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Die Welt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1330 - ^-—^g,-—BlETffiELT - -- - -- - Nr. 39 DER KULTURFONDS „KEDEM“ Referat für den XI. Kongreß von J. Feldstein eehrte Gesinnungsgenossen! Der X. Kongreß hat einen wichtigen Beschluß gefaßt, den die früheren Kongresse nicht zustande bringen konnten. Die Frage der hebräischen Kultur war für uns immer ein Stein des Anstoßes und darum pflegten wir sie immer von Konferenz zu Konferenz, von Kongreß zu Kongreß zu verschieben. Allein diese Frage reifte kraft ihres wirklichen inneren Lebens immer mehr heran, sodaß der X. Kongreß sie als ein vollkommen lebensfähiges Gebilde nicht mehr länger hinausschieben konnte und seinerzeit nach großen, hitzigen Diskussionen endgültig folgenden Beschluß faßte: „Der X. Kongreß fordert das Engere Aktionskomitee auf, die Kulturarbeit in Palästina und in den Nachbarländern zu ordnen und zu zentralisieren.“ Um diesen Beschluß auszuführen, wählte der vorjährige „kleine Kongreß“ eine Vorbereitungskommission von fünf Mitgliedern, die ein Organisationsstatut ausarbeiten sollten bezüglich eines eigenen Kulturvereins für Palästina. Aus den hier heute verteilten Prospekten ist ersichtlich, daß die Vorbereitungskommission ihre Pflicht gewissenhaft erfüllt hat. Der „Kedem“ ist gegründet und bald wird er auch seine praktischen Arbeiten beginnen, da er bereits in London als eine englische Gesellschaft die Sanktion der Regierung erlangt hat. (Beifall.) Um nun den geehrten Kongreß über das Wesen des „Kedem“ und sein Arbeitsprogramm, welches er seiner zionistischen, kulturellen und politischen Institution gesetzt hat, näher aufzuklären, müssen wir zuerst die frühere Zeit uns vor Augen halten, in welcher die kulturelle Frage sich in unserer nationalen Bewegung zu entwickeln begann und dabei auch die vielen Faktoren berücksichtigen, welche die Bedingungen für eine durch die Gründung einer eigenen Institution geregelten Kulturarbeit geschaffen haben. Wissenschaft und Lebenserfahrung haben uns gelehrt: Solange die Glieder der Nation nicht zu einem kulturellen sprachlichen Ganzen verbunden werden, ist es ihnen unmöglich, in ihrer sich lebendig entwickelnden Umgebung einen wichtigen Platz einzunehmen und ein wichtiger politischer und ökonomischer Faktor zu werden. Die Seele des Volkes ist die Sprache, in der die ganze geistige Kraft der Nation aufgespeichert liegt. Unser annormaler Zustand ist vielleicht weniger dem Mangel eines eigenen Bodens, als dem Umstand zuzuschreiben, daß wir unsere Sprache verloren haben und unserer nationalen Kultur entfremdet wurden. Durch einen beschämenden Verrat an der nationalen Sprache und das Sich-Anschmiegen an fremde Sprachen und Kulturen wurde unser nationales Band zerrissen, wurden unsere nationalen Kräfte zersplittert. Es ist eine Tatsache, daß die eigentliche Assimilation unserer Jugend ausschließlich in der unjüdischen, ja in der unhebräisch en Erziehung ihren Grund hat. Die Tatsache, daß nicht bloß in der Diaspora, sondern auch in Palästina die Juden sprachlich zersplittert sind, das ist die größte Tragik in der Geschichte unseres unglücklichen Volkes. Die Juden, welche nach Palästina kamen, bringen den Golusschmutz mit, ohne zu überlegen, daß durch die Sprachenzersplitterung die Erlösung der Kultur in eine weite Ferne gerückt wird. Statt einer einzigen, zentralisierten Nationalkraft haben wir dort Splitter, unzusammenhängend, ja sich gegenseitig bekämpfend. Diese traurige Erscheinung finden wir auch an den verschiedenen palästinensischen Schulen. Kot und Schmutz, eine babylonische Sprachverwirrung, — die Kinder, die Zöglinge verstehen einander So können z. B. die Zöglinge der französischen Alliance-Schulen ihre Kollegen, die Zöglinge der deutschen Schulen des „Hilfsvereines“, nicht verstehen, während diese beiden wiederum von ihren Kollegen aus der Schule der englischen Juden nicht verstanden werden. In letzter Zeit droht uns dort ein neues Uebel: Manche unserer Wohltäter wollen im Technikum zu Haifa als Unterrichtssprache die deutsche einführen. Und schwer, sehr schwer wird dadurch der nationale, zur Renaissance strebende jüdische Geist verletzt werden! So steht es mit unserer Vielsprachigkeit und unserer Gleichgültigkeit der nationalen Sprache gegenüber, die größtenteils bei unseren Alten sich eingenistet hat, die für das Erwachen im Osten keine Augen haben. Nichtsdestoweniger sehen wir, daß mit dem Anwachsen der jüdischen Kolonisation in Palästina auch die hebräische Sprache aufblüht. Wir kamen alle zur Ueberzeugung, daf nationale Renaissance ohne Sprachenrenaissance nicht denkbar ist. Wir müssen mindestens im Lande unserer Väter durch unsere alte Kultur und Sprache zu einem einzigen e i nh e i 11 i c h e n, allgemein-kulturellen Faktor verbunden werden, wenn wir dort als realpolitischer Machtfaktor gelten wollen. Durch unsere nationale und kulturelle Einheit wird unser Ansehen bei den Gastvölkern steigen und eine beschämende Assimilation von uns ferngehalten werden. Ja, noch eines! Wenn wir uns in Palästina von den fremden Sprachen frei machen und die hebräische souverän machen, dann werden wir auch ein anderes Uebel beheben; den Verdacht der im Oriente mit ihren Kulturen rivalisierenden Völker. In einem seiner herrlichen Gedichte besingt unser lieber Czernichowski die Tragik des jüdischen Geschicks: Zwei Juden ermorden einander im heiligen Kampf für ihre feindlichen Vaterländer . . . Wir sehen eine ähnliche Tragik auch in Friedenszeiten: Die Deutschen schlagen uns, weil wir böhmisch sprechen, die Tschechen — weil wir deutsch sprechen, die Polen wiederum verhängen einen Boykott über uns, weil wir russisch sprechen usw. Und etwas Aehnliches haben wir leider auch in Palästina. Bei den Engländern sind wir Germanisatoren, bei den Deutschen — französische Kulturträger usw. Führen wir aber Hebräisch ein, so verschwinden alle Verdächtigungen mit einem Male. (Beilall.) Es wird uns außerdem noch dereinst der sehr ehrenvolle Titel der wirklichen Kulturträger im Oriente zufallen, wenn wir durch unsere eigene, nicht bei Fremden erborgte Kultur und Sprache erstarken und vermittelst des reinen nationalen Sinnes unsere nationale Position kräftigen. Eben diese große Aufgabe einer geregelten Belebung der Sprache und Kultur in Palästina hat der „Kedem“ übernommen. Nicht als Emissäre fremder Kulturen kommen wir ins Land unserer Väter — wir sind die Abgesandten des Hebräervolkes und mutig und unerschrocken werden wir für unsere geistigen Güter und nationalen Errungenschaften kämpfen. Unseren Brüdern jedoch von der Rechten können wir im voraus ein beruhigendes Wort sagen: Der „Kedem“ kam nicht, um zu zerstören, sondern um zu bauen, um die geschiedenen Herzen zu einer lebendigen nationalen Einheit zu verbinden. Der „Kedem“ wird über allen Parteien stehen und ohne Unterschied die Meinungen und Ueberzeugungen eines jeden zu ehren und zu schätzen wissen. In seinem inneren Ausbau und in seiner juridischen Form gleicht der „Kedem“ dem „JüdischenNationalfonds“, und er kann auch mit Recht als sein jüngerer

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