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Die Welt · 1913-10-31 · 44 (31.10.1913) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
44 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 DIESqKELT 1493 Eisen bearbeitet worden. „Alles wegen der Recherchen,“ habe sie gerufen. „Lassen Sie mich in Ruhe, weiter werde ich Ihnen nicht helfen.“ Einige Tage später sei die Tscheberjak aber wieder zum Zeugen gekommen und habe ihm gesagt, daß sie neulich von ihrem Liebhaber Mifle, dessen Namen der Zeuge hier zum ersten Male gehört haben will, geschlagen worden sei, als sie ihm von ihrem Plan, die Mörder zu entdecken, erzählte. Tscheberjak habe dann gesagt, sicherlich sei der Mord das Werk des Stiefvaters Luka. Der Vater des Andreas hatte dem Kinde Geld hinterlassen, der Knabe habe also beseitigt werden müssen. „Wie konnte Justschinski aber so zerstochen werden,“ hätte Zeuge gefragt, darauf habe die Tscheberjak gesagt: „Andreas sei mit einem Pfriemen gestochen worden, Prichodko kenne medizinische Bücher, Mifle sei einer der Hauptbeteiligten, er habe den Pfriemen, mit dem die Wunden beigebracht wurden, aus der Werkstatt verschafft.“ Sie habe auch erzählt, daß Schenja und Nasar Sarudski, bald nachdem der Leichnam gefunden wurde, eine scharfe Feile nach Hause gebracht hatten. Von dieser Enthüllung, der er vollständig Glauben schenkte, will Zeuge so betäubt gewesen sein, daß er nicht wußte, was er tun solle. Da Zeuge den Eindruck hatte, daß sich Iwanow seinen Recherchen gegenüber mißtrauisch verhalte, beschloß er, sich an den Rechtsanwalt Marg o 1 i n, mit dem er persönlich bekannt war, zu wenden. Margolin hätte er schon früher von der Tscheberjak und seinen Plänen erzählt, aber Margolin hätte dies ins Lächerliche gezogen. Nach der sensationellen Mitteilung der Tscheberjak hätte er Margolin alles erzählt und ihm gesagt, daß die Tscheberjak versprochen hätte, mit Hilfe ihrer großen Verbindungen die Mörder ausfindig zu machen, und angegeben hätte, zu diesem Zweck nach Charkow fahren zu müssen. Dem Wygranow soll sie noch genauer erklärt haben, daß sie einen Arrestanten in Charkow sehen möchte, der über den Tatort Auskunft geben könnte. Die Bitte, die Zeuge an Margolin richtete, in Charkow mit der Tscheberjak zusammenzutreffen, um bei dieser Gelegenheit ein Urteil über diese Frau zu erlangen, habe Margolin zunächst abgeschlagen. Als Zeuge dann wieder darauf zurückkam, habe sich Margolin bereit erklärt, mit der Tscheberjak zusammenzukommen, wenn die Reise bis zum 6. Dezember aufgeschoben würde, zu welcher Zeit er in Charkow beruflich zu tun habe. Am 6. habe dann die Zusammenkunft in Charkow stattgefunden. Margolin habe er der Tscheberjak unter einem anderen Namen 'vorgestellt, die Tscheberjak habe dann auch ihm wiederholt, Was sie dem Zeugen in Kiew gesagt hatte. Am nächsten Tage seien sie dann, ohne daß die Tscheberjak den betreffenden Arrestanten gesprochen hatte, nach Kiew zurückgekehrt, und unterwegs soll Wygranow geäußert haben, „es scheint, sie hat uns angeführt“, Margolin soll den Eindruck gewonnen haben, daß die Tscheberjak die Unwahrheit spreche, und daß sie dem Verbrechen näher stehe, daß sie zum mindesten bei der Tat Beihilfe geleistet habe. Auf den Rat Margolins hat dann Zeuge dem Untersuchungsrichter Fenenko seine Wahrnehmungen mitgeteilt. Die Tscheberjak, der er von dieser Absicht erzählt hatte, habe ihn gebeten, nur nichts von der Reise nach Charkow zu sagen. Mitte Dezember sagte die Tscheberjak dem Zeugen, daß nicht nur sie, sondern auch Madzelewski und Rudzinski in die Mordsache hineingezogen würden, und daß sie beim Verhör leugnen würde, die beiden zu kennen. Zeuge sei darauf zum Untersuchungsrichter Fenenko gegangen und habe ihm erzählt, daß er von den bevorstehenden Vernehmungen Madzilewskis und Rudzinskis wisse, und daß die Tscheberjak die Bekanntschaft mit ihnen leugnen würde. Fenenko habe sein Erstaunen geäußert, wie Zeuge dies erfahren habe, und als er ihm sagte, daß er das von der Tscheberjak selbst wisse, habe Fenenko gesagt: „Wissen Sie, Sie haben etwas Großes geleistet, daß Sie mit der Tscheberjak Bekanntschaft geschlossen haben. Sie wissen, die Tscheberjak ist bisher nicht zu fassen gewesen. Ich zweifle nicht daran, daß die Tscheberjak bei dieser Sache beteiligt ist. Halten Sie sich mit beiden Händen an die Tscheberjak.“ Darauf habe Fenenko den Zeugen zu einer Unterredung zu sich eingeladen, wo er mit den beiden Staatsanwälten Sapenin und Laschkarow zusammengetroffen sei. Dabei habe Fenenko seinem Verdacht gegen Mifle Ausdrude gegeben. Mifle habe schon manches auf dem Kerbholz. Es fehlten nur die Indizien. Als Zeuge seine Vermutung ausgesprochen hatte, der Mord sei in der Kleinen Hütte auf dem Saizewschen Terrain, wo sich oft Diebe versteckten, verübt worden, habe Fenenko gemeint, die Wohnung der Tscheberjak sei wohl der Schauplatz des Verbrechens gewesen, und habe ihn auf die Malitzkaja hingewiesen, deren Wohnung sich unterhalb der Tscheberjakschen Wohnräume befindet. Letztere habe nun dem Zeugen erzählt, daß sie am 12. März, zwischen 11 und 1 Uhr, Lärm und Gepolter bei Tscheberjaks gehört habe. Trotzdem habe Zeuge nicht daran glauben können, daß dort der Mord verübt sei. Während die Spuren nach dieser bestimmten Richtung hinwiesen, habe es gegen Ende November plötzlich geheißen, eine Anklageschrift gegen Beilis abgefaßt. Zeuge sei damals aufgeregt zu Fenenko gekommen und habe ihn gefragt, was das bedeute. Dieser habe gesagt: „Achten Sie nicht darauf, das kann nicht sei n.“ Darauf habe er noch den Staatsanwalt Laschkarjew um Aufklärung gebeten. „Bitte, lassen Sie den Mut nicht sinken,“ habe dieser gesagt, „wenn es Ihnen auch schrecklich vorkommt, arbeiten Sie doch in derselben Richtung weiter. Das sind alles Dummheiten, und es wird nichts daraus werden, die Anklageakten sind nicht abgefaßt!“ Am 4. Januar 1912 habe Zeuge von einem Kollegen erfahren, daß die Anklageschrift gegen Beilis bestätigt sei. Zeuge wäre zu Fenenko gegangen, der gesagt habe: „Ich weiß von nichts, ich kann nichts sagen.“ Als Zeuge darauf esagt habe, er werde jetzt sein Material veröffentlichen, abe Fenenko erwidert: „Tun Sie das!“ Am 16. Jai.uar habe er darauf seine erste Anzeige veröffentlicht, in der er darauf hinwies, daß der Mord von Mifle, Prichodko usw. verübt worden sei. Am 18. Januar habe ihm Iwanow Vorwürfe gemacht, daß er das Material veröffentlicht habe. „Es war ja alles von der Tscheberjak erlogen,“ habe er gesagt. Ein gewisser Mifle sei zu ihm gekommen und habe gesagt, die Tscheberjak hätte alles über ihn ausgedacht. „Sehen Sie,“ sagt Iwanow, „Sie haben sich mit Ihrer Anzeige übereilt, Sie hätten mir alles sagen müssen; darüber zu schreiben, war unnötig.“ Wie Zeuge sagt, war er nach diesen Vorgängen beinahe entschlossen, die Recherchen aufzugeben. Auch als sich nach etwa zwei Wochen ein Student Machalin an ihn wandte und sich erbot, ihm in den weiteren Nachforschungen behilflich zu sein, lehnte er das Anerbieten ab. Da sei Anfang März Krassowski nach Kiew zurückgekehrt, der den Zeugen auch wegen seiner Anzeige tadelte. Sie hätten beschlossen, gemeinsam weiter zu arbeiten. Der entlassene Krassowski habe sich das Ziel gesetzt, den Mord aufzudecken, um sich in den Augen der Behörden zu rehabilitieren. Krassowski sei überzeugt gewesen, daß gewerbsmäßige Diebe, und nicht Juden das Verbrechen verübt hätten. Zeuge habe nicht mehr aktiv Mitarbeiten wollen. Er habe Krassowski nur das Material zur Verfügung gestellt, und ihm den Studenten Machalin als Mitarbeiter empfohlen. Diese hätten dann zusammen mit Karajew gearbeitet. Ueber ihre gemeinsame Tätigkeit wisse Zeuge nichts. Er hätte ihnen nur geraten, die Mitwirkung der Tscheberjak und ihres Bruders Singajcwski an dem Morde nachzuweisen. Ende April will Zeuge von Iwanow gehört haben, daß die Untersuchung ihrem Ende entgegengehe. Als Krassowski von den Ergebnissen seiner Recherchen Anzeige machte, und daraus hervorging, daß der Mord von einer Verbrecherbande mit Beihilfe der Wera Tscheberjak verübt worden sei, reichte Zeuge eine zweite schriftliche Anzeige mit Darlegung aller Nebenumstände beim Staatsanwalt ein. Zu Iwanow sagte der Zeuge damals, daß er ihm diesmal nichts vorwerfen könne und erzählte ihm den Inhalt der Anzeige. Zu seinem großen Erstaunen brachte einige Wochen später der „K i e w 1 j a n i n“ Auszüge aus seiner Anzeige. Zeuge wäre ganz außer sich gewesen. Die Verbrechergesellschaft mußte ja dadurch aufgescheucht werden. Jedenfalls mußte die Sache nun Fiasko erleiden. Danach hätte Zeuge nicht mehr schweigen können und trotz der Bitte Iwanows, es zu unterlassen, habe er die Sache in anderen Zeitungen veröffentlicht. Darauf wäre er während zwei Monaten von Kiew fern gewesen. Hier tritt eine halbstündige Pause ein. Die bis jetzt von dem Staatsanwalt, namentlich aber von den Zivilklägern angewandte Methode, jeden der Zeugen, der das fadenscheinige Gewebe der Anklage zu zerreißen droht, zu verdächtigen, einzuschüchtern, durch Kreuz- und Querfragen zu verhören, oder einfach durch ironische und verletzende Bemerkungen aus dem Gleichgewicht zu bringen, wird gegen Brasul-Bruschkowski mit einem Eifer betrieben,

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