eine Verordnung erlassen worden, derzufolge jeder jüdische Handwerker, der — gleichviel, ob auf längere oder kürzere Zeit — die Stadt verläßt, aus seiner Gilde ausgeschlossen wird und infolgedessen das Wohnrecht In Budapest ist ein Verein „Hassapha" ins Leben gerufen worden, der sich die Pflege der hebräischen Sprache und Literatur in Ungarn zur Aufgabe gemacht hat. Die Initiative ist von zionistischer Seite ausgegangen, der Leitung des Vereines gehören aber Herren der verschiedensten Richtungen an.

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