Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 41 DIES^ELT den hiesigen Jemeniten, von denen viele schon vier Jahre im Lande sind und unter den schlechten Wohnungsverhältnissen sehr zu leiden haben. Manche sind so erbittert, daß sie eine Rückkehr nach dem Jemen in Erwägung ziehen.... Hoffentlich wird es doch noch gelingen, hier einen befriedigenden Ausweg zu finden. Ness-Zionah. Auch unsere kleine Kolonie, die immer gut zionistisch war, hat dem XI. Kongreß lebhaftes Interesse entgegengebracht. Am 1. Ellul, dem Tage der Eröffnung des Kongresses, fand hier eine Versammlung statt, die sehr anregend verlief. Es wurden u. a. Vorträge über die Bedeutung der zionistischen Kongresse und über H e r z 1, den Schöpfer der Kongresse, gehalten. In diesem Jahre werden unsere Kolonisten zunj erstenmal eine ansehnliche Orangen-Ernte zu verzeichnen haben. Die Gärten, die erst vor fünf Jahren auf dem Terrain der früheren Weingärten angelegt wurden, bringen bereits einen bedeutenden Ertrag. Auch die Mandelernte fiel befriedigend aus, zumal die Marktlage recht günstig ist. Man erzielt jetzt per Rottel 31/2 Frs. Gegenwärtig werden einige neue Häuser in unserer Kolonie gebaut. Etwa vierzig jüdische Arbeiter werden hier beschäftigt und ihre Zahl könnte noch steigen, wenn auch die hiesigen Beamten der J. C. A. sie beschäftigen wollten. Der Mangel an Arbeiterhäusern ist sehr fühlbar. Pethach - Tikwah. Unsere Kolonie wurde in große Aufregung versetzt. Alljährlich um diese Zeit häufen sich die Ueberfälle auf den Landstraßen, die keinen lebhaften Verkehr haben. Mittwoch, den 17. September, abends, fuhr nun Herr Akiba Liebrecht, der jetzige Rosch-Hawaad (Vorsteher) unserer Kolonie, nach Jaffa und wurde von vier Arabern angehalten, die einen Raub begehen wollten. Ehe Herr Liebrecht zu seiner Verteidigung etwas unternehmen konnte, wurde auf ihn geschossen, wobei er am Rücken stark verwundet wurde. Zum Glück liegt anscheinend keine Lebensgefahr vor. Sobald die Sache in der Kolonie bekannt wurde, ritt die Jugend sofort aus, um die Missetäter zu suchen. Die Regierung entsandte auch sofort eine Anzahl berittener Polizisten, aber vorläufig gelang es noch nicht, die Uebeltäter zu ergreifen. Die Aufregung in unserer Kolonie ist um so größer, als Herr Liebrecht auch sonst regen Anteil am öffentlichen jüdischen Leben, besonders an der hiesigen landwirtschaftlichen Mittelschule nimmt. Kleine Nachrichten Von den Abiturienten des Jaffaer hebräischen Gymnasiums begeben sich vier nach Konstantinopel, von denen drei die juristische Fakultät und einer die technische Hochschule besuchen wird. Ein samaritanischer Rechtsanwalt veröffentlicht im „Hacheruth“, Nr. 288, einen interessanten Artikel über „Die Samaritaner, ihre Vergangenheit und ihre Rückständigkeit“. (Der Aufsatz wurde aus dem arabischen Original ins Hebräische übersetzt.) Der Verfasser führt aus: Einst gab es viele Samaritaner in Palästina, Aegypten und in Aleppo. Nablus (Sichern) war ihr Mittelpunkt. Durch die Verfolgungen der verschiedenen Regierungen gingen sie an Zahl zurück, und jetzt befinden sich nur noch zirka 150 Seelen in Nablus. Davon 12 Greise zwischen 60—70 Jahren, 40 Männer zwischen 20—60 Jahren, 25 Jünglinge zwischen 10—20 und 11 Knaben unter 10 Jahren. Ferner 16 Witwen, 3 Frauen im Alter von 10—20 und 17 Mädchen unter 10 Jahren. Es macht sich also ein Mangel an Frauen bemerkbar und mehrere Samaritaner bleiben unverheiratet. Auch in geistiger Beziehung sind sie sehr rückständig und ungebildet, da ihre Priester nur eine Beschäftigung kennen, echte und gefälschte Manuskripte auf den Markt zu bringen, während sie sich um die Unterweisung der Jugend gar nicht kümmern. Der Verfasser appelliert an die Jude n, dort eine Schule zu eröffnen und die heranwachsenden Samari- 1401 taner zu ganzen Juden zu machen, da die alten Zänkereien zwischen Juden und Samaritanern keinen Sinn und keine Berechtigung mehr haben. Der bekannte hebräische Publizist M. S m i 1 a n s k i veröffentlicht jetzt in der palästinensischen Presse eine Serie von Aufsätzen, die an die arabische Bevölkerung gerichtet sind. Dem Vernehmen nach wird Nissim M a 1 u 1 diese Aufsätze ins Arabische übersetzen. Auf Anordnung der Regierung fahren zehn Beamte der Jerusalemer Polizei nach Beirut, um ein halbes Jahr die dortige Schule für Gendarmerie- und Polizeiwesen zu besuchen und sich mit den neuen gesetzlichen Bestimmungen vertraut zu machen. Der Mieterverein von Tel-Awiw veröffentlicht einen Aufruf, in dem er die Misere der MietsVerhältnisse in Tel-Awiw bespricht. Der Aufruf konstatiert, daß der Mietzins fortwährend im Steigen begriffen ist, obwohl unaufhörlich neue Häuser gebaut werden. Besonders wird dagegen protestiert, daß nach dem jetzigen Brauch die Miete für das ganze Jahr im voraus entrichtet werden muß. Demgegenüber wird verlangt, daß die Miete vierteljährlich bezahlt werden soll. Ebenso wird gefordert, daß der allgemeine Umzugstermin auf einen Sommertag verlegt werde, anstatt ihn wie bis jetzt zur Winterszeit stattfinden zu lassen. Im Jerusalemer Beth-Am sprach Redakteur Ben-Atar über „Unsere arabische Frage“. — In Jaffa sprach Lehrer Ante bi im Beth-Am über „Das Judentum in den galilääschen Städten.“ — Dr. Arje Beham aus Jeruschalajim sprach in der Aula des Jaffaer Gymnasiums über „Die Tollwut.“ — Im Arbeiterklub in Jaffa wurde über „August Bebel“ ein Vortrag gehalten. — Die hebräische Bühne führte diese Woche in Jaffa als Drama „Haneelam“ auf. Private Kolonisationsarbeit Eine Anregung von Israel Marcus, Bukarest Der XI. Zionistenkongreß hat die Privatinitiative als die wichtigste Kraft in der landwirtschaftlichen Kolonisationsarbeit in Palästina anerkannt. Die Privatinitiative aber so wie sie gegenwärtig geübt wird, sei es seitens mancher von gutsituierten Zionisten gebildeten Gruppen oder seitens der sogenannten Aschusa-Gesellschaften, so sehr diese zu begrüßen sind, schaffen so wenig, daß ihre Bedeutung für den Zionismus nicht sehr beträchtlich sein kann. Damit wir etwasGroßes leisten, müssen wir in unserer Mitte einen Kolonisationsmachtfaktor besitzen, der die Möglichkeit schaffen soll, in Kürze die breitesten Massen unseres Volkes für Palästina zu gewinnen. Er soll eine Existenzmöglichkeit für die gegenwärtige und für die kommenden Generationen schaffen. Das wird er dadurch erreichen, daß er alle bewußten Juden, die ihren Kindern eine Zukunft in Erez-Israel sichern wollen, um sich gruppiert und sie leitet. Zu diesem Zwecke bilden wir eine Versicherungsgesellschaft für unsere Kinder. Jeder Vater, jede Mutter, die ihrem Kinde eine Zukunft in Erez-Israel sichern wollen, treten dieser Versicherungsgesellschaft als Mitglieder bei. Für jedes Kind ist ein gewisser monatlicher Beitrag während der Dauer von zwanzig Jahren zu entrichten. Dafür bekommt der zwanzigjährige Sohn oder die zwanzigjährige Tochter einen Olivengarten von 100 Dunam in Palästina. Die Gesellschaft bildet aus ihren Mitgliedern Gruppen zu je hundert, die sich verpflichten, je 50 Mark monatlich zu entrichten. Für den in den ersten fünf Jahren entrichteten Betrag von 50X100X12X5 — 300 000 Mark wird der Grund und Boden (zehntausend Dunam) gekauft. Mit der sechsten Jahreszahlung wird das erste, mit der neunten das zweite und mit der zwölften Jahreseinzahlung auch das letzte Drittel