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Die Welt · 1913-11-07 · 45 (7.11.1913) · page 21

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 45 LT 1539 eine ganze Reihe mündlich gestellter und schriftlich formulierter Fragen aus der Mitte der Versammlung an das Präsidium gerichtet und von Dr. Emil Margulies beantwortet. Herr Wilhelm Heller teilte mit, daß eine größere Anzahl von Mitgliedern der Leitmeritzer Gemeinde sich zu einer zionistischen Ortsgruppe zusammenschließen wollen. Es erfolgten sogleich 40 Anmeldungen. Eine Sammlung für den Jüdischen Nationalfonds hatte ein gutes Ergebnis. Radautz. Am 23. Oktober erstattete der Kongreßdelegierte und Obmann des Vereins „Dorsche Zion“, Herr Josef Bier er, in einer öffentlichen Versammlung Bericht über den XI. Zionistenkongreß. Herr Josef K a ß vv a n dankte im Namen der Wähler Herrn Dr. Josef Bierer für das Referat und beantragte sodann folgende Resolution, welche einstimmig angenommen wurde: „Die am 23. Oktober (22. Tischri 5674) zu Radautz tagende, von allen Schichten der Bevölkerung . stark besuchte zionistische Volksversammlung begrüßt das neugewählte Engere Actions-Comite und verspricht, dasselbe in den von ihm übernommenen Aufgaben mit allen Kräften zu unterstützen.“ Sodann sprach Gg. Herr Lehrer Bickel über die Ritualmordlüge und beantragte eine Protestresolution, die auch einstimmig angenommen wurde. fDOG it- LITERARISCHE RUNDSCHAU £ ngrj V Fünf Jahre Arbeit in Palästina Unter diesem Titel erschien soeben*) die deutsche Übersetzung einer im Vorjahre in russischer Sprache publizierten Arbeit Dr. T s c h 1 e n o vv s. Die Tatsache, daß der Verfasser auf dem letzten Kongresse berufen wurde, einen sehr viel größeren Anteil an der Leitung der zionistischen Arbeit zu nehmen als bisher, ist geeignet, auch der vorliegenden Veröffentlichung eine wesentlich höhere Bedeutung zu verleihen. Nicht als ob Tschlenow uns unbekannt gewesen oder seine Ansichten uns nebensächlich erschienen wären. Keineswegs. Aber doch gewinnt eine solche programmatische Aeußerung an Wichtigkeit, wenn sie das Programm dessen ist, der bald einen bestimmenden Einfluß auch auf den Gang der Palästina-Arbeit haben soll. Es ist kein Zweifel, daß dieser Einfluß das Tempo unserer kolonisatorischen Tätigkeit beschleunigen wird und die Zahl der Wege vermehren wird, auf denen bisher versucht wurde, dem Ziele näher zu kommen. Diesen Eindruck muß auch der Fernstehende aus der Lektüre des Tschlenowschen Buches gewinnen. Voraussetzung zu diesem Fortschritt ist, — nach des Verfassers eigenen Worten — „daß es unserer Organisation gelingt, Menschen mit mehr Schwung, mit stärkerem Unternehmungsgeist in den Vordergrund zu stellen . . .“ * Die Schrift geht davon aus, die Fortschritte zu zeigen, die Tschlenow bei seiner vorjährigen Reise gegenüber seinem ersten Besuch im Lande (1907) konstatieren konnte. Für diese fünfjährige Periode schildert er in anschaulicher Weise die neuen Entwicklungen auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Kolonisation, der städtischen Siedelung, der kulturellen Arbeit, der politischen Situation und der Organisierung der jüdischen Bewohner. Diese fünf Jahre haben uns eine ganze Reihe von Landerwerbungen gebracht, es sind neue Kolonien angelegt, neue Kolonisationsmethoden versucht worden. Man hat gelernt, Landkäufe unter Beobachtung aller Formalitäten durchzuführen, gekauften Boden zu okkupieren, und auch bezüglich der Verkaufsmethoden sind neue Wege eingeschlagen worden. Das Kapitel bietet auch an interessanten Einzelheiten genug. So, wenn proponiert wird, den in der Nachbarschaft von Kolonien anzusiedelnden Arbeitern nicht mehr 15, sondern nur 5 Dunam gut bewässerten Boden zu geben. Das erstere Ausmaß sei zu reichlich, um dem Manne genügend Zeit zur Lohnarbeit zu lassen. Ich vermisse hier, wo die Nachbarschaft einer (Lohnarbeit ermöglichenden) Kolonie als erstes Erfordernis aufgestellt wird, den Hinweis auf die oft viel leichter zu beschaffende Gelegenheit zu industrieller Lohnarbeit. Diese Kolonisation ist ja sogar bei weitem vorzuziehen, weil sie den Ansiedler, der im ersteren Falle auf Beschäftigung seitens der Kolonie oder der Kolonisten angewiesen ist, von diesem unfreien Verhältnis erlöst. Zur Verfügung stände er für landwirtschaftliche Lohnarbeit natürlich auch, aber als freier Ar- *) „Jüdischer Verlag“, Berlin. (86 Seiten, Preis 1.— M.) beiter und nicht als daran gebundener. (Hier ist schon wieder die Gartenstadt, aber ich kann nicht dafür. Sie überragt alle anderen Kolonisationsformen in materieller wie ethischer Beziehung so absolut, daß, wer sie einmal „gesehen“ hat, sie immer sieht. — Es ist wie mit dem Fuji, dem heiligen Berge Japans, von dem uns ein großer gelber Künstler hundert Landschaften hinterlassen hat: den Fuji bei Sonnenschein, den Fuji im Regen, den Fuji gesehen durch das Takelwerk eines Schiffes, durch die Zweige eines Baumes, durch ein Spinnengewebe. . . . Meinerseits bin ich entschlossen, die Gartenstadt in so vielen Beleuchtungen zu zeigen, daß nur eine Rettung übrig bleibt: die Durchführung!) Einen besonders großen Raum nimmt die Einwanderung der jemenitischen Juden ein, die in der Tat die Verhältnisse des jüdischen Siedlungsgebietes in Palästina in diesen letzten Jahren vielerorts ganz wesentlich verändert hat. Außer ihrer Eignung als Arbeiter ist hier auch auf den Vorteil hingewiesen, den dje türkische Untertanenschaft dieser Einwanderer uns in Stadt und Land bringt. Wenn ich sonst noch eine Einzelheit herausgreifen darf, so ist es Tschlenows Auseinandersetzung mit Achad Haam. Hier ist ein Stück Kampf. Aber er ist — bei allem Nachdruck — in einer so vornehmen Weise geführt, daß es dem Gegner leicht wird, die Argumente auf sich wirken zu lassen, und ich habe den Eindruck, daß Achad Haam selbst der Berechtigung von Tschlenows Ausführungen seine Anerkennung kaum versagen dürfte. Freilich — wir haben nicht viele „Gegner“, mit denen sich in so guter Form diskutieren läßt. Wenn ich schließlich aus Tschlenows Schrift kurz zusammenfassen soll, was sie hauptsächlich an Ermutigung bietet, so ist das nicht wenig: bei aller akademischen Vorsicht, die meistens bei ihm vorwaltet. Der Landerwerb ist sehr viel besser geregelt als früher, und dementsprechend mehren sich die Bodenkäufe in einem früher nicht gekannten Tempo. Die Kleinsiedlung — unser wichtigstes Problem — ist durch die neuen Arbeiterkolonien und durch die Jemeniten- Einwanderung in ein ganz neues Stadium gekommen. Die Sicherheitsverhältnisse sind wesentlich verbessert worden und lassen in den Städten und zumindest in den größeren Kolonien kaum noch etwas zu wünschen übrig. Das Stadium der Vorbereitungen nähert sich einem — selbstverständlich nur einstweiligen — Abschluß. Die städtische Kolonisation ist im besten Zuge. Die neuen jüdischen Stadtteile sind Zentren jüdischen sozialen Lebens und jüdischer Kultur. Auch die Bautätigkeit ist in reger Entwicklung. Das Schulwesen hat bedeutende Fortschritte gemacht und entwickelt sich in sehr raschem Tempo, auch das Fortbildungswesen und der gewerbliche Unterricht schreiten gut vorwärts. Hausindustrie und Kunstgewerbe machen Fortschritte und haben bei entsprechender Ausgestaltung einen sicheren Absatz auf dem Weltmärkte. Das Kreditwesen dehnt sich aus und umfaßt bald alle wirtschaftlich tätigen Juden des Landes — auf dem Wege der Genossenschaftskassen

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