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Die Welt · 1913-10-16 · 42 (16.10.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
42 (16.10.1913)
Date
1913-10-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1432 .-.- -^ -P , Dre3§EEliT -> - - -- ——--'-- - Nr. 42 sie von jenseits - der Ostgrenze - die den Mord begangen haben sollten. ‘ In Kiew wachsen aber schon die fremden bärtigen Gestalten zu einer ganzen geheimen Sekte an, mit der das offizielle Judentum nicht viel gemein haben muß. ... Man sieht, auch in der Geschichte der Ritualmordhetze gibt es Phasen der Entwicklung. Die 70 Jahre Aufklärung seit Damaskus sind nicht ganz spurlos verstrichen. Indessen haben sie keine Klärung gebracht, sondern nur — eine neue, nicht minder gefährliche Theorie gezeitigt. Senator Meißner, Vorsitzender des Kiewer Gerichtshofes, vor dem sich der Prozeß abspielen wird, hatte jüngst einem Vertreter des „Russkoje Slowo" erklärt, daß die Staatsanwaltschaft „mit aller Macht" auf der Anschauung bestehe, daß ein Ritualmord vorliege, ohne indessen;,das jüdische Volk in seiner Gesamtheit mit Ritualmorden in Verbindung zu bringen". Andererseits erklärte Senator Meißner, daß der Vertreter der Anklage „wahrscheinlich davon absehen werde, zu erörtern, ob es sich um eine Sekte oder um eine Tat einzelner Fanatiker handle". ... Was nützen da die Gutachten, was nützen die Kundgebungen und Proteste der Edelsten und Besten aller Nationen? „Es sind ja gar nicht d i e Juden, von denen die Herren sprechen. Beilis ist der Vertreter einer Geheimsekte, die nicht festzustellen sei, weil sie eben geheim ist." Aber — so wird die Anklageschrift in der Hetzpresse fortgesetzt — die Juden wissen um diese Sekte und ihre Geheimlehre, dulden sie und bemänteln ihre Mordtaten-Und darum — — — Und darum! — Das versteht der russische Straßenmob wie kaum ein anderes Wort. Er ist allezeit gern bereit, die blutigen Konsequenzen daraus zu ziehen, schielt nur noch etwas unsicher nach dem wachthabenden Pristaw. Ob er den Spaß erlauben wird?" WW POLITISCHE GLOSSEN Nach jedem Zionistenkongreß erleben wir jetzt das- _ . selbe Schauspiel: die Einerseits-Andererseitsleute TalCtilC geraten in Verlegenheit und drehen sich in mehr oder minder erbaulichen Wendungen um den Zionismus herum, wie man das der Katze angesichts des heißen Breies nachsagt. Früher war das bequemer. Da schwieg man den Zionismus tot. In der zweiten Periode war es auch noch verhältnismäßig einfach. Da sagte man den Zionismus tot. Nun geht das aber schon seit geraumer Zeit nicht mehr gut Die Bewegung wird immer größer und kühner; es würde doch allmählich niemand mehr an die Nekrologe glauben.' Da hat man sich schon zum X. Kongreß das neue Sprüchlein erfunden: der Zionismus ist überhaupt gar kein Zionismus! Er tut nur so, in Wahrheit macht er nur ein bißchen Chowewe-Ziön-Arbeit, ein bißchen Hebraismus, und im übrigen ist er immer noch gefährlich, denn er gebärdet sich so laut, aber man könnte sich schließlich mit ihm vertragen, denn . . . heiliges Land . . . hebräische Sprache . . . Sympathien . . . usw. Diesmal wird an zwei Stellen zugleich dieses Sprüchlein auf gesagt. Zwei mutige Bekenner — einer heißt „Hierosolymitanus" und einer gamicht — verkünden in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" und in „Ost und West" dieselbe Wahrheit in seltsam ähnlicher Weise, da etwas feiner, hier — etwas weniger fein. In beiden Artikeln wird übereinstimmend konstatiert, daß der Zionismus nichts anderes mehr wolle, als was die „Chowawe Zion" — ja, sogar Chowawe. Zion heißt es in beiden — auch gewollt hätten. Um das zu beweisen, wird ein Gewebe von Indizien gesponnen, dessen Entwirrung wir hier natürlich nicht vornehmen können; und es hätte auch keinerlei Zweck. Denn wenn auch das Sprüchlein erst zwei Jahre alt ist, das uns vorgetragen wird — die Taktik, der es dient, und mit der es begleitet wird, ist viel, viel, älter. Es ist die alte Methode unserer Gegner, wenn sie uns etwas anhaben möchten und nicht recht wissen wie. Da versuchen sie es immer wieder mit dem bewährten „Divide et impera" — loben den einen auf Kosten des anderen und hoffen, die Einheit der zionistischen Bewegung werde doch einmal. in die Brüche gehen. Wir erinnern uns alle noch recht gut, wie von denselben Leuten -oder ihren Gesinnungsgenossen der politische, Zionismus mit Spott und Hohn überschüttet würde, weil er die Bewegung zu einer närrischen Phantasterei mache, der die paar Vernünftigen, die praktische Arbeit wollten, natürlich auch nichts helfen könnten. Da tat man besorgt um die „ohnmächtige Opposition", die sich vergeblich dem methodischen Unsinn der Majorität entgegenstelle, und erklärte, der Zionismus liege in der Agonie, oder sogar, er sei schon tot. ..Nun aber ist der polltische Zionismus — im engeren Sinne, wie die Bezeichnung innerhalb unserer Bewegung gebraucht wird — auf einmal das liebe Kind, das man bewundert, auch wenn man es für lebensschwach hält, dem man jedenfalls ein „starkes Mitgefühl" nicht versagen kann; man anerkennt, daß er „etwas Neues, noch nicht Dagewesenes, von allem bisherigen qualitativ Verschiedenes im jüdischen Leben" war, demgegenüber „der Zionismus, wie er sich nach der Formulierung des letzten Kongresses darstellt", — wie lautet die denn? — „in diesem Sinne kaum nocheine Erscheinung sui generis" bedeutet. Wir kennen die Weise, den Text und die Verfasser und fürchten nur, daß sie auch heimlich nur das Wasser trinken, das sie uns in unseren Wein schütten möchten. Wenn sie vom Leitsatz des Zionismus sagen, der Zionismus erstrebe dieses Ziel gar nicht mehr, so ist das eine Besserwisserei, über die wir lächeln dürfen, wenn sie behaupten, wir hätten den „poetischen Zionismus aufgegeben, aber ihn zum Schein beibehalten", so weisen wir diese Unterstellung einer Heuchelei zurück, und wenn sie' uns den guten Rat geben, wir möchten „trachten, die Vorurteile zu beseitigen, die gegen ihn (den polltischen Zionismus) mit Recht herrschen", so merken wir die Absicht, ohne uns durch etwas anderes ‘ verstimmen ‘ zu lassen als durch die betrübliche Behauptung, daß irgendwelche Vor urteile mit Recht herrschen sollen. Aber wenn auch mit' Unrecht, sie herrschen tatsächlich — das beweisen die beiden Artikel aufs neue, deren einer („Ost und West") sogar zu den übeisten Mitteln der Verdrehung und Verleumdung seine Zuflucht nimmt, um dem Zionismus etwas anhaben zu können! Glücklicherweise sind wir gegen falsches Lob und ungerechten Tadel gefeit genug. Die alte Taktik' verfängt nicht, auch wenn man dazu Versöhnungsschalmeien bläst. Denn wir haben eben noch unsere Prinzipien, wir haben noch unser Programm, und wir stehen nach wie vor auf dem Boden seiner Voraussetzungen und vertreten es mit allen Konsequenzen, auch wenn die anonymen Herren das ganz vergessen zu haben scheinen — oder so tun. Und schfießlich kennen wir nicht nur den Leitsatz unseres Programms, sondern auch die folgenden vier Lätze, was man allerdings nicht nötig hat, wenn 'man den Zionismus auf sechs Leiten zu „vernichten" plant ... 0ie Prozentnonn 'f ging fch"eUerr^nd ger“s*1“"’ . _ ' als man dachte. Der preußische Kulm Deutschland tusminister hat es sich wohl selbst nicht träumen -lassen, daß seine neueste Verfügung (vergL Nr. 41 der „Welt") so lautlos aufgenommen werden würde. Aber da es sich ja „nur“ um ausländische Juden handelte, hat Auch die „Judenpresse" nicht viel Aufhebens davon gemacht, daß für. .die russischen .. Juden. an .den preußischen Universitäten jetzt ein Ausnahmerecht herrscht, natürlich, wie das in Preußen üblich ist, in streng korrekter, all-

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