Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 1340 DIE^ELT Malaria in den dortigen Kolonien sehr stark zurückgegangen ist, so gibt es jetzt auch dort einen regulären Schulbesuch, und die Lehrer wechseln auch nicht mehr so oft ihren Wirkungskreis. In sämtlichen Schulen der obergaliläischen Kolonien gibt es Gemüse- und Blumengärten, und jedes Kind hat ein besonderes Beet. Die „Einnahmen“ fließen der Schulbibliothek zu. Fast in allen Schulen verdrängte das Hebräische das Französische oder reduzierte es auf wenige Stunden. Weniger erfreulich war der Bericht über S a f e d. Dort wird bereits in den untersten zwei Klassen der Volksschule des Hilfsvereines eine europäische Sprache (deutsch) gelehrt. Geradezu traurig ist es, daß dort dreihundert (!) jüdische Mädchen eine Missionsschule besuchen. Weitere Berichte wurden von Samaria und Südpalästina erstattet. Es folgten Referate und Aussprachen über die zwei von der Lehrerschaft herausgegebenen Zeitschriften „Hachinuch“ (Die Erziehung) und „Moledeth“ (Die Heimat, Zeitschrift für die reifere Jugend). Eine lebhaftere Aussprache erfolgte bezüglich der Arbeit des „Waad Hala schon“ in Jerusalem. Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Es ist erwünscht daß der Waad Halaschon (Kommission für die hebräische Sprache) Fachmänner in Palästina und im Auslande zur Mitarbeit zuzieht. 2. Der Waad Halaschon ernennt einen Philologen zu seinem honorierten Sekretär, der die Korrespondenz mit allen auswärtigen Mitgliedern unterhält. 3. Der Waad-Halaschon redigiert und versendet durch den Vorstand der Lehrerschaft an sämtliche Schulen Palästinas in drei Sprachen (französisch, deutsch und russisch) abgefaßte Verzeichnisse der Terminologie eines jeden Unterrichtsgegenstandes. Diese Verzeichnisse werden auch den betreffenden in- und ausländischen Fachleuten, mit denen der Waad-Halaschon zusammenarbeitet, zugestellt, damit sie ihrerseits die hebräischen Bezeichnungen vorschlagen. 4. Der Waad-Halaschon veröffentlicht im „Haschinnep“ in einer im Auslande erscheinenden Zeitschrift zwecks öffentlicher Diskussion die Vorschläge der Termini technici, die er neu prägen oder denen er zustimmen will, mit kurzer Motivierung. Nach Ablauf von drei Monaten beschließt der Waad-Halaschon die Annahme der hebräischen Bezeichnungen mit Stimmenmehrheit der sich an der Diskussion beteiligenden Mitglieder. 5. Der Waad-Halaschon hat den Terminis technicis, die in den meisten palästinischen Schulen bereits angenommen wurden, Rechnung zu tragen. 6. Der Waad-Halaschon zieht bei fachwissenschaftlichen Terminis die betreffenden Fachleute, die die hebräische Sprache beherrschen, zur Beratung hinzu. In der letzten sechsten Sitzung wurden noch folgende Beschlüsse gefaßt: Der Vorstand der Lehrerschaft hat pädagogische Beratungen bezüglich der verschiedenen in Palästina vorhandenen Schultypen: Kindergärten, Dorfschulen, städtische Schulen, Mittelschulen und professionelle Schulen zu veranstalten. Das in Jerusalem begründete pädagogische Museum gehört der Lehrerorganisation und wird durch den Jerusalemer Zweigverein verwaltet. Der Vorstand gibt jährlich einen Betrag für die Erhaltung des Instituts. Der Vorstand hat zur nächsten Generalversammlung ein Referat über den Unterricht fremder Sprachen in den Volksschulen auszuarbeiten. Ein Lehrer, der seine Kinder in den christlichen Schulen Palästinas erziehen läßL verletzt die Ehre des hebräischen Lehrers, beleidigt die Schule in der er arbeitet und kann nicht als Mitglied der Lehrerorganisation angesehen werden. Mit allen Stimmen gegen vier wurde folgender Beschluß gefaßt: Die Grundlagen der nationalen Erziehung verlangen, daß sämtliche Unterrichtsgegenstände > in der hebräischen Sprache unterrichtet werden. Die Versammlung verpflichtet daher die Mitglieder der Lehrerorganisation, mit aller Kraft gegen den Unterricht profaner Gegenstände in einer fremden Sprache anzukämpfen. Die vier Gegenstimmen richteten sich bloß gegen den zweiten Passus dieser Resolution. Einstimmig wurde noch folgende Resolution gefaßt: Die Lehrerorganisation erteilt ihre volle Zustimmung zu dem Memorandum, welches der Vorstand an das- Kuratorium des Technikums bezügl. der Unterrichtssprache gerichtet hat und verpflichtet den Vorstand fernerhin auf der Hut zu sein und mit aller Kraft für die im Memorandum ausgesprochenen Forderungen einzutreten. In den neuen Vorstand wurden gewählt: Dr. Lurie, David Je Hin, Salomon Schiller, Dr. Mos sins o h n, Dr. Zifroni, Jechieli und Adler. Auf Antrag von K. L. S i 1 m a n wird die Lehrerorganisation anläßlich ihres zehnjährigen Bestehens ins Goldene Buch des N. F. eingetragen werden. An M. U s s i s c h k i n, den Begründer der Lehrerorganisation, sowie an den XL Zionisten-Kongreß, an die Chowewe-Zion ,usw. wurden Begrüßungstelegramme abgesandt. Der Vorsitzende, Herr Wilkomitz, schloß darauf die Versammlung mit einer Ansprache, in der er die ersten kleinen Anfänge und die stets ansteigende zehnjährige Entwicklung der Gesellschaft der jüdischen Lehrer Palästinas schilderte. Zu der Notiz in der Palästina-Rundschau der Welt (Nr. 30) über „Fortschritte der N. F.-Sammlungen in Palästina“ werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die Golden-Buch- Eintragung von Elijahu Sapir s. A. nicht die erste palästinensische Eintragung überhaupt ist, daß vielmehr bereits vor Jahren eine Anzahl Eintragungen in das Goldene Buch, so z. B. die des Zionistischen Vereins in Jerusalem, ferner diejenige von David Wolffsohn sowie verschiedene Eintragungen von Sammlern in Rischon-le-Zion und Safed vorgenommen worden sind. Die Konferenz der spaniolischen Juden in Wien Von David Pardo, Wien Der 7. September ist zu einem Gedenktage im Leben der spaniolischen Juden und in der Geschichte der gesamten Judenheit geworden, denn von diesem Tage ab datiert eine neue Epoche in der bisher stagnierenden, inhaltslosen Existenz der Spaniolen. Man muß diesen Tag miterlebt haben, um seine Bedeutung zu würdigen. Seit unserer Vertreibung aus dem Lande Torquemadas hat die Welt kein ähnliches Schauspiel gesehen: Sephardim aus den verschiedensten Ländern der Diaspora sind zusammengekommen, um über ihre Lage und Zukunft zu beraten. Das Herz des sephardischen Juden hat mit seiner ganzen Kraft zu uns gesprochen; wir haben seine ganze Schönheit und Traurigkeit, seine Größe und seine Armut gesehen. Ueber kurz oder lang mußte dieser Tag einmal kommen; die Vorgänge auf der Balkanhalbinsel haben sein Kommen nur beschleunigt. Er kam als eine Folge unserer vor 15 Jahren begonnenen Regeneration, d. h. als eine Folgeerscheinung des Zionismus. Unser neuerwachtes nationales Bewußtsein hatte uns zum vollen Verständnis unserer moralischen Armut gebracht; überall hatten wir Anschluß an lokale Organisationen gesucht. Nun aber sind wir endlich zu einer allgemeinen Organisation der sephardischen Juden gelangt. Der Gedanke einer solchen Organisation war schon hin und wieder in verschiedener Gestalt aufgetaucht; zur Ausführunng reif wurde er erst, als der tragische Balkankrieg kam und uns die Augen öffnete über die Gefahr, in der die Juden der Balkanländer schweben. Während der ganzen Epoche der Ausdehnung des ottomanischen Reiches vom persischen Golf bis zur Donau bildeten die Sephardim eine kompakte Masse mit einheitlichen Lebensbedingungen. Mit dem Zerfall des alten Reiches aber trat allmählich eine Gefährdung ihrer Existenz als Juden ein. Mit dem Auseinanderfallen der Balkanbevölkerung in selbständige nationale Gemeinwesen, wurde die ottomanische Judenheit in bulgarische, serbische oder griechische Juden gespalten, deren Lebensbedingungen sich voneinander unterschieden. Bei der rasch fortschreitenden Entwicklung der kleinen Balkanvölker fanden sich die kulturell inferioren Sephardim plötzlich unter dem Einfluß überlegener Kulturen, die ihre eigene Kultur verschlangen. Ein Hauptgrund, weshalb sich die jüdische Eigenart gegenüber den Fremd-