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Die Welt · 1913-11-14 · 46 (14.11.1913) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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oder 8 Stunden hebräischen Unterrichtes, alles andere sollte deutsch sein. Wie man bei einem Verhältnis von 6 zu 39 oder 8 zu 27 Stunden von einer Alleinherrschaft des Hebräischen sprechen kann, ist ein Rätsel. Die Forderungen der Minorität sind klar und deutlich formuliert und liegen jedem, der sich objektiv über die Affäre orientieren will, vor. Wer die Wahrheit erfahren will, wird sie auch erfahren. Das Echo der Presse Unser Bruderblatt „Haolam“ schreibt an leitender Stelle: „Offen gestanden, wir gehören nicht zu denen, die glauben und hoffen, daß logische Argumente imstande sein werden, das Kuratorium zu einer Revision seiner Beschlüsse zu veranlassen. Alle unsere Vernunftgründe, die letzten Endes unserer nationalen Weltanschauung entspringen, werden an der andersartigen, der unseren diametral entgegengesetzten Anschauung jener Herren zerschellen, einer Anschauung, aus der auch ganz andere logische Schlüsse folgen. Logisch begründete Einwände hat das Kuratorium bereits von dem Hebräischen Lehrerverband in Palästina vernommen, ebenso von Achad-Haam, der nachdrücklich auch auf die politische Gefahr hinwies, die darin liegt, das Technikum zu einer deutschen Anstalt zu machen, endlich von dem Odessaer Komitee der Chowewe-Zion, das dem Kuratorium gleichfalls eine Denkschrift in dieser Angelegenheit zugesandt hat. Alle diese Argumente prallten wie an einem harten Felsen völlig wirkungslos ab. Wenn gleichwohl noch Hoffnung vorhanden ist, daß das Kuratorium seine Beschlüsse überprüfen und ändern wird, so gründet sie sich auf der Annahme, daß das Kuratorium sich zu einer Aenderung seines Standpunktes gezwungen sehen wird.“ Das „Frankfurter Israelitische Familienblatt“ schreibt in einem Artikel unter dem Titel „Ein verhängnisvoller Beschluß“ u. a. folgendes: „Außer der klaren Feststellung dessen, was die Resolution in der Tat bedeutet, gilt es noch ein anderes in der breitesten jüdischen Öffentlichkeit zu betonen: dies nämlich, daß dieser Beschluß aus prinzipiellen Motiven heraus gefaßt worden ist. Dies zeigt nichts deutlicher als die Ablehnung des vermittelnden Antrages, den Prof. P h i I i p p s o n gestellt hat, ein Mann, den man wahrhaftig nicht ohne weiteres als einen Hebraisten und zionistischen Heißsporn wird abtun können. Prof. Philippson beantragte, daß außer den jüdischen Fächern auch Geschichte und Geographie hebräisch unterrichtet werden sollen. Traten Herr Dr. Paul Nathan und seine Anhänger wirklich nur aus praktischen Zweckmäßigkeitsgründen für den Unterricht der wissenschaftlich-technischen Fächer in deutsher Sprache ein, warum haben sie denn nicht dem Philippson’schen Antrag zustimmen wollen? Dem hebräischen Geschichts- und Geographieunterricht steht doch wahrhaftig nichts mehr im Wege, werden doch diese Fächer auch in den Hilfsvereinsschulen stets im Hebräischen unterrichtet. Unzulässig ist dieser Beschluß, weil das Technikum gar keine Gründung deutscher Juden ist. Ein beträchtlicher, wenn nicht gar der größere Teil des Geldes stammt von russischen und amerikanischen Juden, und ein Wissotzky hat gewiß nicht 700 000 Mk. für das Technikum gespendet, damit die deutsche Politik in Palästina einen neuen Stützpunkt gewinnen soll. Das gleiche gilt von verschiedenen amerikanischen Spenden, das gleiche gilt vom Jüdischen Nationalfonds, der den Bauplatz zur Verfügung gestellt hat, ja, das gleiche gilt schließlich von der ganzen jüdischen Öffentlichkeit, die von vornherein das Projekt des Technikums mit größter Sympathie aufnahm, weil, nun weil sie einfach im wichtigsten Punkte irregeführt worden ist. Ein hebräisches Technikum in Haifa, so hieß das Projekt vom ersten Momente seines Auftauchens an, und bis vor kurzer Zeit hat niemand daran gezweifelt, daß der stolze Bau auf dem Karmel ein hebräisches Technikum beherbergen wird. Wenn nun das Kuratorium plötzlich ein deutsches Technikum gründen will, so tut es das mit Hilfe von Geldern, die ihm die wenigsten der Spender zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellt haben, und der Austritt Achad-Haams, Sch. Levins und Dr. Tschlenows aus dem Kuratorium bringen ja dies offensichtlich zum Ausdruck. Wenn der „Hilfsverein der Deutschen Juden“ deutsche Schulen in Palästina gründen will, niemand kann ihn daran hindern. Aber er darf nicht die Kräfte und Unterstützung der gesamten jüdischen Öffentlichkeit dazu heranziehen, die keinerlei Interesse an solchen Schulen haben kann. Gefährlich aber ist der Beschluß, weil er damit das Mißtrauen der türkischen Regierung und der arabischen Bevölkerung gegen die Juden Palästinas steigern wird. Dieses Mißtrauen hat sich immer auf der Tatsache gegründet, daß die ein wandernden Juden den Einfluß der fremden Mächte erhöhen und so gegen das Wohl der Türkei arbeiteten . . ." In der „Hazephirah“ schreibt Nahum Sokolow: „Wir glaubten, daß das Kuratorium nur bezüglich des eigentlichen Technikums Schwierigkeiten machen würde, daß es die Frage aufwerfen würde, wie denn im Hebräischen Wissenschaften, für die es entsprechende Termini noch nicht gibt, gelehrt werden, wie der Ausgleich getroffen werden soll zwischen dem jüdischnationalen Geist und dem praktischen Zweck, um derentwillen das Institut geschaffen worden ist. Und in dieser praktischen Frage wären unsere Gesinnungsgenossen bereit gewesen, Konzessionen zu machen. Aber diese Frage kam gar nicht zur Verhandlung. Ihr ging eine andere voraus, die der Unterrichtssprache in der Mittelschule. Diese Mittelschule soll ja eine Art Gymnasium sein; und braucht es langer Nachweisungen, daß der Unterricht in einem Gymnasium in hebräischer Sprache durchgeführt werden kann? Hier handelt es sich ja nicht um Maschinenkonstruktion und Brückenbau, sondern um allgemeine Wissensgebiete, wie sie unsere längst bestehenden Gymnasien in einwandfreier Weise beherrschen. Gewiß konnte man vermuten, daß es im Kuratorium Leute geben würde, die sagen würden: Diese Mittelschule kann nicht so ausgesprochen national sein, wie das Jaffaer Gymnasium, man muß dem Deutschen einen größeren Platz einräumen. Aber wer hätte vermuten können, daß man diese Mittelschule zu einer Art deutscher höherer Schule nach Berliner oder Potsdamer Muster gestalten würde? Dies kam selbst denjenigen von uns ganz unerwartet, die sonst immer pessimistisch sind. Darum blieb Achad Haam, Dr. Tschlenow, Dr. Levin kein anderer Ausweg, als aus dem Kuratorium auszuscheiden. Es war dies kein übereilter Schritt. Niemand verläßt leichten Herzens eine Sache, für die er mit Hingebung gearbeitet hat. Und unter den drei aus dem Kuratorium ausgeschiedenen Mitgliedern ist ein Mann, der mit diesem Institut wirklich verwachsen ist, der ihm eine außergewöhnliche Summe von Arbeit gewidmet hat, und dem es gelungen ist, für die Schule eine große Schar von Anhängern und ein reiches Maß materieller Mittel zu beschaffen. Ein zweiter von ihnen ist bekannt als klar, nüchtern und gründlich denkender Mann, der in keiner Sache extrem ist und der die Fähigkeit besitzt, jedes Ding von allen Seiten zu betrachten. Schließlich ist unter ihnen einer, auf dem die große Verantwortung lastet, daß er der Vertreter unseres Nationalfonds ist, der bekanntlich für dieses Institut eine große Stiftung gemacht hat; dieser Mann ist zugleich wegen seiner Stellung im E. A. C. für unsere Organisation verantwortlich. Diese drei Männer sind ausgetreten, weil der nationale Grundsatz, zu dem wir uns bekennen, durch den Beschluß verletzt wurde, so daß eine weitere Teilnahme nationaler Juden unmöglich geworden ist. Wir haben nicht den Kampf gesucht, wir sind für den Frieden. Aber wir werden das, was uns wert und heilig ist, zu verteidigen wissen: unsere nationale Sprache in Erez Israel. Wer für das Hebräische ist, der komme zu uns!“ Im „Rasswjet“ behandelt A. Davidsohn hauptsächlich die politischkulturelle Seite der Angelegenheit und schreibt unter anderem: Die Zionisten sind die ersten, die dagegen aufgetreten sind, daß die Juden immer die Rolle der Makler für fremde Kulturen spielen. Wir finden das nicht vereinbar mit unserer persönlichen und nationalen Würde; wir erheben den Anspruch, eigene Kulturwerte zu besitzen und nicht nur Verbreiter fremder Einflüsse und fremder geistiger Strömungen zu sein. Wir wollen wir selbst sein, uns entwickeln gemäß den uns eingeborenen geistigen und psychischen Eigenschaften, und wir wollen nicht eine schlechte Kopie einer fremden geistigen Physiognomie sein. In der Diaspora ist das leider nicht ganz erreichbar, denn nolens volens sind wir dem Einfluß der uns umgebenden Kulturen unterworfen. Aber dort, wo es noch keine fremde Kultur gibt, die uns beeinflussen könnte, wo wir die ersten Kulturschöpfer sind, wo wir von Anfang an für uns ein geistiges Leben schaffen können — daß wir auch dort nur Kopien irgendeiner fremden Kultur sein sollen, ist eine vollkommene Absurdität . . . Das müßten nicht nur Zionisten, sondern auch Assimilanten verstehen können. Dem eifrigsten Assimilanten, sagen wir in Warschau, wird es nicht in den Sinn kommen, von einem Juden in Taschkent zu verlangen, daß er polnisch spreche. Abgesehen von rein nationalen Erwägungen und solchen des gesunden Menschenverstandes, ist die Rolle des Kultur-

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