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Die Welt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 1333 DIE3^ELT Einnahmen, und wären in der Lage, 6 o/o Dividende zu geben. Aber ich bin fest überzeugt, es wird sich niemand finden, der unzufrieden damit ist, daß wir eine Dividende von 3<>/o haben und in Palästina arbeiten und nicht eine von 60/0, wobei wir nicht in Palästina arbeiten würden. Es ist in der letzten Zeit viel von unserer Bankpolitik gesprochen und geschrieben worden. Ich glaube, es wird doch besser sein, wenn wir uns hier darüber aussprechen. Ich glaube, daß wir in unserer Bankpolitik eben dieselbe Politik halten müssen, wie unsere zionistische Bewegung. Wir müssen dafür sorgen, daß unser Haus, selbst wenn es klein ist, solid wetterfest sei und allen Hindernissen Widerstand leisten könne. Daß wir uns aber möglichst viel Platz lassen müssen, damit wir, sobald die Möglichkeit da sein wird, unseren Bau auszubauen und zu erweitern, nicht in Verlegenheit geraten. Nun will ich in dieser Beziehung noch einiges bemerken. Man hält mich für einen politischen Zionisten, und in diesem Falle muß ich sagen: lassen Sie die Politik beiseite, hier in der Bank brauchen wir praktische Arbeit und nichts weiter. Nun meine Damen und Herren, unsere Bank wird von vielen Seiten „unsere" Bank genannt. Sie haben das gute Recht darauf, denn jeder Zionist hat zum Ausbau dieses Instituts mitgeholfen, aber Rechte legen auch Pflichten auf. Und wenn Sie sie als unsere Bank bezeichnen, so genügt es nicht, sie gegründet zu haben, und sich weiter nicht darum zu kümmern. Dr. Herzl hat gesagt: Wir können nur die Kräfte dirigieren, — die Kräfte schaffen kann nur das jüdische Volk. Wir sind nicht in der Lage, auf einmal große Aktienverkäufe zu machen, wenn nicht unsere zionistische Bewegung und unser jüdisches Volk mitarbeitet. Diese Politik wird allen einleuchten. Man sagt, daß wir deshalb nicht soviel Aktien verkaufen, weil wir nicht populär sind. Nicht dieses ist die Ursache. Die A. P. C. ist doch gewiß populär, und doch sind viel weniger Aktien der A. P. C. als des J. C. T. verkauft worden. Das beweist, daß nicht auf unserer Seite die Schuld ist, sondern, daß Sie sich zu wenig dafür interessieren! Nun, meine Herren, was die Depositen anlangt: unsere Banken haben ein Deposit von zusammen über zehn Millionen Francs, d. i. eine recht hübsche Summe. Namentlich aber ist es erfreulich, daß diese Beträge immer größer werden. Noch interessanter ist es, daß wir diese Beträge am meisten von kleinen Leuten haben, und dieser Gedanke hat uns darauf gebracht, ob wir nicht an großen jüdischen Zentren wie z. B. New-York Depositenstellen eröffnen sollten, d. h. Kassen, wo wir Depositen annehmen können. Diese Frage wurde vom Direktorium eingehend studiert. Unsere amerikanischen Freunde sind sehr dafür und ich glaube, daß man sich dieser Frage ernst widmen sollte. Was nun die Depositen in Palästina anlangt, so wachsen sie von Jahr zu Jahr. Noch am 1. Januar waren es 7 Millionen und heute haben wir schon über 8 Millionen. Es sieht fast so aus, als <?b nicht nur das jüdische Volk, sondern auch die Bank für das jüdische Volk sich nur in Erez Israel richtig ausleben kann. Bevor ich zur Frage der Rentabilität unserer Bank übergehe, muß ich noch ein paar Worte über die Unkosten sagen. Diese betragen ca. 8000 Pfund, manche bezeichnen sie als groß, manche wieder machen uns den Vorwurf, daß wir so knauserig sind. Ich glaube, meine Herren, daß wir uns in der Mitte halten, aber ich muß Ihnen sagen, ein großer Teil dieser Unkosten hängt nicht unseren Geschäften zusammen, diese Unkosten hängen mit dem Apparate unserer Aktien zusammen. Vergessen Sie nicht, daß wir 135 000 Aktionäre haben, mit denen wir im regen Briefverkehr stehen müssen, die Coupons eintragen, die Aktien Umtauschen etc. etc. Diese Arbeit allein verursacht nach den Berechnungen unseres Managers einen Kostenaufwand von 3000 Pfund. Was nun die Rentabilität anlangt, so ist schon konstatiert, daß diese dadurch, daß der Hauptteil des Geldes in Palästina angebracht ist und nur 41/0 o/0 einträgt, nicht sehr groß sein kann. Aber ein Fortschritt, wenn auch ein langsamer, ist nicht zu verkennen und die Resultate bessern sich von Jahr zu Jahr. Wenn man auf eine Leiter hinaufsteigt, so braucht man sich nicht abschrecken zu lassen, wenn die Leiter noch so hoch ist. Wir müssen das Bewußtsein haben, daß wir langsam von Stufe zu Stufe weiter kommen. Hoffentlich wird die Rentabilität in Zukunft größer werden, und auch Sie müssen dafür sorgen. Noch ein Punkt: Die Liquidität der Bank. Ich höre schon Rufe: „Verschonen Sie mich damit, jede Bank muß liquid sein!” Nun, meine Herren, bei uns liegen die Verhältnisse doch etwas anders. In Deutschland betrachten die Banken es als ein gespanntes Verhältnis, wenn sie, wie jetzt im Verhältnis zu ihren Verpflichtungen 40% erstklassige liquide Werte liegen haben. Ich kann Ihnen versichern, unsere A. P. C. ist so sicher und gut fundiert, wie nur möglich. Aber die Verhältnisse in Palästina verlangen, daß für die Liquidität ganz besondere Mittel ergriffen werden. Dort sind selbst erstklassige Wechsel keine liquiden Werte. In Palästina können Sie mit einem Wechsel nichts machen in dem Momente, wo Sie das Geld brauchen. Dort ist das bare Geld das einzig liquide. Sie werden sich denken, meine Herren, daß bei einem Depot von 8 Millionen in Palästina wir immer bereit sein müssen, unsere Mittel stets liquid zu halten. Der Run, den wir schon einmal hatten, hat gezeigt, daß wir im Laufe von einigen Tagen große Beträge dorthin bringen können. Wir haben dadurch unseren Ruf gestärkt. Wenn Sie die Bilanz des J.C. T. studieren, werden Sie sich überzeugen, daß wir über 100000 Pfund jeden Tag dorthin überweisen können. Dieses beeinflußt etwas unsere Rentabilität, aber es ist notwendig. Noch ein Punkt: unsere Reserven- und Dividenden-PoIitik. Hier können die Ansichten verschieden sein. Es gibt Aktionäre, die sich mehr dafür interessieren, eine Dividende zu bekommen, es gibt wieder manche, die es vorziehen, sie der Bank als Reserven zu lassen und diese dadurch zu stärken. Wer, wie ich, die Gelegenheit hatte, zu sehen, wie Emigranten in Libau passierten, die als einzige Habe noch eine Aktie der jüdischen Kolonialbank besaßen, kann die Freude mancher Aktionäre ermessen, noch eine Dividende auf diese letzte Habe zu bekommen. Wir sind verpflichtet, eine Dividende zu geben, wenn es unsere Mittel erlauben. Was die Reserven anlangt, so kann ich Ihnen versichern: wir denken natürlich nicht daran, unsere Banken zu liquidieren, aber wenn wir es tun würden, so würde jeder Aktionär — dies können Sie mir glauben, — mehr bekommen, als er gezahlt hat. Im J.C.T. liegt aber diese Frage der Reserven- und Dividendenpolitik noch etwas anders. Glücklicherweise hat sich bei uns die Teilung von zwei Aktionärgruppen selbst gebildet. Wir haben einen großen Teil von Aktionären, die sich diese Dividende nicht abholen und folglich unseren Reserven überlassen. Wir sagen ihnen dafür „Jaschir Kauach." Bevor ich nun mit dem J. C. T. schließe, muß ich gestehen, daß die Fortschritte, die der J. C. T. zeigt, viel zu langsam sind, daß sie namentlich nicht im Verhältnis stehen zu den großen Wünschen und Hoffnungen, die das jüdische Volk auf „unsere” Bank gesetzt hatte. Neulich hat einer unserer besten Juden, Prof. Ehrlich, gesagt: „Zum Gelingen einer jeden großen Sache gehören vier Dinge: Glück, Geschick, Geld und Geduld. Glück hat das jüdische Volk sehr, sehr wenig; Geschick ist beim Direktorium offenbar sehr schwach; auch Geld

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