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Die Welt · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 41 1405 Es folgt ein Protest gegen das Verhalten offizieller Vertreter und Organe des bürgerlichen Zionismus gegen die j ü d i s c h e S p r a c h e. „Wir anerkennen,“ heißt es weiter, „die nationale Zukunft und den großen Kulturwert von Jiddisch und Hebräisch, rufen alle national bewußten Elemente des Volkes zur Kulturarbeit in beiden Sprachen und konstatieren, daß die rücksichtslose Agitation des offiziellen Zionismus gegen die jüdische Sprache und Kulturbewegung in erster Linie den Zionismus kompromittiere, ihn der Sympathien der lebendigen, demokratischen und national aktiven Volksmassen beraube. Ferner betont die Weltkonferenz, daß die schwankende, bald opportunistischpositive, bald fanatisch-negative Stellung der bürgerlichen Zionisten gegen die jüdische Sprache vor anderen Völkern unsere nationalen Forderungen herabsetze, eine der größten Störungen der jüdischen Emanzipationsbewegung in allen Golusländem darstelle und eines der gefährlichsten Förderungsmittel der Assimilation sei." Endlich wird die Gründung der „national-radikalen" Schulen in Amerika den übrigen Landesparteien zur Nachahmung empfohlen. Am Nachmittag fand eine geheime Sitzung statt, die den Angelegenheiten der russischen Landespartei gewidmet war. Es war ein wahrhaft erhebender Moment. Ein russischer Delegierter schilderte die schweren Bedingungen, unter denen die dortige Landespartei arbeite und verlangte die Hilfe der Bruderparteien. Keine Debatte. Alle fühlen: Die Vorkämpfer und Schöpfer des Weltverbandes müssen unsere Dankbarkeit und Solidarität in Taten sehen. Alle Landesparteien zeichnen größere Summen für russische Organisationszwecke. Auch Palästina fehlt nicht. Der „Haschomer“ zeichnet, die palästinensische Landespartei ebenfalls. Die gemeinsame Anstrengung wird zweifellos gute Früchte tragen. Abends referierte Ehrenreich (New York) über Organistion und Presse. Nach einer teilweise heißen Debatte, die sich hauptsächlich um die Frage der Beteiligung der russischen Poale-Zion am Zionistenkongreß drehte, wurden u. a. folgende Resolutionen angenommen: „Die Weltkonferenz beschließt, es sei die Pflicht aller Landesparteien, das Verbandsbureau bei der Organisierung einer sozialistischen Vertretung zum Zionistenkongreß zu unterstützen. Die Zahlung des Schekels ist Pflicht und steht nicht im Belieben jedes einzelnen. Keine dem Verbände angeschlossene Landespartei oder Person kann sich von dieser Pflicht befreien. Bezüglich der russischen Landespartei nimmt die Weltkonferenz den Beschluß der VI. russischen Parteikonferenz, über die Frage der Teilnahme am Zionistenkongreß zu diskutieren und zu beschließen, zur Kenntnis und erwartet mit Bestimmtheit, daß die russische Partei ihren Beschluß bis zur V. Weltkonferenz durchführen werde, die in dieser Frage endgültig entscheiden wird. Jede Landespartei gründet eine Palästinakommission, die in enger Verbindung mit dem Arbeitssekretariat und dem Informationsbureau steht. Aufgabe der Kommission ist: 1. Die Informationstätigkeit und Organisierung von Arbeitergruppen zur Auswanderung nach Palästina. 2. Die Arbeit für den Palästina-Arbeiterfonds ,Haachduth£ und Palästina-Agitation überhaupt." Ferner wurde die Errichtung von Informationsbureaus in den Golusländem und die Schaffung eines monatlich erscheinenden Journals in Aussicht genommen und ein Budget von ca. 16 000 Kronen jährlich bewilligt. Am letzten Konferenztage, Samstag, 30. August, sprach Serubabel (Palästina) über die Forderungen der Poale-Zion zum XL Zionistenkongreß. Sowohl im Referate als auch in der Debatte und ln den Resolutionen wurden die den Lesern der „Welt" aus dem Kongreßberichte bereits bekannten Beschwerden und Wünsche bezüglich Nationalfonds, Gelbaumspende, Betriebsfonds für Okkupationsgenossenschaften usw. angenommen. Auch wurde gegen den Plan der Gründung einer hebräischen Universität im jetzigen Momente Stellung genommen. Nach einem gelungenen Vortrag Ben-Zwis (Konstantinopel) über: „Die Lage in der Türkei" und mehreren begeisterten Schlußreden wurde die Konferenz um 3 Uhr nachts in bester Stimmung bei dicht besetzter Galerie geschlossen. Es ist keine Uebertreibung, wenn man behauptet, daß die Arbeit der Konferenz sehr gut und produktiv war. Auch die demonstrativ-propagandistische Wirkung war ausgezeichnet. Die Konferenz tagte fast fortwährend bei glänzendem Besuch von Gästen aus den Kreisen der jüdischen Arbeiterschaft und Intelligenz Krakaus und auch der Umgebung. In zwei Riesenmeetings sprachen die Delegierten aller Länder über „Die Einheit des jüdischen Proletariats“ und ..Was die jüdische Welt vom galizischen Judentum erwartet". Herr Kaplansky hielt vor einem großen Publikum einen Vortrag über: „Jüdische Arbeit in Palästina" und der Vortrag des Herrn Borochow über: „Der jüdische Arbeiter und die jüdische Kultur" erfreute sich eines nicht minder guten Besuches. Der „Jüdische Arbeiter", das wöchentliche Organ der österreichischen „Poale Zion", erschien während der Konferenz täglich. B. L. Die Wiener Konferenz der zionistischen Studenten aus Rußland Anläßlich des XI. Zionistenkongresses in Wien fand am 1. und 2. September eine Konferenz der an westeuropäischen Hochschulen studierenden zionistischen Studenten aus Rußland statt. An der Konferenz nahmen Vertreter von 22 Studenten- Vereinen aus Deutschland, der Schweiz, Belgien, Frankreich, und Oesterreich teil. In das Präsidium wurden die Herren Weinschal, Riwlin und G r a b o j s gewählt. Der Vorsitzende, Herr Weinschal, eröffnete die Sitzung. Er gab einen kurzen Ueberblick über die bisherigen Arbeiten, die unter überaus schwierigen Verhältnissen vor sich gingen. Zum Schluß wies der Vorsitzende auf die Bestrebungen der Konferenz hin, die Massen der im Auslande Studierenden unter zionistischer Flagge zu organisieren. Rechtsanwalt Rosenbaum, Minsk, begrüßte die Tagung und betonte, daß die jüdischen Massen in Rußland a:: die akademische Jugend große Forderungen stellen. Die jüdischen Massen erwarten, daß ihre jungen Söhne ihre europäische Schulung und jüdische Ausbildung dazu benutzen werden, um ihre ganze Kraft und Zukunft in den Dienst des Volkes zu stellen. Dr. Bernstein, Berlin, überbrachte die Grüße des E. A. C. und betonte, daß die zionistische Leitung auf die jüdisch-russische Jugend große Hoffnungen setze. Das E. A. C. spricht die Erwartung aus, daß die jüdisch-nationale Jugend Rußlands, die ja immer die Avantgarde der jüdischen Renaissance bildete, nunmehr die großen Aufgaben erkennen werde, die ihr für die Wiedergeburt unseres Volkes zufallen. Redner bat die Leiter der Konferenz, versichert zu sein, daß das E. A. C. jeden Schritt zur Stärkung der jüdisch-nationalen Studentenorganisation mit Freude begrüßen und ihren Bestrebungen das wärmste Interesse entgegenbringen werde. Herr stud. B r u d n y , Bern, erstattete Bericht über die Tätigkeit des Verbandes, der unter dem Namen „Hechower“ vor 2 Jahren gegründet wurde. Gegenwärtig umfaßt die Organisation „Hechower" 17 Studenten-Vereine mit einer Gesamtzahl von 400 Mitgliedern. Die Organisation hat zwei Zeitschriften „Hechower" (hebräisch) und der „Jüdische Student“ (russisch) herausgegeben. Namentlich die letzte erzielte einen ansehnlichen Erfolg. Im letzten Semester widmete der Verband dem Universitätsprojekt in Palästina großes Interesse. Herrn Professor W e i z m a n n , dem Universitätsreferenten des Kongresses, wurde ein Memorandum nebst Resolutionen sämtlicher Studentenvereine überreicht. Die Konferenz beschäftigte sich hauptsächlich mit Fragen organisatorischer J4atur. Allgemein wurde die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die russisch-jüdische Studentenschaft an den ausländischen Hochschulen der zionistischen Propaganda ein großes Arbeitsfeld bietet. Es wurde eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die eine einheitliche und planmäßige Reorganisierung des Verbandes bezwecken. Das Zentralkomitee des Verbandes ist von Bern nach München verlegt worden. Das Presse- und Agitationsbureau soll in Berlin unter Leitung von zwei Mitgliedern des Zentralkomitees organisiert werden. Für die nächsten Monate ist eine Tagung der in Deutschland studierenden russischen Zionisten in Aussicht genommen. Diese Konferenz soll sich speziell mit der Frage beschäftigen, in welcher Weise die Organisation mit den in Deutschland le-

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