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Die Welt · 1913-10-23 · 43 (23.10.1913) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
43 (23.10.1913)
Date
1913-10-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr- 43 1471 blEI^ELT sische_Gemeinde hat sich_ jedoch verpflichtet, einen jährlichen Zuschuß an die sefardische Gemeinde zur Unterstützung ihrer Armen zu zahlen. In allen allgemeinen Angelegenheiten werden beide Gemeinden auch weiterhin Zusammenarbeiten. — Die hiesige deutsche Tempelgemeinde feierte dieser Tage ihr 40jähriges Jubiläum. Etwa 200 Gäste trafen aus diesem Anlasse aus Jaffa, Jerusalem und den deutschen Kolonien ein. — Dr. Finkeistein, der Leiter des Technikums, ist hier eingetroffen. Hebron, 4. Oktober. Wie allgemein gegen Ende des Sommers, hatten wir auch in diesem Jahre viele Gäste aus den verschiedenen Gegenden des Landes, die unserer Stadt wegen ihres kühlen Klimas aufsuChen. Dieser Fremdenverkehr bedeutet für unsere Stadt immerhin eine bemerkenswerte Einnahmequelle. Einen weit geringeren Gewinn haben wir von den hunderten indischen Moslims, die um diese Zeit ebenfalls Hebron besuchen. Diese kommen bloß für ein paar Stunden, um in der Moschee zu beten und entfernen sich bald, um ihre Pilgerfahrt fortzusetzen. T i b e r i a s, 8. Oktober. Erst jetzt ist es der hiesigen Gemeinde gelungen, den berüchtigten Rabbiner C h a d i f seines Postens zu entsetzen. Wir werden seine Amtszeit als eine Epoche der Unordnung und der ewigen Zwistigkeiten in trauriger Erinnerung behalten. Der Firman des neuen Chachamhaschi, des allseits beliebten und verehrten Rabbiners A b u 1 a f i a wird wohl bald eintreffen. Hoffentlich gelingt es ihm bald, die Wunden, die sein Vorgänger der hiesigen Gemeinde geschlagen hat, zu heilen. \ Beirut, 5. Oktober. Ineressante Daten werden über den Import einiger Waren nach unserer Stadt mitgeteilt. Von Wirkwaren sind im vergangenen Jahre sogenannte „Gilets“ für ungefähr 500 000 Francs zur Einfuhr gelangt. Strümpfe und Socken sind für ca. 400000 Frs. aus Deutschland, japanische Fabrikate für ca. 25 000 Frs. eingeführt worden. Auch Spanien beteiligte sich an diesem Import. Die Einfuhr von Zwirnhandschuhen aus Chemnitz dürfte sich auf etwa 100 000 bis 120 000 Frs. belaufen haben. Der Import von Konserven nach Palästina hatte im Jahre 1312 einen Wert von 750 000 Frs. gegen 500 000 Frs. im Vorjahre. Damaskus, 2. Oktober. In letzter Zeit besuchten uns Herr Direktor S. D. Lewontin und Dr. Lurie aus Jaffa. Der erste re interessierte sich für landwirtschaftliche Fragen, während Dr. Lurie die von der hiesigen Gemeinde begründete und subventionierte national-jüdische Schule inspirierte. Ein interessanter Streit spielt sich jetzt hier zwischen der griechisch-katholischen Geistlichkeit und der griechisch-katholischen Gemeinde ab. Der Klerus beansprucht das alleinige Verwaltungsrecht über das Vermögen der Kirche, das mehr als 20 000 000 Frs. betragen soll, wogegen die Gemeindevorsteher Stellung nehmen. Die Angelegenheit beschäftigt auch die arabische Presse. Symptomatische Bedeutung kommt wohl einer Schulaffäre zu, die sich hier vor vier Wodien ereignete. Seit langem besteht in Damaskus eiine Art arabisch-türkische Mittelschule, der ein türkischer Direktor Vorstand. In letzter Zeit stellten die Schüler verschiedene national-arabische Forderungen, die der Direktor nicht bewilligen wollte, wobei er vom Vorsteher der Schulbehörde unterstützt wurde. Darüber kam es in der Schule zu einem argen Tumult und das Ende war, daß der Wali (ein Jungtürke) eingreifen mußte. Sowohl der Direktor wie der Vorsteher der Schulbehörde wurden ihrer Aemter entsetzt und die nationalen Forderungen der arabischen Schüler wurden erfüllt An tizionistische Galuthblüten Von Zeit zu Zeit gewährt es uns palästinischen Juden ein besonderes Vergnügen, einen Blick in die jüdische Presse des Galuth zu tun. Vieles, was wir hier in Erez-Israel als längst überwundenen Spuk betrachteten, treibt dort noch sein Unwesen. Und das köstlichste ist, daß diese Spukgestalten die eigene unfreiwillige Komik gar nicht merken .... Ganz besonders ergötzlich ist da das brave Hamburger „Israelitische Familienblatt“, das sonst von Frieden und „Unparteilichkeit“ überfließt, nur gegen uns palästinische Volljuden und alle Zionisten überhaupt einen unversöhnlichen Groll hegt. Im Leitartikel der Nr. 35 des genannten Blattes versucht Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Hermann Cohen uns im Vorbeigehen zu vernichten. „Beachtenswert und dankenswert ist es von vornherein, daß B a u d i s s i n erklärt, er denke nur an das Israelitische Volk in den Zeiten seiner Selbstständigkeit. Was von diesem Volke übriggeblieben, ist nicht mehr ein Volk, sondern eine nur durch gemeinsame Abstammung begrenzte Religionsgemeinschaft. Diese Bemerkung ist nicht etwa nur eine dankenswerte Apostrophe gegen den sogenannten Zionismus; (Sondern . . . .“ Merken wir uns dies. So schreibt ein ernster, hervorragender jüdischer Gelehrter und Philosoph noch im Jahre 5673! „Sogenannter Zionismus“ ist zwar keine ganz neue Bezeichnung — vergl. die berüchtigte Protestrabbinererklärung vom Jahre 1837 — es ist aber entschieden gut, sogar ausgezeichnet, wenn es aus der Feder eines Philosophen fließt, der eben erst im „Haschiloach“ als jüdischer Denker gefeiert wurde. Wir armen palästinensischen Bauern und Landarbeiter können gegen ein solches geheimrätliches Dekret schlechterdings nicht aufkommen. Zwar haben wir auch eine Art Bauernphilosoph in unserer Mitte, es ist dies der Arbeiter A. D. Gordon, der nach getaner Arbeit (er bezieht einen Tagelohn von anderthalb Franken, wie in den Sprüchen der Väter geschrieben steht) seinen Kant hervorholt, in einem wunderschönen Hebräisch tiefgründige philosophische Probleme behandelt (zumeist ohne für seine Aufsätze Honorar anzunehmen!) und eine Weltanschauung kündet, die voll Hoheit und Adel ist. Aber Gordon ist nur schlichter Arbeiter und Philosoph, ohne Amt, Titel und irgendwelchen Lehrauftrag. Es bleibt uns also nichts anders übrig, als den Boden des sogenannten Erez-Israel zu bearbeiten, die sogenannten Ziongebete weiter zu beten, die sogenannte hebräische Sprache und Literatur weiter zu pflegen. Höchstens können wir uns damit trösten, daß Jehuda Halevy auch ein Philosoph war — und er war doch der Urtypus eines Zionisten. Das Ergötzlichste leistete sich aber die Redaktion des Hamburger Israelitischen Familienblattes selbst. Es handelt sich um die Frage der jüdischen Universität in Jerusalem. Bekanntlich erhofft Franz Oppenheimer von einer jüdischen Universität die volle Freiheit der Forschung, da sie den hemmenden Einflüssen des christlichen Staates entrückt sein wird. Ganz anders die Redaktion des Hamburger Israelitischen Familienblattes. Ihr ist es gerade bei einer jüdischen Universität bange um die Freiheit der Forschung. Mit einer köstlichen Naivität fragt sie im Leitartikel der Nr. 34, ob denn auch Antizioniste n werden dozieren dürfen? Wir können ihr besorgtes Gemüt beruhigen. Wir wollen ihr versichern, daß wir beispielsweise Prof. Dr. H. Cohen gern nach Jeruschalajim berufen würden, — vorausgesetzt, daß er sich verpflichtete, nach einigen Jahren in der nationalen Sprache des jüdischen Volkes zu dozieren. Genügt dem Hamburger Israelitischen Familienblatt diese Erklärung? Was heißt das übrigens: antizionistisch? In Palästina sind nur die Missionäre und Judenfeinde antizionistisch. Unter den Juden Palästinas gibt es keine Antizionisten. Alle Juden Palästinas ohne Unterschied wünschen vom Herzen den Aufschwung der ländlichen und städtischen Siedlung, erkennen nur das Hebräisch als jüdische

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