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Die Welt · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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diei|belt Nr 41 1400 PALASTINA-RUNDSCHAU Kl ii Jerusalemer Chronik (Von unserem Berichterstatter.) Der hiesigen Polizei ist es bald gelungen, die Mörder des Oscherow zu entdecken. Der eigentliche Täter war ein arabischer Milchhändler, der bei Oscherow die Milch seiner Kühe zi4 kaufen pflegte und im Hause des Oscherow eine Wohnung hat. Er fand Komplizen in dem Hirten des Oscherow und in dem Wächter des bucharischen Viertels. Sie näherten sich zunächst der Tür des Stalles, da trat Oscherow, der durch das Geräusch wach wurde, heraus, erkannte den Milchhändler und rief ihm zu: „Muhammed, was hast du vor?", darauf gab der Milchhändler drei Schüsse auf ihn ab. Er hat auch bereits seine Tat eingestanden und alle Einzelheiten geschildert. Von den Mittätern ist der Wächter vorläufig verschwunden und der Hirt gibt an, daß er sich bloß am Diebstahl, nicht aber an der Mordtat beteiligen wollte. Da Oscherow ein russischer Staatsangehöriger war, so ist auch der russische Konsul an diesem Prozesse interessiert. Die „Moria“, die hiesige tägliche Zeitung der Orthodoxie, welche jetzt wieder zu erscheinen angefangen hat, ist nicht zufrieden, daß die ersten Sammlungen für die Gründung einer jüdischen Universität in Jeruschalajim bloß die bekannten Beträge ergeben haben. Das Blatt erinnert daran, daß bei der Gründung der. ägyptischen Universität eine dortige Prinzessin eine halbe Million Francs, ferner ein Bauterrain in Kairo von 25 000 Quadratmetern und noch sonst Legate gestiftet hat. Das Blatt schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß der Wille des jüdischen Volkes die für die Universität nötigen Mittel herbeischaffen wird. Dr. Arje ,;B e h a m, der Leiter des Jerusalemer Pasteur- Institutes, hat an sämtliche Verwaltungen der Städte, Kolonien und Dörfer in Judäa und Galiläa ein Rundschreiben gerichtet,. aus welchem wir hier folgende Sätze zitieren: „Im Namen des Vereins der jüdischen Aerzte und Naturforscher für die sanitären Interessen Palästinas beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß der genannte Verein in Jerusalem eine serologische und Wutschutzabteilung nach dem Pasteurschen System eingerichtet hat. Dieses Institut bereitet jetzt täglich die Heilmittel vor und nimmt bereits Leute, die von wutkranken oder -verdächtigen Tieren gebissen sind, auf. Von nun an können alle betreffenden Personen in Jeruschalajim geheilt werden und sind nicht mehr gezwungen, nach Kairo oder Konstantinopel zu reisen, was oft, wenn die Reise verspätet angetreten wird, mit Lebensgefahr verbunden ist. (Solche Fälle haben sich in Palästina schon mehrfach ereignet.)" Das Rundschreiben geht dann auf die Art der Heilung im Pasteurinstitut ein, erklärt, daß die Arznei auch dann nicht schädlich wirkt, wenn man von einem gesunden Tier gebissen worden ist, und schließt mit der Mitteilung, daß alle Städte, Kolonien und Dörfer, die sich an den Unterhaltungskosten des Institutes beteiligen werden, das Recht erhalten, Kranke aus ihrer Gemeinschaft zur unentgeltlichen Aufnahme an das Institut zu schicken. Nach einer offiziellen Meldung soll Rabbiner Isak S c h a k i aus Konstantinopel, der kürzlich im Aufträge des Großrabbiners N a h u m Palästina besuchte, Chachambaschi in Jerusalem werden. Rabbiner Schaki hat in dieser Sache auch an die hiesige aschkenasische Gemeinde ein Schreiben gerichtet, worin er bemerkt, daß er nur mit ihrer Zustimmung dieses Amt annehmen würde. Die aschkenasische Gemeinde antwortete darauf, daß sie Rabbiner Schaki als den geeignetsten Kandidaten betrachte, daß sie aber, wenn sie schon um ihre Zustimmung gefragt wird, die- Forderung erheben müsse, daß die .Besetzung des Postens des Chachambaschi durch Wahl seite ns sämtlicher Jerusalemer Gemeinden erfolgen müsse. Nur so werde sich ein gesundes Verhältnis zwischen dem offiziellen Repräsentanten der Jerusalemer Juden und der Bevölkerung ergeben. (Dem Gesetze nach ist der Chachambaschi in Konstantinopel berechtigt, nach eigenem Gutdünken die Chachambaschis in der Provinz zu ernennen.) Daneben kursieren Gerüchte, wonach Rabbi Jakob Me'ir aus Saloniki wieder Chachambaschi von Jerusalem werden soll. Die aschkenasische Gemeinde hat beschlossen, dahin zu wirken, daß die Regierung sie offiziell anerkenne. Im Matrikelamt sowie bei der Jerusalemer Militärbehörde werden bereits die Aschkenasim in besondere Bücher eingetragen. Der „Hacheruth" teilt mit, daß Herr Direktor A. Ant e b i für einige Monate nach Paris fährt und dort eventuell sein Amt als Leiter der hiesigen Allianceschulen und Vertreter der J. C. A. niederlegen wird. Nach seiner Rückkehr werde er sich um die Gründung einer neuen Bank bemühen. Aus den Kolonien Rischon le-Zion. Das Arbeiterviertel „Nachlath Jehudah", welches durch das Odessaer Komitee der russischen Chowewe Zion hier erbaut werden soll, ist bereits im Entstehen begriffen. Das Terrain schließt dicht an die Häuser unserer Kolonie an und, hat eine prächtige, gesunde Lage. Es ist bereits ein Brunnen gebaut.und ein Motor installiert, wofür das Odessaer Komitee einen Kredit von 30 000 Frs. zur Verfügung gestellt hat, der in 25 Jahresraten zurückerstattet werden soll. Außerdem wird den landwirtschaftlichen Arbeitern ein Darlehn von je 1000 Frs. für den Bau eines Häuschens gewährt. Aeußerst merkwürdig ist die Einteilung der Parzellen. Denn auf diesem Terrain von einigen hundert Dunam gibt es nicht weniger als fünf Kategorien von Ansiedlern. Den ersten Platz nehmen fünfzehn landwirtschaftliche Arbeiter ein, von denen jeder eine Parzelle von zehn Dunam erhält. Dann kommen fünf Arbeiter der hiesigen Weinkellereien mit Parzellen von je sieben Dunam, dann fünf Handwerker mit je fünf Dunam. Fünfzehn Bauparzellen von je zwei Dunam sind für Leute reserviert, die keinen Kredit in Anspruch nehmen und auch das Bauterrain bezahlen. Endlich verbleiben sechzig Dunam zur Ansiedlung der hiesigen Jeme- Es ist überflüssig, zu betonen, daß eine derartige Zerstücklung des Bodens mit verschiedenen Nachteilen verbunden ist. Nach welchen Grundsätzen sollen hier beispielsweise die Gemeindesteuern erhoben werden? Von jeher wurde bei unseren älteren Kolonien die unregelmäßige Anlage bedauert, und man sollte dieses Moment bei neuen Gründungen mehr berücksichtigen. Es ist besonders sehr bedauerlich, daß man die Jemeniten stiefmütterlich behandelte. Man hat für sie sechzig Dunam bestimmt, mit der Bedingung, daß jede Parzelle zumindest zwei Dunam umfassen soll. Da einige Dunam für Straßen usw. «abgehen, so verbleiben nur Bauplätze für etwa 25 Familien. Die Jemeniten sind hier aber in einer größeren Zahl vorhanden und wollen nicht eher mit dem Bau ihres Viertels beginnen, als bis für alle Raum geschaffen wird. Man wollte nun von den freien fünfzehn Bauplätzen, die für baares Geld zu verkaufen sind, einen Teil für die jemenitische Siedlung erwerben. Aber aus einer unverständlichen Prinzipienreiterei heraus will das Odessaer Komitee nicht darauf eingehen. Infolgedessen herrscht große Verstimmung unter

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