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Die Welt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 4HE3§gELT Bruder bezeichnet werden. Beide sind sie in England als Gesellschaften mit beschränkter Haftung legalisiert und werden von Direktoren geleitet, die von einer Generalversammlung der Mitglieder gewählt werden. Als Mitglieder der Gesellschaft werden alle Mitglieder des Aufsichtsrates der Kolonialbank betrachtet, d. h. alle Mitglieder des zionistischen großen Aktionskomitees, welche vom zionistischen Kongreß alle zwei Jahre gewählt werden. Nach § 35 des Statuts muß die Hälfte der Direktoren bei der jährlichen Generalversammlung demissionieren. An ihre Stelle werden neue oder werden dieselben aufs neue wiedergewählt. Nach § 34 L. F. des Statuts kann die Generalversammlung jeden Direktor nach Gutdünken entfernen. Ebenso bestimmt § 32 des Statuts gewisse wichtige Unternehmungen, welche die Direktoren ohne Einwilligung oder Beschluß der Generalversammlung nicht unternehmen dürfen. Die erwähnten Bedingungen zeigen es zur Genüge, daß die wesentliche Leitung des „Kedem“ stets in den Händen der Generalversammlung bleibt, und da die Generalversammlung, wie erwähnt, aus den Mitgliedern des zionistischen Aktionskomitees besteht, so muß auch der „Kedem“ in all seinem Tun und Lassen von der zionistischen Organisation abhängig sein und unter Kontrolle und Einfluß des zionistischen Kongresses bleiben. Die Aufgabe jedoch des „Kedem“ und seine demokratische Arbeitsweise brachten seine Gründer zu der Ueberzeugung, daß man die Leitung nicht auf das Große A. C. beschränken darf, dessen Mitgliederzahl gering ist; man müsse vielmehr noch andere, anderen zionistischen Institutionen angehörige intellektuelle Kräfte dem „Kedem“ zuführen, ebenso auch solche sozialen Kräfte, die für die Entwicklung des „Kedem“ entweder viel geleistet haben oder leisten können. Es werden darum nach § 4, L. B, auch die Direktoren des J. N. F. und der Präses des Odessaer „Unterstützungsvereins für jüdische Ackerbauern in Syrien und Palästina“ den Mitgliedern des „Kedem“ zugerechnet. Der § 8 des Statuts erlaubt der Generalversammlung, von Zeit zu Zeit neue Mitglieder aufzunehmen, die auf dem Gebiete der jüdischen Kultur oder Wissenschaft sich ausgezeichnet haben oder sich durch ansehnliche Legate oder durch hervorragende Arbeiten zugunsten der Realisierung des jüdischen Regenerationsgedankens hervorgetan haben. Solche Mitglieder können jedoch nur mit Zweidrittelmajorität der in der Generalversammlung anwesenden Mitglieder aufgenommen werden. In der Frage des Aufsichtsrats waren die Gründer sehr streng, denn außer dem von den Gesellschaftsmitgliedern gewählten Aufsichtsrats muß die Generalversammlung nach § 61 jährlich mindestens einen von Staats wegen eingesetzten und beeideten Kontrollkommissär (Chartered Accountant) wählen, der die Arbeiten der Gesellschaft von der finanziellen Seite nach Kassastand und jährlicher Bilanzausgleichung zu untersuchen hat. Es erhellt also, daß der „Kedem“, abgesehen von einigen unwesentlichen Abweichungen in bezug auf die Leitung und das Direktorium, im Aufbau ganz seinem älteren Bruder, dem Jüdischen Nationalfonds, gleicht und nur im Ziel und im Arbeitsplan von ihm verschieden ist. Die beiden Institutionen arbeiten parallel, der eine will das Land, der andere den Geist erobern. Der eine will das Land für das Volk, der andere will das Volk für das Land vorbereiten. Der N.-F. ist der Hartteil im Kern der nationalen Auflebung, der „Kedem“ ist die lebenbringende Feuchtigkeit des Kernes. Die beiden Institutionen ergänzen einander und wollen beide eine historische Schöpfung bewerkstelligen: Die Renaissance der Nation in ihrem eigenen Lande. (Lebhafter Beifall.) Der N.-F. erwirbt in Palästina Besitzungen zu Kolonisationszwecken; der „Kedem“ dagegen wird sich bestreben, Agrarschulen zu gründen, um die Dorfwirtschaft theoretisch 1331 und praktisch zu lehren. Der N.-F. baut den Jemeniten Wohnhäuser, der „Kedem“ aber wird für sie Lesehallen errichten, Abendkurse gründen, um ihnen die Kenntnis der hebräischen Sprache, der Volkshygiene und anderer nützlicher Wissenschaften beizubringen, für ihre Kinder wiederum wird er Handwerksschulen und Kindergärten eröffnen, wird ihnen die hebräische Sprache mundgerecht machen und sie schöne Zionslieder lehren. Der N.-F. unterstützt die jüdischen Arbeiter, damit nicht unsere Bauern auf fremde Arbeitskräfte angewiesen seien; der „Kedem“ wird die heimischen Schulen unterstützen, damit nicht unsere Kinder gezwungen werden, die Missionsschulen zu besuchen. Die Tatsache, daß jüdische Eltern in Palästina gezwungen sind, aus Mangel an Schulen, ihre Kinder in die Missionsschulen zu schicken, ist ein nationales Unglück. Das ist keine Erziehung, das ist ein Skandal! Die Folgen sind unberechenbar und können unermeßlichen Schaden bringen, wenn wir nicht rechtzeitig eingreiten und unsere Schulen eröffnen, um das junge Geschlecht in unserem Sinne zu erziehen. Es ist hier am Platze, zu bemerken, daß der „Kedem“ nicht etwa Kulturprobleme als solche zu lösen beabsichtigt, er wird sich vielmehr als eine Kr ft betrachten, die berufen ist, die Anerkennung der politischen Nationalidee zu erstreben, in der palästinensischen Judenschaft den Ji schuw- Gedanken zu pflegen und ein junges Geschlecht heranzuerziehen, das mit dem Boden der Väter mit materiellen und mit moralischen Banden verknüpft ist. Der „Kedem“ wird zu allererst die Herausgabe von Lehr- und Lesebüchern für den Schul- und Selbstunterricht unternehmen. Diese Arbeit setzt aber eine andere voraus, d. i. die Vergrößerung des hebräischen Sprachschatzes. (Beifall.) Der große Mangel an modernen, technischen und alltäglichen Worten und Ausdrücken hemmt die Entwicklung der hebräischen Sprache. Unsere palästinensischen Lehrer waren die ersten, die sich für die schwere Arbeit, solche Wörter zu schaffen, organisiert haben. Wir sind ihnen für diese Grundsteinlegung für die nationale Spiachakademie herzlich dankbar. Jedoch sind ihre Kräfte in jeder Beziehung noch zu schwach, um Großes leisten zu können. Es müßte zu diesem Zwecke ein ganzes Synhedrion für hebräische Kultur und Sprachwissenschaft eingesetzt werden, eine wirkliche Akademie auf breiter wissenschaftlicher Basis und unter Mitarbeit aller jüdischen Gelehrten in Palästina und in der Diaspora. Diese Institution wird alsdann in allen hebräischen Sprachangelegenheiten die höchste Autorität vorstellen. (Beifall.) Es ist noch eine wichtige Frage auf der Tagesordnung: Die Frage der Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem. Es ist wahr, daß wir unserer studierenden Jugend im Golus nicht helfen können. Dagegen sind wir aber keineswegs der Pflicht enthoben, den Zöglingen unserer Gymnasien in Palästina den Weg zu ihren weiteren Studien zu bahnen. Die diesjährigen ersten Abiturienten des Jaffaer Gymnasiums sind die wirklichen nationalen Erstlingsfrüchte, die nationalen Bi kur im auf unserem pädagogischen Felde in Erez Israel. Und da unsere diesbezüglichen Pioniere und Bahnbrecher mit fast leeren Händen nach Palästina kamen und nur dank ihres unbeugsamen Willens und ihrer großen Opferwilligkeit diese Vorhalle der Wissenschaft, dieses hebräische Gymnasium entstehen konnte, so ist es auch unsere heiligste Pflichst, ihr nationales Werk fortzusetzen und für den Aufbau des eigentlichen Tempels der Wissenschaft zu sorgen, für unsere hebräische Universität! (Lebhafter Beifall.) Die Frage der Realisierung dieses Gedankens ist aus Mangel materieller wie auch wissenschaftlicher Kräfte vorläufig ein wenig schwierig und verwickelt. Darüber wird mein geehrter Freund, Herr Professor Weizmann, ein

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