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Die Welt · 1913-10-23 · 43 (23.10.1913) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
43 (23.10.1913)
Date
1913-10-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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D1E3§KELT Nr. 43 1470 f PALÄSTINA-RUNDSCHAU Kongreß-Nachklänge (Von unserem Berichterstatter.) Das überaus rege Interesse, das alle Kreise der palästinischen Judenheit den Verhandlungen des XI. Zionistenkongresses entgegenbrachten, kam in den Versammlungen, die der Berichterstattung über den Kongreß gewidmet waren, zu überwältigendem Ausdruck. Ob sie in einem Beth-Am oder in der Aula des Gymnasiums abgehalten wurden, — überall strömte das Volk in hellen Scharen hin, um über die Verhandlungen und Beschlüsse des Kongresses unterrichtet zu werden. Es lag etwas Gemeinsames und Versöhnendes in den Referaten der Delegierten verschiedener Richtung, die sich hier bekanntlich vor dem Kongreß energisch bekämpft hatten. Die gemeinsam geleistete Kongreßarbeit brachte die palästinischen Delegierten einander auch seelisch näher. Es wird hier allgemein bedauert, daß die Palästinakommission erst in den letzten zwei Tagen des Kongresses zusammengetreten ist und ihre Arbeit daher beinahe illusorisch war. Ebenso hält man es in palästinischen Kreisen für sehr bedauerlich, daß die eigentliche Bankdebatte so kurz bemessen war. Man ist der Ansicht, daß in dem Moment, wo N. Twersky als Wortführer eines großen Teiles der palästinischen Bevölkerung die Tätigkeit der A. P. C. in einer mit Zahlen und Tatsachen belegten ausführlichen Arbeit kritisierte, es kein glücklicher Gedanke war, seine Beweisführung dadurch entkräften zu wollen, daß man darauf hinwies, der Leiter der A. P. C. stehe schon so und so viele Jahre in der zionistischen Bewegung. Man hält diese Art der Zurückweisung zahlenmäßig fundierter Angriffe für um so weniger angebracht, als von der Gegenseite ohne alle Schonung und ohne persönliche Rücksichten die gesamte Kolonisaticjnsar'oeit in Bausch und Bogen verurteilt werde. Was dem einen recht ist, müsse doch auch dem anderen billig sein. Nichtsdestoweniger findet hier der Ausgleich mit der sogenannten Bankgruppe nur wenig Gegnerschaft. Ja, es wird vielfach die Ansicht ausgesprochen, daß dies der einzig gangbare ^Weg für den Kongreß war. Man hofft, daß es auf den nächsten Kongressen nicht mehr nötig sein wird, zu den diesmaligen unerquicklichen Debatten zurückzukehren. Sehr wirkungsvoll sprach in einer Jaffaer Versammlung ein kanadischer Kongreßdelegierter, Sch. Frankel, der jetzt mit seiner Familie hier weilt. Er schilderte zunächst die Achusah-Bewegung in den Vereinigten Staaten und in Kanada, von der er sehr viel für die jüdische Kolonisation Palästinas erwartet. Er führte aus, daß wir in Palästina es gar nicht zu würdigen wissen, wieviel die kulturellen Institute, wie z. B. die hebräischen Gymnasien, auch für die Propaganda der landwirtschaftlichen Kolonisation bedeuten. Es sei daher ganz verkehrt, von der Begründung einer jüdischen Universität eine Schwächung des Kolonisationswerkes zu befürchten! Ganz im Gegenteil! Wenn dieser grandiose Gedanke Verwirklichung findet, wird er im Volke ungeahnte Kräfte für alle Zweige der Palästina-Arbeit wachrufen. Sehr rührend war die Schilderung, die Fränkel von der Wirkung des neuen Jischub auf seinen siebenjährigen Sohn gab. Beirut wollte das Kind nicht als eine Vorstadt Palästinas anerkennen, da es eine unsaubere Stadt sei und in Erez Israel doch alles peinlich sauber sein müsse. Auch Jaffa wollte es nicht gelten lassen, zumal da dort die Kinder verschiedene Sprachen sprechen. Erst als er mit seinem Kinde nach Tel A w i w kam, sagte dieses: „Aba, p o h Erez Israel!" (Papa, hier ist Erez Israel!) Fränkel schloß seine Rede mit der Bemerkung, man müsse nicht dagegen sein, daß in Tel Awiw auch wohlhabendere Elemente für den Häuserbau Kredit erhalten haben, denn die Wirkung von Tel Awiw sei einzig in ihrer Art. „Und wenn selbst unsere Millionäre nach Tel-Awiw kämen, wir sollten ihnen beim Häuserbau mit unserem Gelde behilflichsein. Wir werden es nicht bereuen . . ." Aus den Städten Jaffa, 5. Oktober. Dieser Tage fand hier die Generalversammlung der Gesellschaft „Koheleth" sattt, die sich bekanntlich die Herausgabe hebräischer Lehr- und Lesebücher für die jüdischen Volksschulen in Palästina zur Aufgabe gestellt hat. Die Einnahmen der Gesellschaft betrugen im abgelaufenen Jahre 5472 Francs, während die Ausgaben ca. 5000 Francs ausmachten. Es wurde über die in Vorbereitung befindlichen Bücher Bericht erstattet, sowie bezüglich der für die nächste Zeit in Aussicht genommenen Arbeiten Beschlüsse gefaßt. Von besonderem Interesse ist die Resolution, wonach die Gesellschaft „Koheleth" mit anderen jüdischen Verbänden wegen einer volkstümlichen Ausgabe der Bibel verhandeln sollte, damit man in dieser Beziehung nicht mehr auf die christliche Mission angewiesen sei. Von jüdischer Seite ist bis jetzt die hebräische Bibel fast nur mit Komentaren herausgegeben worden, was die Bibeldrucke natürlich sehr verteuert und den ärmeren Bevölkerungskreise fast unzugänglich macht. Eine wohlfeile hebräische Bibel ohne Komentare gibt die englische Bibelgesellschaft heraus. Wie es heißt, verkauft sie diese Ausgabe mit Verlust und hat dadurch den Weg bis in die Reihen der Orthodoxen und der jüdischen Schulen gefunden. Der nun gefaßte Beschluß will hier Wandel schaffen. Denn die Bibel der Mission ist häufig der Schrittmacher für andere Schriften. Trotz der regen Bautätigkeit in und um Tel-Awiw herrscht jetzt wieder Wohnungsmangel in Jaffa. Alle Wohnungen .'in dem neuen jüdischen Stadtviertel „Chewrah Chadaschah“, auch solche, die sich noch im Bau befinden, sind bereits vermietet. Es macht einen geradezu beängstigenden Eindruck, wenn man zusieht, wie zahlreiche Familien tagelang auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung sind. Meist sind es jüdische Familien, die in den letzten Wochen nach Palästina kamen. Die letzten Schiffe brachten nämlich wieder viele jüdische Einwanderer, größtenteils junge, auch kapitalkräftige Elemente. Aber auch die jüdische Bevölkerung der alten Stadtviertel strömt nach Tel- Awiw, Nadhlath-Benjamin und Chewrah Chadaschah. Dieser „Zug nadh dem Norden" macht sich mit der Begründung von Tel-Awiw immer stärker fühlbar. Unter diesen Umständen ist es klar, daß die Bestrebungen des Mietervereines, die Mietspreise möglichst niedrig zu halten, fruchtlos bleiben. Es ist im Gegenteil ein konstantes Steigen der Wohnungsmieten zu verzeichnen. Dr. H. G. Heymanns Aufsatz „Universität und Wirtschaftspolitik" in Nr. 39 der „Welt" hat hier in Kreisen, die durch das neue Projekt eine Lahmlegung der landwirtschaftlichen Kolonisation befürchteten, große Befriedigung hervorgerufen. Es ist klar, daß wenn man diesen großzügigen Gedanken in der Debatte des Kongresses hervorgehoben hätte, die Begeisterung viel allgemeiner gewesen wäre. Haifa, 5. Oktober. In den letzten Jahren waren die hiesigen Aschkenasim und Sefardim zu einer Gemeinde vereinigt. Jetzt sind sie wieder aus nicht genügend geklärten Gründen auseinandergegangen und werden zwei separierte Gemeinden bilden. Die aschkena-

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