Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316613--58070-3376582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1402 Nr. 41 MEIßELT des Bodens unter Pflug gesetzt, währenddessen die Bearbeitung des ersten und zweiten Drittels systematisch fortgesetzt wird. Das erste Drittel beginnt schon im 13., das zweite im 16., das letzte Drittel des Bodens im 19. Einzahlungsjahr Frucht zu tragen; wenn wir diese erste Frucht auf ein Minimum von 6 Mark netto festsetzen, so bekommen wir: S—5—{—2 X3333X6 — 299970 oder rund 300 000 Mark, die unter die hundert Mitglieder zu je 3000 Mark verteilt werden. Beim Bodenankauf wäre es vielleicht praktischer, nicht abzuwarten bis der volle Betrag von 300 000 Mark zustande kommt, sondern schon nach einem Jahr und acht Monaten an den Kauf des ersten, nach drei Jahren und vier Monaten an den des zweiten, nach fünf Jahren an den Kauf des letzten Drittels des Bodens heranzugehen. In diesem Falle wäre der Kauf von Boden in der Nähe der bestehenden Kolonien vorzuziehen, ah die der Boden bis zum Beginn der Arbeit verpachtet werden könnte. Die Administrationsgebäude würden auch kleinere Beträge beanspruchen, denn man würde die benachbarten Kolonisten mit ihrem Vieh und ihren Geräten zur Arbeit heranziehen können. Wenn aber größere Gruppen von z. B. dreihundert Mitgliedern zustande kommen, dann würden für jedes Drittel des Bodens bereits je zehntausend Dunam in Frage kommen, bei denen es sich schon lohnen' würde, eigene Administrationsgebäude zu errichten. Auf diese Weise würden wir schon jetzt einer regelmäßigen Einwanderung von Arbeitnehmern in Palästina Platz schaffen, die mit dem Steigen des Bodenerwerbs zunehmen wird. Was aber von größter Bedeutung wäre, ist die Tatsache, daß nach zwanzig.Jahren eine neue Generation sich in Palästina niederlassen würde als die Generation, die für Palästina geboren und erzogen wurde. EINE TÜRKISCHE STIMME UBER DEN ZIONISMUS Unser Konstantinopeler Korrespondent schreibt uns unter dem 1. Oktober: Die gesamte türkische Presse hat über den XI. Kongreß mit anerkennenswerter Objektivität berichtet. Eine Ausnahme macht allein der „I k d a m", der in seiner Nummer vom 28. September einen längeren Artikel über die angebliche Schädlichkeit des Zionismus bringt. Erfreulicherweise ist dieser feindselige Pressekommentar nicht nur eine vereinzelte Erscheinung geblieben, sondern er hat auch seinerseits in der übrigen türkischen Presse keinerlei Widerhall gefunden. Man ist über den Angriff des „Ikdam" einfach zur Tagesordnung übergegangen. Einen Gegenartikel brachte am 1.- Oktober der „Jeune T u r c", der an leitender Stelle die Haltung des „Ikdam" in der Nationalitätenfrage eingehend erörtert und! dabei auch die Angriffe des Blattes gegen den Zionismus widerlegt. In dem Artikel des „Jeune Turc" heißt es: „Im großen Ganzen kann man sagen, daß der Verfasser, dessen ziemlich verworrene Argumentation ein Herausschälen der leitenden Idee nur schwer gestattet, sich bemüht, seine Leser gegen eine Konzentration nicht-muhammedanischer Massen im türkischen Reiche zu beeinflussen, und daß er die Beschlüsse des letzten Zionistenkongresses bezüglich der Gründung einer jüdischen Universität in Palästina zum Vorwand nimmt, um sich gegen die Einrichtung anderer als staatlicher Schulen zu wenden, mit andren Worten gegen Schulen, in denen der Unterricht in der Sprache irgendeiner in der Türkei vertretenen Nationalität erteilt wird.“ Der „Jeune Turc" polemisiert sodann gegen den „Ikdam", der bisher für die Freiheit der Nationalitäten gekämpft habe und nun auf einmal zum Verfechter der radikal entgegengesetzten Anschauung werde, und fährt fort: „Wer an die Aufrichtigkeit der Gesinnung der „Ikdam" glaubt, muß fühlen, daß sein Meinungswechsel in dieser Nationalitätenfrage in recht merkwürdiger Weise mit dem Schritt vorwärts, den das Komitee für Einheit und Fortschritt in der Frage der Anerkennung der Nationalitätenrechte gemacht hat, zusammentrifft. Während dieses die fortschrittliche Entwicklung, die es von Anfang an verfolgt hat, logisch weiterführt, während es eine Verständigung mit dem arabischen Element anbahnt, welche die besten Erfolge zeitigen kann, zeigen uns die Verteidiger jener Politik, für die Ahmed Djevdet Bey jetzt kämpft, daß sie überhaupt keinem leitenden Prinzip folgen, oder vielmehr, daß ihr einziges — allerdings negatives — Prinzip darin besteht, dem Komitee für Einheit und Fortschritt unter allen Umständen Opposition zu machen, indem sie sich bemühen, die öffentliche Meinung zu verfälschen, um die zum Wohle des Reiches soeben eingeleitete Aktion gerade in der Nationalitätenfrage zu durchkreuzen. Indem er sich an die Juden klammert, die ja nun einmal immer dem Vorurteil und dem Haß der Dummen als Opfer dienen müssen, hofft Ahmed Djevdet offenbar, sich den Sieg leicht zu machen; er gibt sich auch nicht einmal Mühe, seine Argumente sorgfältig auszuarbeiten, wenigstens können wir nicht annehmen, daß er wirklich seinen Stoff so wenig kennt, daß er in gutem Glauben von der Gefahr sprechen könnte, die eine Einwanderung von vier bis fünf Millionen Juden für Palästina bedeuten würde. De von ihm zum Popanz gemachte Konzentration der jüdischen Massen ist niemals eine Gefahr für das türkische Reich gewesen und wird es auch niemals sein. Die Juden haben bisher in allen Teilen des Landes, in denen sie sich aufhielten, zur Förderung von Ordnung und gedeihlicher Entwicklung beigetragen; diese nicht zu leugnende Tatsache erkennt übrigens auch der „Ikdam" an. Sicherlich hat es auch zur Zeit, da die aus Spanien vertriebenen Juden die Gastfreundschaft der Türkei in Anspruch nahmen, manchen Ahmed Djevdet gegeben, der vor der Gefahr einer jüdischen Konzentration in einzelnen Städten des Reiches gewarnt hat: die Geschichte hat uns bewiesen, wie unbegründet diese Furcht war. Wenn sich nun diese jüdische Konzentration durch die Einwanderung in Palästina wiederholen sollte, so würde hierdurch nur gezeigt werden, daß die heutigen Juden ebenso treue Untertanen sein können und werden, wie es die Juden waren, die vor vierhundert Jahren in unserem Lande einen sicheren Zufluchtsort vor allen Verfolgungen fanden. Um die antisemitische Theorie zu stützen, hat man auf die schwere Schädigung hingewiesen, welche die Interessen der eingeborenen arabischen Bevölkerung durch die jüdische Einwanderung erleiden sollen. Wir haben im Mai vorigen Jahres in unserem Blatt eine Reihe von Interviews mit den Leitern der arabischen Bewegung veröffentlicht. Die von ihnen abgegebenen Erklärungen waren außerordentlich bedeutungsvoll. Bei dieser Gelegenheit sagte uns z. B. Rizkallah Bey Arcache, ein tätiges Mitglied des Reform-Comites zu Beirut: „Man begeht ein Verbrechen an seinem Vaterlande, wenn man die jüdische Einwanderung hindern will. De Leute, die sich bei uns dagegen stemmen, tun das nur in ihrem eigenen Interesse, indem sie nämlich glauben, von den jüdischen Gesellschaften dadurch Geld erpressen zu können, oder es sind Wucherer, die durch die jüdiscne Einwanderung, die dem Fellachen zugute kommt und seine wirtschaftliche Lage bessert, nicht mehr, wie früher, die Fellachen ausbeuten und zu Sklaven erniedrigen können, also in ihren großzügigen Wuchergeschäften gestört werden. Alle klugen und ehrlichen Leute aber werden diese Einwanderung wünschen und begünstigen." .... Man sollte doch verstehen, daß zum Anlegen von Wegen, zur Förderung des Ackerbaues, zur Schaffung einer nationalen Industrie Geld, und zwar sehr viel Geld nötig ist.