Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1334 Nr. 39 DIE2§KLT haben wir nicht allzuviel. Aber das einzige, was das jüdische Volk noch nicht verloren hat und nie verlieren wird, das ist: Geduld! (Beifall). Und Geduld sollen auch Sie bei unserer Bank haben. Nun ein paar Worte über die Anglo Levantine Banking Company. Welch ein gesundes Institut wir in der A. L. B. C. haben, werden Sic daraus ersehen, daß es die letzten zwei Jahre in der Türkei gesund und glücklich überstanden hat. Es waren die zwei Jahre des Krieges. Unsere Kunden sind zum Teil in Adrianopel, Kirkkilisse und Tschataldscha ansäßig. Monatelang haben wir nicht gewußt, ob sie noch leben, ob ihr Hab und Gut noch existiert. Trotzdem hat die Bank diese Zeit nicht nur überstanden, sondern in den Jahren 1911 und 1912 einen Gewinn abgeworfen, wie noch nie zuvor. Ueber 'diese kleine Gründung in Konstantinopel, mit der wir festen Fuß in der Metropole des türkischen Reichs fassen wollten, dürfen wir uns uns sehr freuen. Nun zu unserem wichtigsten Institut, zur Anglo- Palestine Co! Bevor ich aber über die A. P. C. spreche, werden Sie mir gestatten, einige Worte über die allgemeine Lage in Palästina zu sagen. Unsere Bank ist lUrt zu einem so wichtigen Faktor geworden, daß diese Verhältnisse in einem engen Zusammenhang stehen. Palästina hat unter den zwei Kriegsjahren ebenfalls zu leiden gehabt. Aber dies hat sich in der wirtschaftlichen Lage, die so ziemlich unverändert geblieben ist, weniger gezeigt als in einer allgemeinen Geldkrisis. Die Ernte war etwas besser als im Jahre 1910, aber trotzdem - mittelmäßig, sowohl 1911 als 1912. Der Handel gestaltete sich ein wenig besser als früher. Das Exportgeschäft hat sich 1911 um zwei Millionen vergrößert, 1912 um 1*- Millionen, der Import hatte sich 1911 um vier Millionen vergrößert, ist dagegen 1912 um zwei Millionen zurückgegangen. Das rapide Steigen des Handels in den früheren Jahren war in diesen beiden Jahren nicht zu bemerken. Außerdem ist es zu bedauern, daß in diesem fruchtbaren Lande noch immer nicht genug Getreide und Weizen gebaut wird, so daß diese Produkte importiert werden müssen. Es muß aber eine Wandlung zum Besseren eintreten, so daß Palästina wieder zu einer Kornkammer wird, die andere Länder mit Feldfrüchten versorgt. Die anderen Zweige des Geschäftes gehen ihren langsamen Weg. So wurde z. B. weniger Oel exportiert, dafür aber mehr Seife. Es wurden mehr Orangen produziert, sie haben allerdings nicht viel mehr Geld eingetragen, wie früher, weil die Preise niedriger geworden sind. Auch der Touristenverkehr ist kleiner geworden. 1910 kamen über 8000 Fremde, 1911 und 1912 bloß etwas über 5000. Für unsere Bank sind aber diese zwei Jahre der beste Beweis, einen wie soliden und guten Ruf wir uns in Palästina erworben haben. Infolge der wirtschaftlichen Depression entstand ein Geldmangel, wie er in diesem Lande noch nie vorgekommen ist. Sämtliche Banken die dort arbeiten, zogen sich vollständig zurück. Die einzige Bank, die nicht nur Stand gehalten, sondern ihre Kredite noch um 25°/n vergrößert hat, war die jüdische Bank, die A. P. C.! Und während das ganze Geschäft sich um 10°> vergrößert hat, sind unsere Depositen und Einlagen um 25" <> gestiegen. Ich kann mit ruhigem Gewissen sagen, daß das frühere Verdienst der A. P. C. — nach dem Ausspruch eines Direktors der Ottomanbank ist die Verfünffachung des Handels in Palästina hauptsächlich der A. P. C. zu verdanken! — sich noch wesentlich dadurch erhöht hat, weil sie die wirtschaftliche Lage in Palästina in den zwei Kriegsjahren aufrecht hielt! Sie haben alle eine Broschüre bekommen, in der die Tätigkeit der A. P. C. geschildert ist. Ich bin fast in Verlegenheit, aus diesem fast unerschöpflichen Material die wichtigsten Dinge herauszugreifen. Bedenken Sie, daß in Palästina bei einem gesamten Handelsumsatz von 50 Millionen von der A. P. C. allein 10 Millionen investiert sind. Die A. P. C. hat mit über 4000 Leuten gearbeitet. Davon sind 1100 Kaufleute, eine ganze Menge Pflanzer, 2000 Leute stehen mit den Vorschußkassen in Verbindung, die mit uns gearbeitet haben. Ich halte es für eine der wichtigsten Aufgaben in Palästina, die Kooperativ genossenschaften zu fördern. Das ist der einzige Weg, wie wir die Privatinitiative in Schwung bringen können, ohne irgendwelche Opfer zu bringen. Wir haben dort etwa 150 Kassen, in denen 1910 370000 Francs, 1912 499 000 Francs investiert waren. Diese Kassen sind juristisch nicht besonders fundiert, und trotzdem ist im Laufe der vielen Jahre, seitdem sie bestehen, auch nicht der geringste Verlust zu verzeichnen gewesen. Das Odessaer Komitee hat einmal 35 000 Francs beigesteuert, um sich am Risiko zu beteiligen. Diese 35 000 Francs sind durch Zinsen auf 48 000 Francs angewachsen, und wir haben auch keinen einzigen Francs dafür zu nehmen gebraucht, um etwa Verluste, bei 1900 armen kleinen Kolonisten zu decken! Ein kleines Charakteristikum: Wir haben dem Verein „Haschomer” ein Darlehen gewährt, und der Verein zahlt seine Schulden mit der größten Pünktlichkeit zurück. Der Haschomer ist nicht nur ein vorzüglicher Wächter der Habe der jüdischen Kolonisten, sondern auch der Gelder der Bank. Ich wäre stolz darauf, den Titel, den Freund Ussischkin mir zurief „Rosch Haschomrin” zu tragen, wenn ich ihn nur wirklich verdient hätte. In Palästina, wo man sich erst den Weg bahnen muß, kann der einzelne Mensch wenig ausrichten. Es müssen sich viele vereinigen und Kooperationen bilden, um mehr Kraft entwickeln zu können, und bei diesem schweren Werke kann und muß die Bank helfend einspringen: die Unterstützung des Genossenschaftswesens muß unser Prinzip sein. Wir sollen doch nicht bestrebt sein, wohltätig zu wirken, sondern wohltuend. Wir haben, abgesehen von der rein kaufmännischen Tätigkeit — 5 bis 6 Millionen sind in Wechseln investiert — z. B. für Orangerien und Pflanzungen Kredite im Betrage von 750 000 Francs bewilligt, für Landkäufe und dergl. 490 000 Francs. Ich verlange dafür keinen Dank, aber ich möchte mit Herrn Dr. Ruppin doch ein Wörtchen sprechen. Er war gestern so splendid, alles zu verteilen. Die Olam haba hat er für sich genommen, die Olam hase hat er uns, den Esaus von der Bank, gegeben. Das ist eine alte Verteilung. Ich mache Herrn Dr. Ruppin jedes Kompliment, denn er hat seine Sache großartig gemacht und gebe ihm auch gern einen Teil von „Olam hase” ab. Aber ich bin fest überzeugt, daß die Pflanzer, die mit dem Gelde der Bank auf eigenes Risiko Pflanzungen angelegt haben, es mindestens ebenso gut gemacht haben, wie seine Pflanzer, weil sie für sich arbeiten, und die beste Verwaltung der Welt ist, wenn einer für sich selbst etwas verwaltet. Wir von der Bank wollen aber auch ein Stückchen Olam haba haben. Zur Tätigkeit der Bank will ich noch hinzufügen, daß aus Mangel an Geld niemals ein Gesuch zurückgewiesen worden ist. Wir haben auch auf anderen Gebieten Gutes gestiftet. Wir haben dafür gesorgt, daß die Oscherpachtungen, die den Kolonisten so große Schwierigkeiten verursachten, von der Regierung übernommen wurden. In vier Kolonien hat die Bank Wasserleitungen hergestellt, sie hat Ackerbauschulen gegründet usw. Ich habe nunmehr zum Schluß an Sie nur noch die herzliche Bitte zu richten, das Büchlein über die A. P. C. fleißig zu lesen. Es ist vielleicht etwas langweilig, solche Reihen von Zahlen zu verfolgen, aber das sind keine leeren Zahlen, keine trockenen