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Die Welt · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. 41 1404 DIE2§KELT „Poale Zion“ IV. Weltkonferenz des jGdisch-sozialistischen Arbeiterverbandes „Poale Zion“. II. In der Vormittagssitzung des dritten Tages erstattete Herr Kaplansky ein eingehendes Referat über: „Unsere nächsten Aufgaben in Palästina und der Palästina-Arbeiterfonds“, mit welchem im Anschluß an den schriftlichen Bericht auch der Rechenschaftsbericht des Jaffaer Arbeitssekretariats verbunden war. Wir bringen hier nur einen kurzen Auszug des seininteressanten Referates. Das Arbeitssekretariat wurde im Januar 1913 durch das Wiener Verbandsbureau ins Leben gerufen. Es bildet einen Teil des Verbandsbureaus, bestehend aus vier von der Weltkonferenz gewählten Mitgliedern und einem Vertreter der palästinensischen Partei. Die Hauptaufgabe des Arbeitssekretariates bestand in der Aufsicht über das Informationsbureau, das schon früher errichtet worden war. Das Informationsbureau hat schon in den ersten zehn Monaten seiner Existenz eine ziemlich fruchtbare Arbeit geleistet. Es besitzt in vielen Städten und Kolonien Bevollmächtigte, die allwöchentlich Berichte über den Zustand des Arbeitsmarktes erstatten. In Haifa wird das Bureau vom Informationsbureau des Arbeiterklubs vertreten, in Jerusalem vom Informationsbureau der Chowewe-Zion. Die Beziehungen zum zionistischen Palästinaamte, zum Odessaer Komitee und zu sonstigen Gesellschaften sind freundlich. Im ganzen wurde an 374 Arbeiter Arbeit vermittelt. Die Arbeit wird, so sagt der Referent, in hohem Maße von der Partei „H apoel Hazair“ gestört. Neben der Information hat sich das Bureau auch die Schaffung neuer Arbeitsformen zur Aufgabe gemacht. So wurden einige Arbeitergruppen für die direkte Uebemahme verschiedener Arbeiten ohne Vermittlung unproduktiver Elemente gegründet. Es wurde in Tel-Awiw eine Enquete durchgeführt, die ergeben hat, daß viele ausländische Mädchen bei Hausarbeiten Beschäftigung finden könnten. Redner bespricht sodann die nächsten Aufgaben des Arbeitssekretariates und des Informationsbureaus. Dieses müsse zu einer Arbeitskammer ausgestaltet werden. In erster Linie muß die Information in Palästina ausgebaut werden. Ferner ist die Errichtung von Informationsanstalten im Auslande notwendig, um qualifizierte jüdische Arbeiter, die nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Tischler-, Schuster- und besonders im Baufache Beschäftigung finden können, heranzuziehen. Die Gründung kooperativer Arbeitergruppen, von Gewerkschaften, Konsumvereinen, Krankenkassen, Arbeiterversicherungen, soll energisch betrieben werden. Die größte Aufmerksamkeit aber müssen wir den sogenannten „Wander- und Okkupationsgenossenschaften“ zuwenden. Das Grundprinzip derselben ist: Selbständige Führung der Wirtschaft durch die Arbeiter, gleicher Lohn, Gewinnbeteiligung. Die Gruppen übernehmen die Bearbeitung und Vorbereitungsarbeit auf Grundstücken von Privaten oder Gesellschaften, die ihnen das Inventar geben. Nach Vollführung dieser Aufgabe gehen sie auf neue Plätze über. Dort, wo diese Genossenschaften den nationalen Boden okkupieren, kann derselbe dann in ihre Bewirtschaftung übergehen, wgan sich die Gruppe als kooperative Kolonie niederlassen will. Solche Genossenschaften bestehen schon in Italien als Arbeits- und Pachtgenossenschaften, die Zehntausende von Mitgliedern zählen und Tausende Hektar Boden bearbeiten. Die italienischen Genossenschaften haben aber eigene Arbeitsmittel, während die palästinensischen keinen Betriebsfonds für Inventar und Arbeit haben und deshalb ganz von den Kolonisationsgesellschaften abhängig sind. Wäre eigenes Inventar vorhanden, so könnten die Gruppen größere Arbeiten beim Nationalfonds übernehmen, der seinen Boden nicht selbst bearbeiten darf. Es muß also ein Betriebsfonds für die Okkupationsgruppen geschaffen werden, entweder als Teil des Palästinaarbeiterfonds oder des Genossenschaftsfonds. Redner legt ein Budget des P. A. F. vor. In Ergänzung des Berichtes des Arbeitssekretariates berichtete hierauf Ben-Gurion (Konstantinopel) über die Tätigkeit desselben in der Türkei. Diese Tätigkeit müsse eine doppelte sein: 1. Aufklärung der ottomanischen Demokratie und insbesondere des Proletariates über die Ziele der Bewegung; 2. Organisierung des jüdischen Proletariats in der Türkei und Heranziehung desselben zur nationalen Arbeit. In Beziehung auf den ersten Punkt seien bereits erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. Die poale zionistische Partei Palästinas stehe mit allen sozialistischen Parteien der Türkei in freundlichen Beziehungen. Der Zionismus besitze in den ottomanischsozialistischen Kreisen wertvolle Sympathien, was besonders darin zum Vorschein kam, daß anläßlich der Kammerdebatte über den Zionismus der bulgarische Sozialist Vlachoff sich warm für die Bestrebungen des Zionismus einsetzte. Was die Organisierungsarbeit unter den jüdischen Arbeitern außerhalb Palästinas anbelangt, so sei die Arbeit recht schwierig wegen der sprachlichen Hindernisse. Insbesondere mache sich der Mangel an einer spaniolischen Propagandaliteratur sehr fühlbar. In der hierauf folgenden Debatte, an der Vertreter aller Landesparteien teilnahmen, zeigte sich, daß abgesehen von wenigen Einzelheiten, in allen poalezionistischen Kreisen einheitliche Anschauungen über alle Fragen der proletarischen Palästinaarbeit herrschen. Es wurden nebst einem einstimmigen Vertrauensvotum für das Arbeitersekretariat und Informationsbureau eine Reihe von Resolutionen angenommen, deren wichtigste wir folgen lassen: „Die Weltkonferenz erklärt, daß es Aufgabe unserer Institutionen in Palästina ist, in ihref Arbeit die Selbsttätigkeit der jüdischen Arbeiter in Palästina zu unterstützen und zu stärken. Die Hauptaufgabe des Informationsbureaus besteht darin, systematisch die Heranziehung neuer Arbeitskräfte und Arbeitszweige in Palästina und speziell aus dem Auslande zu organisieren und zu regulieren. Hinsichtlich der alltäglichen inneren Informationsarbeit müssen die bestehenden Intormationsanstalten unterstützt und auch neue gegründet werden. Die Weltkonferenz begrüßt die Gründung der Gesellschaft „Achwah“ durch die amerikanischen Genossen, ermächtigt das Arbeitssekretariat, die Arbeit derselben zu fördern und empfiehlt den Landesparteien, in ihr Arbeitsprogramm den Gedanken der Gründung solcher Gruppen aufzunehmen, um die Einwanderung jüdischer Arbeiter nach Palästina zum Zwecke der Kolonisierung auf kooperativen Grundlagen zu organisieren.“ Am Vormittag des 29. August referierte L. Chasanowitsch über: „Unsere Tätigkeit in den Golusländern.“ Redner führte etwa folgendes aus: Für die Gründung des Weltverbandes waren zwei Motive maßgebend: Unsere gemeinsamen Ziele in Palästina und die Notwendigkeit der Golustätigkeit. Wir sind keine Anhänger der Verelendungstheorie. Selbst unsere palästinensischen Genossen anerkennen den großen Wert unserer Golusarbeit. Nur dann wird eine gesunde Palästina-Arbeit möglich sein, wenn der Golus in nationaler und sozialistischer Hinsicht erobert sein wird. Ein verkrüppeltes Volk wird kein gesundes Judentum in Palästina schaffen können. Palästina soll durch unseren Reichtum wachsen, nicht durch unsere Armut. Redner entwirft hierauf ein Bild der poale-zionistischen Arbeit in den verschiedenen Ländern und geht zum Schluß zu den speziellen Aufgaben des Verbandsbureaus über. Seine Ausführungen gipfeln in mehreren Resolutionen, die nach einer-langen Debatte in zum Teil geänderter Fassung angenommen werden. Als Ziele des Weltverbandes werden in diesen Resolutionen außer der Palästina-Arbeit erklärt: die Schaffung solidarischer Beziehungen zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Arbeitern und die interterritoriale Verbrüderung des jüdischen Proletariates. Die nächsten praktischen Aufgaben des Wiener Bureaus seien die Schaffung einer Propagandaliteratur, der ständige Kontakt mit den Landesparteien, die Vermittlung zwischen diesen und der internationalen Arbeiterwelt, die Propaganda in neuen Ländern und der Kampf gegen die jüdische plutokratische Philanthropie. Das Verbandsbureau wird auf gef ordert, sich an die deutsche SozialdemokrMie mit dem Vorschlag zu wenden, den Mißhandlungen jüdischer Emigranten in Deutschland, den Ausweisungen russischer und galizischer Juden und der Ausschließungspolitik gegen die jüdischen Studenten ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ferner wird das V. B. beauftragt, dem internationalen sozialistischen Bureau ein genaues Memorandum über den polnischen Boykott und über die fast gleichgültige Stellung der polnischen sozialistischen Parteien zu dieser Bewegung zu überreichen. Die Landesparteien werden aufgefordert, eine große Protestbewegung gegen den polnischen Boykott zu organisieren. Die Internationale wird aufmerksam gemacht, daß der Kampf der polnischen sozialistischen Parteien gegen die nationalen Interessen des jüdischen Proletariates den Boden für die Boykotthetze vorbereite und antesimitische Stimmungen unter den polnischen Arbeitern erzeuge. Eine weitere Resolution verlangt die energische Fortsetzung der Aktion für die Gewinnung einer Vertretung am internationalen sozialistischen Kongreß.

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