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Die Welt · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 41 1397 DIEHqKELT fonds „Kedem“, Referat und Debatte über den Actions- Comite-Bericht und des Jüdischen Nationalfonds, überhaupt alles Wesentliche wird totgeschwiegen. Es ist dies die Konsequenz einer Taktik, die namentlich seit 5—6 Jahren bestrebt ist, alles was auf die Wiedergeburt Palästinas Bezug hat, zu ignorieren oder systematisch durch Lanzierung tendenziös entstellter Nachrichten und Berichte zu bekämpfen. Es ist aber auch nichts anderes zu erwarten von einem Blatte, in dessen Spalten den gewesenen, inzwischen getauften Mitarbeitern Worte der herzlichen Erinnerung geweiht werden und das selbst in seiner letzten Neujahrsnummer Beiträge von einem konfessionslosen Juden und von einem erst seit einigen Monaten getauften „Glaubensgenossen“ enthielt. Schließlich sei erwähnt, daß es wohl kaum noch ein jüdisches Blatt gibt, dessen Schriftleitung so oft Gelegenheit geboten wurde, Gegner pressegerichtlich zu belangen. Preßklagen strengt das Blatt aber grundsätzlich nur gegen Antisemiten an. Damit kann man billig in den Besitz einer Märtyrerkrone gelangen. Eine einzige Ausnahme bildete der Prozeß des „Egyenlöseg“ gegen die „Welt“, der bekanntlich mit einem gänzlichen Fiasko des Herrn S z a b o 1 c s i endete. Da dieser Herr seither nichts gelernt und nichts vergessen hat, müssen wir die jüdische Öffentlichkeit über die von ihm beliebten, recht eigenartigen journalistischen Praktiken immer wieder aufklären und ihm, wenn er es gar zu arg treibt, wieder auf die Finger klopfen. Das Judenelend in Galizien (Von unserem Berichterstatter) Wien. Es wächst von Tag zu Tag. Die durch plötzliche Kreditentzienung geschaffene katastrophale Situation im Vorjahre begann sich nach der Demobilisierung ein wenig zu entspannen — als das Uebergreifen des „nationalen Boykotts“ von Russischpolen neue Wunden schlug und die Unbilden des Sommers, Ueberschwemmungen und Mißernte mit den unglücklichen galizischen Bauern natürlich auch den kleinen jüdischen Händler und Gewerbetreibenden traf. Bekanntlich hat sich die Regierung bemüßigt gesehen, eine Hilfsaktion für Galizien einzuleiten und zu diesem Zwecke aus Steuergeldern hundert Millionen bewilligt. In Beratungen zwischen den Behörden und den Vertretern der Polen und Ruthenen wurde die Verwendung der Hilfsgelder festgelegt und dabei der Juden ganz vergessen. Die „W iener Sonn - und Montagszeitun g“, die schon wiederholt für die galizische Judenheit eingetreten ist, schreibt darüber: „Soviel steht fest, daß der Kaufmannsstand, daß die armseligen jüdischen Existenzen Galiziens, die hunderttausende Armseliger und Hungerleider vollständig leer ausgehen werden! Denn was dem städtischen galizischen Element am dringendsten nottut, ist Kredithilfe. Daran aber dachte man bei den Beratungen über die Notlage in Galizien nicht. Die hundert Millionen sollen fast ganz für die notleidende Landwirtschaft, für die Herstellung dringender Bauten, verwendet werden. In ersterem Falle werden wohl die landwirtschaftlichen Verbände ein entscheidendes Wort sprechen. Nun werden aber Juden, die als Pächter und Grundbesitzer auch ungeheuren Schaden erlitten haben, in der Regel in diese fast rein christlichen Verbände nicht auf genommen. So kommt es, daß die jüdische Bevölkerung Galiziens, deren größter Teil in erschrecklichem Elend dahinvegetiert, von der Hilfsaktion der Zentralregier ung nicht den geringsten Nutzen haben wird. Denn für den galizischen Kaufmannsstand, zu dem die Juden 85 °'o stellen, wird gar nichts unternommen, und als Landwirte stehen die Juden, infolge der wirtschaftlich-antisemitischen politischen Tendenzen der Polen und Ruthenen außerhalb der mit Unterstützungen bedachten Verbände.“ Die Arbeit des Board of Deputies (Von unserem Berichterstatter.) London. Der Board of Deputies, der als englisch-jüdisch er Gemeindebund betrachtet werden kann, feierte vor einigen Jahren sein 150 jähriges Stiftungsfest. Es ist ihm mehrfach vorgeworfen worden, daß er die Interessen der .englischen Judenheit nicht in genügendem Maße wahrnehme und daß daher eine Umgestaltung seiner etwas veralteten Organisation nötig sei. Diese Kritik, die sich letztens bei verschiedenen Anlässen als gerechtfertigt erwies, hat es nun bewirkt, daß der Präsident des Board mit den Vertretern aus Manchester eine Konferenz zur Besprechung der zukünftigen Arbeit der Organisation und ihrer weiteren Ausgestaltung abgehalten hat. Man erwartet, daß in den Arbeitsmethoden des Board of Deputies grundlegende Veränderungen eintreten werden. Die „Nowoje Wremja“ über den Wiener Kongreß (Von unserem Berichterstatter.) Petersburg. Die „Nowoje Wremja“ bringt in ihrer Nummer vom 23. September eine „Würdigung“ des elften Zionisten-Kongresses aus der Feder des berüchtigten Judenfressers Mens c h i k o w. Die Auswanderung nach Palästina, klagt Herr Menschikow, schreite nur langsam vorwärts, inzwischen habe sich die zionistische Organisation zu einer großen Weltorganisation ausgebildet, die gegen die christliche Welt arbeite. Die zionistischen Kongressewürden dazu benutzt, um den Haß gegen das Christentum, namentlich aber gegen Rußland, das Millionen von bedrängten Juden gastfreundlich Schutz und Unterkunft geboten (!), zu schüren. Mit besonderer Wut spricht Menschikow von der Resolution des Kongresses bezüglich des Beilisprozesses. An dem Kiewer Knabenmorde seien mit unleugbarer Sicherheit sämtliche Attribute eines Ritualmordes festgestellt worden. Der Lärm, den die Juden um die Affäre Justschinsky erhöben, sei der beste Beweis für ihre Schuld. Die gesamte Geschichte der Juden sei ein einziges großes religiöses Verbrechen gewesen. Die Blätter der jüdischen Thora seien sämtlich von Blut getränkt, — vom Blute der von den Juden ausgerotteten Völker und der Propheten, die ihre Strafreden mit dem Leben büßen mußten. Einen besseren Beweis für die Wirkung unserer Protestkundgebung auf dem Kongreß als die wilde Wut der Herren von.der „Nowoje Wremja“, könnte man schwerlich bringen. Eine eigenartige Enquete des russischen Handelsministeriums Das Handelsministerium hat an die Industriellen und Fabrikanten Rußlands einen Umfragebogen versandt, der ein Muster schöpferischer Staatsweisheit darstellt. Die Enquete enthält sieben Fragen, von denen drei auf den Stand des Unternehmens selbst, auf die Anzahl der Arbeiter und der Angestellten Bezug hat. Der Schwerpunkt des Enuqete liegt jedoch in den letzten vier Fragen. Die vierte Frage lautet: „Wer ist der Leiter der Fabrik, ein Russe, ein Jude, oder ein Ausländer?“ Die folgenden Fragen setzen gleichsam voraus, daß jeder Befragte von Berufswegen ein Beamter des Handelsministeriums sei, ja diese Fragen übertragen den Fabrikanten geradezu polizeiliche Funktionen. Die Fabrikanten werden aufgefordert, darüber Auskunft zu geben, wieviel Juden und Ausländer es an ihrem Orte gibt, wieviel Boden diese hier besitzen u. dergl. Auch will das Ministerium von den Fabrikanten hören, „ob sich nicht eine schädliche Wirkung der Juden auf die Ortseinwohner, namentlich auf die Bauern bemerkbar macht, und worin diese schädliche Wirkung zum Ausdruck kommt“. Wird es einem pfiffigen Fabri-

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