Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 46 (14.11.1913)
- Date
- 1913-11-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 :LT 1563 maklers für uns aber auch sehr unbequem. Die anderen Völker haben sich so sehr an unsere Dienerrolle gewöhnt, daß sie an uns jetzt bereits Forderungen stellen, die wir gar nicht erfüllen können. So hat die italienische Regierung zur Zeit des Krieges es ihren (italienischen) Juden übel genommen, daß die jüdischen Journalisten in Deutschland über Greueltaten der italienischen Soldaten in Tripolis berichtet haben. Hier liegt eine Forderung vor, die gegenüber den italienischen Juden berechtigt wäre, aber es ist doch ein absoluter Nonsens, von deutschen Juden zu verlangen, daß sie italienische Patrioten sein sollen. Indessen dürfen wir uns nicht verhehlen, daß wir, obwohl das ein Nonsens ist, doch selbst Grund gegeben haben, uns solche Zumutungenzu stellen . . . Wir können uns lebhaft vorstellen, was für Folgen es haben muß, wenn in diese kleine jüdische Schule in Palästina der Sprachenstreit hineingetragen wird, wenn diese Schule zur Trägerin deutscher, französischer oder anderer „Einflüsse“ werden wird, wenn eine Zersplitterung gerade dort eintreten wird, wo der Erfolg nur auf der vollkommenen Einheitlichkeit des Planes und der Taten beruhen kann . . . Ich hoffe, daß es dazu nicht kommen wird, denn das p a - lästinensische Judentum wird von sich aus ein starkes Gegengewicht gegen den Versuch der Zersplitterung darstellen . . . Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist noch nicht gesprochen. Wir hoffen, daß die Juden und in erster Reihe die palästinensischen Juden, ihre Rechte zu wahren wissen werden. Die „Ritualmord”=Verhandlung (Ausführlicher Spezialbericht für die „We 1 t") Vierundzwanzigster Verhandlungstag Heute früh begann die Beratung der als Sachverständige geladenen Psychiater. Prof. Sikorski, dessen in der Voruntersuchung abgegebenes Gutachten einer vernichtenden Kritik durch die hervorragendsten Gelehrten aller Länder anheimgefallen ist, hatte sich der gemeinsamen Beratung entzogen, und die Erörterungen fanden nur zwischen Professor Bechterew und Prof. Karpinski statt. Prof. Bechterew erklärte zu Beginn der Sitzung, daß er und Prof. Karpinski zu einem einmütigen Schluß gelangt seien. Der Ritualmordprofessor Als erster gibt Prof. Sikorski sein Gutachten ab. Der Mord des Justschinski weise große Aehnlichkeit mit den von Zeit zu Zeit vorkommenden Verbrechen auf, bei denen Kinder zwischen 4 und 6 und noch häufiger zwischen 6 und 13 Jahren durch Blutentziehung getötet werden. Alle diese Fälle bieten folgende charakteristischen Merkmale: 1. das Fehlen jeden Motivs zur Tötung; 2. das Alter der getöteten Kinder; 3. Ausführungsart des Mordes; 4. die Zahl der Mörder; 5. das Zurücklassen der Leiche am Tatorte; 6. die Jahreszeit; 7. die Gleichförmigkeit der Morde. Kleinere Kinder würden mit Gewalt entführt, größere durch Versprechungen in Hinterhalte gelockt. Die Tötungsart bestehe in Zufügung tiefer Stiche und „fast immer“ in Eröffnung einer Vene, wobei beide Arten eine beträchtliche Blutung hervorrufen. Die Zahl der Wunden betrage „häufig“ sieben oder ein Vielfaches von sieben, z. B. 14, 21, 28 bis etwa 49. Die Zahl der Mörder im Falle Justschinski schätzt Prof. Sikorski auf mindestens vier und bezieht sich dabei auf den Saratower Kindermord, an dem sechs Mörder beteiligt gewesen sein sollen. Zu Punkt 5 sagt Sikorski, daß die Leichen der getöteten Knaben entweder in die Nähe des Tatortes fortgebracht oder einfach liegen gelassen, „niemals“ aber begraben werden, und zwar „pflegten“ solche Morde nur im März oder April vorzukommen. Dabei werde die Tötung und Blutentziehung so gleichförmig vollzogen, daß sie nur von jemand ausgeführt sein könne, der mindestens schon einmal einem solchen Morde beigewohnt hat. „Der Mord Justschinskis macht einen niederschmetternden Eindruck“, sagt Prof. Sikorski, „das ist nicht Mythe, nicht mittelalterlicher Spuk, nein, Wirklichkeit des 20. Jahrhunderts.“ In seinen Ausführungen, die der Sachverständige von Zetteln abliest, erklärt er, daß die Tat von Geisteskranken nicht ausgeführt sein könne. Um einen Lustmord handle es sich nicht; Lustmörder töten selten, suchen die Einsamkeit, sind charakterlos und willensschwach; Fanatiker dagegen, die Blut sammeln wollen, töten „immer“, handeln in Gemeinschaft und treten fest und überzeugt auf. In diesem Falle deute alles darauf hin, daß der Mord von Fanatikern verübt sei. Solche Morde kämen n u r d o r t vor, woJudenunterChristen wohnen, jüdische Kinder fielen solchen Verbrechen nie zum Opfer, daher wäre auch der Verdacht entstanden, daß es jüdische Fanatiker seien, die diese Verbrechen begehen. So sei z. B. im Saratower Kindermord bewiesen worden, daß die Täter Juden waren. Bestärkt worden sei diese allgemeine Ueberzeugung dadurch, daß sofort nach dem Morde von den Juden gewisse Anstalten zur Verteidigung getroffen würden. Vert. Grigorowitsch-Barski: „Das ist doch kein Gutachten mehr!“ Sikorski sagt dann weiter, daß die Juden nach solchen Kindermorden stets versuchen, die Behörden durch allerlei Bestechungen auf falsche Fährte zu bringen, alles als Aberglauben hinzustellen und den Lauf der Justiz aufzuhalten. Hier bittet der Vorsitzende den Sachverständigen, mehr psychiatrisch-psychologische Fragen zu berühren, dieser aber fährt in demselben Geleise fort und zitiert eine Behauptung des jüdischen Staatsmanns Isaak Crernieux, die der Sachverständige so deutet, daß Crernieux der Ansicht war, „daß nur die vereinigten Anstrengungen der Völker diesen furchtbaren Missetätern Schranken setzen können.“ Statt dessen, führt Prof. Sikorski aus, werde aber alles verheimlicht, versteckt. Wird ein solch erstochenes, verstümmeltes Kind gefunden, so beginnt gleich die Agitation, die Juden hindern jede gerichtliche Verfolgung, sie lenken den Verdacht bald auf die Verwandten, bald auf Stammesangehörige des Opfers und in letzter Zeit auf die nationalen Parteien des Landes. „An dieser Agitation nehmen sowohl die Juden des betreffenden Landes, wie die ausländischen Juden teil.“ Vert. Karabtschewski: „Ich bitte ins Protokoll einzutragen, daß wir gegen alles das protestieren.“ Vert. Grig. - Barski: „Wir alle protestieren!“ Zivilkläger Samyslowski: „Sie dienen dem J udentum!“ Vert. Karabtschewski: „Der Justiz, und nicht dem Judentu m.“ Der Vorsitzende ersucht den Sachverständigen nochmals, die Frage von der psychiatrisch-psychologischen Seite zu beleuchten, und fragt, ob er diese Tatsachen als Gelehrter mitteile oder ob er seine eigene Meinung ausspreche. Prof. Sikorski: „Alles das ist durchaus auf authentischen Kenntnissen begründe t.“ Sikorski klagt dann in seinen weiteren Ausführungen die reichen jüdischen Bankiers an, die mit ihrem Gelde die begangenen Verbrechen vertuschen und die Verbrecher schützen. Wieder macht der V orsitzende einen schwachen Versuch, den Sachverständigen auf sein Gebiet zu verweisen, da er „eigentlich eine historische Skizze gebe.“ Ohne darauf zu achten, fährt Sikorski fort und eifert gegen den Talmud, den jüdischen Kapitalismus, die jüdische Presse. Nicht alle Juden seien an diesen Verbrechen schuld, aber der verbrecherische Teil der Juden — die Sekten. Darauf führt Prof. Sikorski ein Zitat an, nach dem selbst der gesunde Teil des Judentums „ohnmächtig sei, gegen diesen Aberglauben zu kämpfen, es müsse daher die Notwendigkeit einer internationalen Vormundschaft über die Juden zugegeben werden.“ Vert. Karabtschewski beantragt, diese Zettel mit den Zitaten den Akten beizulegen. Der Vorsitzende fragt den Sachverständigen, ob er das alles als Gelehrter anführe. Prof. Sikorski: „Ich führe das als Psychiater und Psychologe an.“ Weiter erzählt er, daß manche getaufte Juden, z. B. der Mönch Neophyt, die Knabenmorde zu bestimmtem Zwecke bejahen. Vert. Karabschewski bittet, die ganze Erklärung des Professors Sikorski ins Protokoll aufzunehmen. Ebenso, daß die Verteidiger gegen eine solche Art der Expertise protestiert Vert. Sarudny bittet, dem Sachverständigen alle Blätter, aus denen er gelesen habe, und die mit der Medizin in keinem Zusammenhang stehenden Auszüge aus verschiedenen Werken