Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 44 (31.10.1913)
- Date
- 1913-10-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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1500 Nr. 44 DIEffiELT knüpfen an Isaacs’ Ernennung Betrachtungen über die Verhältnisse in Deutschland, wo die Erhebung eines Juden auf einen so hohen Verwaltungsposten ganz unmöglich wäre und wo man Juden aus dem Offizierkorps der Armee und Marine, aus dem Gerichts- und Verwaltungsdienst ausschließt. Die Juden in den Balkanstaaten Ein Brief des vereinigten jüdischen Komitees in England an Edward Grey- Im Namen des Jewish Conjoint Committee haben Herr David L. Alexander, Präsident des Londoner Board of Deputier der britischen Juden, und Herr Claude B. Montef i o r e, Präsident der Anglo-Jewish Association, einen Brief an Sir Edward Grey gerichtet, in dem die britische Regierung darauf aufmerksam gemacht wird, daß im Vertrag von Bukarest und anderen diplomatischen Urkunden neuester Zeit die im Berliner Vertrag enthaltenen Zusicherungen bürgerlicher und religiöser Gleichberechtigung unerwähnt geblieben sind. Bei dem Verhalten der Regierungen einzelner Balkanstaaten gegen ihre jüdischen Untertanen sei eine internationale Intervention zugunsten der Juden durchaus geboten, besonders mit Rücksicht auf die religiöse Intoleranz und die Unterdrückung einer Viertelmillion Juden im Königreich Rumänien. Das Jewish Conjoint Committee spricht die Hoffnung aus, daß die englische Regierung „Schritte unternehmen werde, die diesem Teil der Bevölkerung den vollen Schutz gewährleisten, der ihm durch das Londoner Protokoll von 1830 und den Berliner Vertrag zugesichert worden ist". Massenversammlung in New York zugunsten der rumänischen Juden New York. Eine Massenversammlung, welche am 30. September den großen Saal der Cooper Union überflutete, und die von dem „Amerikanischen Komitee für die Emanzipation rumänischer Juden" einberufen war, verurteilte durch Annahme verschiedener Resolutionen aufs schärfste die Behandlung der Juden in Rumänien. In der Versammlung waren fast alle Staaten der Union durch Delegierte vertreten und hervorragende jüdische wie christliche Staatsmänner, Abgeordnete usw. hielten bemerkenswerte Reden. Bainbridge Colby leitete die Versammlung und sagte in seiner Eröffnungsrede, daß das rumänische Parlament die jüdischen Bewohner des Landes durch Gesetze als „Fremde, Ausgestoßene und Vogelfreie" in ihrem Heimatlande erklärt hätte und die Versammlung deshalb aus humanen Gründen einberuferf worden sei. Senator C 1 a p p s verlas eine Sympathie-Kundgebung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Champ Clark, der dem Komitee angehört, und führte dann etwa folgendes aus: „Obwohl die Vereinigten Staaten den Berliner Vertrag nicht mit unterzeichnet haben, sind wir verpflichtet, gegen Rumäniens Unmenschlichkeit seinen jüdischen Untertanen gegenüber zu protestieren. Die Vereinigten Staaten erkannten nach der Zeichnung des Berliner Vertrages die Unabhängigkeit Rumäniens an, würden es aber nie getan haben, wenn sie geahnt hätten, daß Rumänien den hauptsächlichsten Vorschriften jenes wichtigen Dokuments keinerlei Beachtung schenke würde. Wir dürfen jetzt nicht müßig Zusehen, wie Verwandte unserer Bürger aufs Roheste verfolgt werden." Senator Poindexter und andere hervorragende Redner beschrieben dann noch, auf welche Art die rumänischen Juden in mittelalterlich-barbarischer Weise systematisch verfolgt werden und Richter Warren Eost er verlas dann den Text einer Adresse an König Karl, in der der König von Rumänien im Namen der Menschlichkeit ersucht wird, seine königliche Macht zugunsten seiner jüdischen Untertanen in die Wagschale zu werfen. Die Adresse wurde von der Versammlung einstimmig gutgeheißen. Es wurden dann auf Antrag von Richter F o s t e r u. a. die folgenden als Delegierte zu dem im Januar abzuhaltenden Internationalen Kongreß zugunsten der rumänischen Juden vorgeschlagen: Vincent A s t o r, Louis D. Brandeis, Andrew Carnegie, Isaak Guggenheim, der bekannte Publizist W. R. H e a r s t, Ex-Bürgermeister Seth Low von New York, Ralph P u 1 i t z e r,. Besitzer der „World", Adolph Ochs, Besitzer der „Times", Hermann Ri d der, Besitzer der „N. Y. Staatszeitung", Theodor Roosevelt, Jacob H. Schiff, Rabbiner Dr. Schulmann und Expräsident Taft. Der russisch-amerikanische Handels- - vertrag noch immer in der Schwebe Die „World" berichtet aus Washington, daß in bezug auf die Schließung eines neuen Vertrages mit Rußland noch keinerlei Fortschritte zu verzeichnen seien. Präsident Wilson erklärte dieser Tage, daß die Angelegenheit noch auf demselben Fleck stände wie zur Zeit der Kündigung des alten Vertrages durch Präsident Taft. Präsident Wilson erwähnte auch, daß keine Verhandlungen, die aussichtsreich erschienen, wegen der Paßfrage angebahnt wären, und er fügte hinzu, daß er froh sein würde, wenn ihm jemand sagen könnte, daß geeignete Schritte unternommen worden sind. Kleine Nachrichten Dieser Tage fand in Konstantinopel ein Blumentag zugunsten des jüdischen Hospitals statt. Mehrere hundert jüdische junge Mädchen und junge Leute verkauften an die Passanten rote und weiße Blumen. Auch viele Nichtjuden erhörten die Bitten der jungen Damen und Herren und das Ergebnis war überraschend gut. Es wurden über 800 türkische Pfund (etwa 19.000 Frs.) gesammelt. Zum türkischen Generalkonsul erster Klasse in Wien ist Herr Selim Bey Gourdgi ernannt worden. Er ist eines der jüdischen Mitglieder im Ministerium des Auswärtigen und hat sich bisher im Konsulardienst stets vorzüglich bewährt. Selim Bey stammt aus einer alten, angesehenen jüdischen Familie in Bagdad. Vor einem New Yorker Gerichtshof hatte sich neulich ein Neger wegen einer Uebertretung einer Polizeivorschrift zu verantworten. Der Angeklagte beantwortete die Frage des Polizeirichters in einer unverständlichen Sprache, und ein hinzugezogener Dolmetscher machte die überraschende Entdeckung, daß der Mann nur „Jiddish“ sprach. Der Neger, der noch dazu Isidor Heymann hieß, war zwar in Amerika geboren, hatte aber, da er mitten in einem jüdischen Viertel wohnte, niemals eine andre als die jiddische Sprache gelernt. Allen Gesinnungsgenossen, Verwandten, Freunden und mir Unbekannten, die mir in dieser Tieii der Trauer um meine dahingeschiedene Mutter ihre Teilnahme geäußert haben, spreche ich hierdurch meinen tiefempfimdenen herzlichen Dank aus. Berlin, Oktober H913 Echiel Tschlenow