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Die Welt · 1913-11-21 · 47 (21.11.1913) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 - DIE3Ä&LT: i595 Erinnerungen an Goethe nachlebte, und mir jede Gehässigkeit und literarische Klopffechterei, die zionistische inbegriffen, femhalten möchte . . . Was die zionistischen Gigerl betrifft, die offen und versteckt die Taufe unter den Juden propagieren, so kennt man sie in den zionistischen Kreisen nur zu gut. Auf meine Enthüllungen braucht man da nicht zu warten. Im übrigen werde ich auf diese Angelegenheit noch zurückkommen, wenn ich zum Alltagsleben zurückkehre . . ." Die schönen Tage von Berka-Weimar mit den Goethe- Erinnerungen sind jetzt vorüber, und Herr Bemfeld findet nun wohl endlich Muße, die damals verlangten Namen zu nennen. Wenn Herr Bemfeld noch immer die Namen verschweigt, so geschieht das zu seinem eigenen Schaden. Denn es bleibt der jüdischen Öffentlichkeit nur der Schluß, daß er deshalb die Namen nicht nennt, weil es keine zu nennen gibt! Die Artikel in „Ost und West4* und der ,,A. Z. d. J.*4 stehen in einem ursächlichen Zusammenhang mit Bemfelds Artikel im Kölner Gemeindeblatt. Die formeile Urheberschaft ist dabei unerheblich. Auf den intellektuellen Urheber dieser Angriffe kommt es an, nicht darauf, wer den Artikel in „Ost und West44 geschrieben hat. Und der intellektuelle Urheber der unerwiesenen Behauptung, daß wir unter uns eine Sekte haben, die die Bekehrung zum Christentum betreibt, ist Dr. Simon Bernfeld. Dabei bleibt es ganz gleichgültig, daß Bemfeld früher mit Hurwitz persönliche Kämpfe hatte, die im öffentlichen Urteil durchaus zu Hurwitz’ Gunsten entschieden worden sind. Es ist auch ganz nebensächlich, daß in „Ost und West4* Hurwitzens Anschauungen und Aeußerungen entstellt wiedergegeben werden und daß die Angabe, die Histadruth sei eine zionistische Organisation, unwahr ist. Es ist sogar unwesentlich, daß die Behauptungen über die Histadruth ein Körnchen äußerlicher Wahrheit enthalten. Das Wesentliche ist uns die Feststellung, daß der Artikel in „Ost und West44 nichts bringt, was wir nicht auch bereits von Dr. Bemfeld gehört haben: die Angriffe auf die hebräische Organisation, die jetzt viel besser arbeitet als sie es vor der We’idah in Wien konnte, die verleumderische Behauptung, daß es im Judentum und zumal im Zionismus eine „Sekt e44 gäbe, die die Taufe propagiere, wobei Dr. Bemfeld noch immer die Namensnennung schuldig ist. In dem Artikel steht rein gar nichts, was nicht Dr. Simon Bemfeld schon früher behauptet hätte, ohne es erwiesen zu haben. Hinzugekommen sind nur einzelne aus dem Zusammenhang gerissene Sätze vom letzten Zionistenkongreß und aus den Presseäußerungen über ihn, hinzugekommen eine Bemerkung zu einer Polemik über einen Artikel im He-’Athid, über den man sich mit dem Autor auseinandersetzen muß, nicht mit den Zionisten, die damit nichts zu tun haben. (Ich bemerke aber ausdrücklich, damit meine Worte nicht falsch ausgelegt werden, daß sie kein materielles Urteil über Hurwitzens Artikel im „Haschiloach44 oder im „He-’Athid44 enthalten.) Das Wesentliche in dem anonymen Artikel von „Ost und West44 ist nur die Wiederholung der Bemfeldschen Angriffe und deshalb wiederhole ich meine Forderung an ihn: Heraus mit den Namen der Zionisten, die die Taufe propagieren. Durch den Umstand, daß dieser ungerechte Angriff in dem Blatte erfolgt, das auf dem Umschläge die Aufschrift trägt: „Organ der Alliance Israelite Universelle44, wird der Name dieser Organisation zu der unverantwortlichen Beschuldigung der größten jüdischen Volksorganisation mißbraucht. Es ist die Pflicht der Alliance Israelite Universelle, diesen verleumderischen Angriff, der anonym unter ihrer Flagge erfolgt, als zu ihr nicht gehörig abzuschütteln. „Die Stärkung des jüdisch-geschichtlichen Bewußtseins, die Verbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache und die Förderung des jüdischen Ansiedlungswerkes im heiligen Lande4* bleiben Redensarten, wenn man die Organisation, die diese Arbeiten zu leisten berufen ist, in der Weise, wie es hier geschehen ist, verunglimpft. Palästina protestiert gegen das Kuratorium des Technikums Protestversammlungen in Jerusalem, Jaffa und Haifa — Boykotterklärung des Merkas Hamorim — Schülerstreik in Jaffa und Jerusalem Das Kuratorium des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina übermittelt uns folgende Notiz: Ein Bericht über die letzte Sitzung des „Kuratoriums des Jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina“ muß in der vergangenen Woche bereits nach Jerusalem gelangt sein. Auf Grund dieses Berichtes hat das Kuratorium nachstehendes Telegramm aus Jerusalem vom 11. November erhalten: „Das Großrabbinat von Palästina übermittelt den Führern, die so Hervorragendes wirken zum Wohle der jüdischen Bevölkerung im heiligen Lande, insbesondere für die Errichtung des Technikums in Haifa aufrichtigsten Dank. Wir sind überzeugt, daß die neue Gründung dem Lande zum Segen und dem Judentum zur Ehre gereichen wird, da die Anstalt nach Ihren so bewährten Grundsätzen geleitet sein wird. Möge der Geist wahrer jüdischer Religiosität darin wohnen, wie dies auch Ihr Wunsch ist. Möge die Gnade Gottes Ihre Arbeit begleiten. Mosche Franco, Chacham Baschi.“ Der tendenziöse Charakter dieses Communiques geht schon daraus hervor, daß die Depesche von einem „Großrabbinat von Palästina44 spricht, das es gar nicht gibt. Der greise Rabbiner Mosche Franco ist provisorischer Verweser des Chacham Baschi-Amtes der ottomanischen (sephardischen) Juden in Jerusalem. Es ist nun klar, daß die sephardische Minorität der jüdischen Bevölkerung Palästinas, der die deutsche Sprache ganz fremd ist, an einem deutschen Technikum gar kein Interesse haben kann. Das geht auch aus der untenstehenden Zuschrift, die wir aus Haifa erhielten, zur Genüge hervor. Verschiedene an uns gelangte Berichte aus Jaffa, Jerusalem, Haifa usw. beweisen klar, daß man in Palästina über den Beschluß des Kuratoriums geradezu bestürzt ist. Bis zu welcher Erbitterung die Stimmung dort bereits gediehen ist. zeigt am deutlichsten das folgende Telegramm aus Jerusalem, das wir kurz vor Redaktionsschluß erhielten, und das wir hier unverändert wiedergeben: Jerusalem, 19. November. Hier herrscht große Aufregung gegen das Kuratorium des Technikums. Protestversammlungen haben in Jerusalem, Jaffa und Haifa sta 11 ge f u n d e n. Der hebräische Lehrer verband „M erkas Hamorim44 hat sowohl über die Mittelschule als auch überdas Technikum den Boykott verhängt, und zwar sowohl den Lehrern, als auch den Schülern gegenüber. Wir halten die Gründung einer hebräischen Mittelschule in Haifa für notwendig. Für die streikenden Lehrer und Schüler ist eine Streikkasse gegründet worden. Am Streik beteiligen sich alle Schüler des Seminars und der Handelsschule des Hilfsvereins in Jerusalem und der obersten drei Klassen der Hilfsvereinsschule in Jaffa. Wir bitten um Veröffentlichung. (gez.) Dr. L u r i e.

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