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Die Welt · 1913-11-07 · 45 (7.11.1913) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 45 DIET^ELT 1537 l PALÄSTINA-RUNDSCHAU a:p. c. Das zehnjährige Jubiläum der Anglo-Palestine Company (Von unserem Jaffaer Korrespondenten.) Am Sonntag, den 17. Tischri, feierte die A. P. C. ihr zehnjähriges Jubiläum. Zehn Jahre sind sonst eine gar zu kurze Spanne Zeit. Im tausendjährigen Galuth, in der langen Zeit jüdischer Wanderung und jüdischen Leids, ziehen oft Jahrzehnte, ja selbst Jahrhunderte an unserem geistigen Auge vorüber, ohne daß die Einförmigkeit des jüdischen Geschickes durch irgendwie bemerkenswerte Taten und Begebenheiten unterbrochen wird. Ganz anders unsere Zeit! Wir dürfen das letzte Jahrzehnt ruhig als einen bedeutsamen Zeitabschnitt kennzeichnen. Es rangen im jüdischen Volke allenthalben die jungen, zukunftserfüllten Kräfte der Erneuerung mit den Mächten der Erstarrung und der Auflösung. Und erst wir hier in Palästina, die wir auf dem altgeheiligten väterlichen Boden unsere neue Heimat zu errichten suchten, welche Fülle von Erlebnissen, von äußeren Kämpfen, und inneren Umwälzungen ist uns zuteil geworden! Jede wahre Wiedergeburt einer Volksgemeinschaft hat eben eine Aufrüttelung, eine Revolutionierung der geistigen und sittlichen Kräfte aller Volksglieder zur Voraussetzung. Wo aber freie Geister sich regen, da hat die Kirchhofsruhe ihr Ende und es entfaltet sich der ehrliche Kampf der Meinungen und Ueberzeugungen. Vielleicht wird mancher Leser diesen Gedankengang als eine Selbstverständlichkeit empfinden. Es ist jedoch notwendig, bei der Betrachtung des letzten Jahrzehnts jüdischer Arbeit in Erez Israel an diese Tatsachen zu erinnern. Noch ist die Zahl jener ängstlichen und zartbesaiteten Leute groß, die in jedem harten Meinungskampf über Fragen der Kolonisation eine Gefährdung des ganzen Werkes erblicken. Mit Nichten! Kritik, ja scharfe Anklagen, und auch bedauernswerte Mißverständnisse waren immer da, vor der Gründung unseres finanziellen Instituts und erst recht nach der Begründung. Dennoch ist unser Werk, von lebensvollen Volkskräften begünstigt, unaufhaltsam gewachsen und steht jetzt, nach einem Jahrzehnt zionistischer Arbeit, unvergleichlich fester und sicherer da als vor dem Beginn unserer Arbeit — und unserer Kritik! Unbestechliche Beobachter, wie Achad H a a m und Nathan Straus, die das Land vor mehreren Jahren und jetzt wieder gesehen haben, äußerten ihre . Verwunderung über die erzielten Fortschritte. Es wäre eine sinnlose und auch nutzlose Ueberhebung, wollte man alle diese Fortschritte einfach auf das Konto der A. P. C. buchen. Vieles ist ohne ihr Zutun geschehen, vieles auch gegen die Anschauungen ihrer jeweiligen Repräsentanten. Das letzte Jahrzehnt stand unter dem Zeichen einer gesteigerten Palästinaliebe in allen Kreisen des jüdischen Volkes, während in Palästina selbst sich die Privatinitative und ein fast amerikanischer Geist des „Help vou seif" sich mächtig entfalteten. Das Verdienst der Anglo- Palestine Company ist es eben, daß sie beiden Richtungen als ein geeignetes Instrument dienstbar war. Sie weckte Vertrauen bei den Palästinafreunden draußen durch den von ihr stets gewahrten geschäftsmäßigen Charakter ihrer Arbeit und suchte andererseits nach Möglichkeit der Privatinitative entgegenzukommen. Mag sein, daß dies letztere, wie die Kritik behauptet, lange nicht in genügendem Maße geschehen ist; mag sein, daß Geist und Arbeitsmethode unseres Finanzinstituts nicht mit dem rapiden Wachstum des Jischub Schritt halten konnte und kann. Rabbiner Fischmann, der sympathische Vertreter des „Misradhi", sprach bei der Jubiläumsfeier in wenigen Worten das aus, was so mancher der Anwesenden und viele Abwesende dachten: „Ich bin einer derjenigen, die zur Zeit der Begründung der Bank mit Aufopferung für dieselbe arbeiteten. Ich hatte nun bei meiner Reise nach Palästina erwartet, daß sie sich der freudigen Zustimmung des schaffenden Jischub erfreut, fand aber mehr Kritik als Zustimmung." Was aber will diese zweifellos vorhandene Verstimmung besagen? Doch nur dies, daß, wie bereits ausgeführt, zwischen den Bedürfnissen des Jischub und den Arbeitsmethoden der Bank noch nicht das gewünschte Verhältnis besteht. Nichts aber ist so sehr veränderlich wie die Volksstimmung. Wenn unsere Bank ihre Methoden den Erfordernissen des fortschreitenden Kolonisationswert-es gemäß umgestalten wird, so werden sich ihr ohne Zweifel die Sympathien der gesamten palästinischen Bevölkerung wieder zuwenden. Wer ein richtiges, von der Tagesmeinung unbeeinflußtes Urteil über die große Bedeutung der A. P. C. für unsere Kolonisation gewinnen will, der muß sich den Moment ihrer Begründung in Erinnerung rufen. Mit der Uebergabe der Baron Rothschildschen Kolonien an die Ica war die Quelle des Goldregens, den er mehrere Jahre hindurch über Palästina ergoß, plötzlich versiegt, und die Folge war, daß unsere Kolonisation, die an die Berieselung durch diese Goldquelle gewöhnt war, eine schwere Krisis durchmachte. Da erschien die Anglo - Palestine Company auf dem Plan, und schon ihr bloßes Erscheinen kündigte eine neue Epoche an und flößte Vertrauen ein. Daß fast alle unsere Kolonien jene Krisis glücklich überstanden, und manche von ihnen einen zu jener Zeit nicht einmal geahnten Wohlstand erreicht haben, daß ist entschieden zum großen Teil ein Verdienst unseres Finanzinstitutes. In Europa herrschte zur Zeit der Begründung der A. P. C. die Befürchtung, daß die palästinischen Kolonisten, demoralisiert durch die Vormundschaft der Administration, keine geeignete Klientel für die Tätigkeit einer Bank sei. Damals kämpfte Herr Direktor Levontin für das Vertrauen zum Kolonisten, zum palästinischen Klienten überhaupt. Die zehnjährige Arbeit der A. P. C. hat gezeigt, daß dieses Vertrauen gerechtfertigt war. Mit Recht rühmten bei der Jubiläumsfeier einige Redner die erzieherische Arbeit Levontin s und des unvergeßlichen Elijahu S a p i r. Wenn heute stürmisch ein „Mehr" verlangt wird, so ist dieses Verlangen auf die mehrjährige treue und hingebungsvolle Arbeit der A. P. C. selbst zurückzuführen. Hoffentlich findet sie auch noch genügend Spannkraft, um auch dem Verlangen nach „Mehr" entgegenkommen zu können. Ueber die Feier selbst ist nur wenig zu berichten. Sie hatte schon wegen des Beilis-Prozesses, der auch die hiesigen Juden aufs tiefste erpört, einen gedämpften Charakter. Zuerst brachten der Chacham Baschi und Rabbiner Kuck ihre Glückwünsche in rabbinischem Geiste dar. Hierauf sprach Scheinkin als Freund der Bank, und er schloß mit den Wunsche, daß sie sich künftighin mehr der politisch-kolonb satorischen Arbeit zuwende. Denselben Wunsch sprachen dann noch Rabbiner Fischmann, Dr. Mossinsohn und P. F r i d m a n n (als Vertreter der „Makkabim Hakadmonim") aus. Im Namen des Palästina-Amtes sprach Dr. Thon, der dem ,Fiteren Bruder" seine herzliche Gratulation darbrachte. Nachdem noch L u b m a n n und Ch. K o h n (der letztere als einziger nicht in hebräischer Sprache) namens der Kolonien das Wort ergriffen hatten, sprach Herr Direktor Levontin, der u. a. ausführte, daß die Bank auch jetzt das kolonisatorische Moment nicht vernachlässige, und dies durch die hohen Beträge bewies, die die Bank für Leihgenossenschaften, für langfristige Kredite und Bodenkäufe ge-

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