Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 39 (26.9.1913)
- Date
- 1913-09-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 39 LT 1329 diejenigen Salonikier Juden, die vielleicht Saloniki verlassen sollten, sich nicht nach dem Auslande sondern nach andern Gebieten der Türkei wenden möchten. Waren es doch gerade die Juden von Saloniki, die während der letzten Krisen in so feiner Weise ihre Loyalität und ihre Anhänglichkeit an den türkischen Staat bewiesen haben, was unsere leitenden Männer wohl zu schätzen wissen.” — Wie verhält sich die türkische Regierung im allgemeinen und die türkische Bevölkerung '.den ‘Juden gegenüber? — „Die türkische Regierung hat ja von jeher den Juden gegenüber eine äußerst freundliche und wohlwollende Haltung eingenommen, und es ist bekannt, daß die Juden in der Türkei niemals unter ähnlichen Bedrückungen und Verfolgungen zu leiden hatten wie in den meisten anderen Ländern. Auch die Bevölkerung unseres Landes steht den Juden durchaus sympathisch gegenüber, und gerade die letzte Krise hat ja, wie ich eben bereits erwähnte, aufs Neue bewiesen, daß Volk und Regierung keine verläßlicheren Freunde als die ottomanischen Juden haben. Dieser Ueberzeugung ist auch S. M. der Sultan, der mich vor meiner Abreise in einer h a 1 b> - ständigen Audienz empfing, und im Gespräch d i e - senGedankenundGefühleninfreundlicher Weise Ausdruck gab. Ich habe selbstverständlich diese Gelegenheit benutzt, um Sr. Majestät zu sagen, daß es nicht nur ottomanische Juden waren, die ihre Loyalität gegenüber dem türkischen Staate und der ottomanischen Dynastie die größte Treue bewiesen haben, sondern daß die Juden der ganzen Welt ihre unzweideutige Sympathie und das Gefühl der Dankbarkeit für unser Land bezeugt haben, das die Juden seit Jahrhunderten mit größter Toleranz und Freundlichkeit behandelt hat. Ich hege auch für die Zukunft der Juden in unserem Lande die besten Hoffnungen. Wenn die Juden mehr als bisher sich der gründlichen Erlernung der türkischen Sprache widmen werden, so stehen ihnen alle Aemter des Staates offen, und sie können in diesen nicht nur dem Lande und der Regierung sondern auch ihren Brüdern wertvolle Dienste leisten. Das Verhältnis der Juden zur Bevölkerung und zu den Behörden wird dadurch nur noch inniger werden.” — Wie denken Eure Eminenz über die jüdische Einwanderung nach der Türkei? — „Ich bin überzeugt, daß die türkische Regierung eine jüdische Einwanderung nach allen Teilen des Reiches stets gern sehen wird, wenn sie gut organisiert und im Einklang mit den Interessen des Landes geleitet wird. Selbstverständlich kann der Regierung eine nur aus Paupers bestehende Einwanderung nicht erwünscht sein, und sie hat natürlich auch das größte Interesse . daran, daß die Einwanderer so rasch als möglich türkische Staatsangehörige werden. Sind diese beiden Bedingungen erfüllt, oder wird für ihre Erfüllung eine gewisse Garantie geboten, so werden jüdische Einwanderer in der Türkei sicher stets willkommen sein.” — Hatten Eure Eminenz bereits Gelegenheit, die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien Palästinas kennen zu lernen? — „Gewiß, ich habe erst kürzlich auf meiner „tournee pastorale” die jüdischen Kolonien Palästinas besucht und Gelegenheit gehabt, die großen Fortschritte der jüdischen Kolonisation zu konstatieren. Mit wahrer Freude habe ich die wunderbare Entwicklung der landwirtschaftlichen Kolonien Palästinas gesehen. Ehe Juden können mit Stolz auf die geleistete Arbeit hinweisen, die unserer Nation zur Ehre gereicht und dem Staat wie der einheimischen Bevölkerung von großem Nutzen ist. Können doch die jüdischen Kolonien als wirkliche Kulturstätten, als Muster von gutorganisierten modernen landwirtschaftlichen Siedlungen und als vorbildlich in der Ordnung des Gemeindelebens gelten. Auch der Staat hat davon nicht nur indirekt großen Nutzen, sondern ganz unmittelbar durch die starke Steigerung der Einnahmen aus Steuern etc. Was mich aber besonders erfreut und verwundert hat, das ist das merkwürdige Auf leben der hebräischen Sprache in Palästina, besonders in den Kolonien, wo sie schon heute zur lebendigen Umgangssprache geworden ist. In letzter Zeit wurde vielfach von einer Reise Seiner Kaiserlichen Hoheit, des türkischen Thronfolgers nach Palästina gesprochen. Wenn sich dieses Gerücht bestätigt, so werde ich nach meiner Rückkehr Gelegenheit nehmen, Seine Kaiserliche Hoheit zu bitten, bei dieser Reise auch die jüdischen Kolonien zu besuchen. Ich habe dabei einen doppelten Zweck im Auge. Erstens möchte ich natürlich gern, daß Seine Kaiserliche Hoheit und die in seinem Gefolge befindlichen Staatsmänner sich von der großen kulturellen Arbeit, die die Juden in Palästina geleistet haben, persönlich überzeugen und den Nutzen erkennen, der durch die Kolonisation der Juden dem ganzen Lande und der einheimischen Bevölkerung erwächst. Sodann aber möchte ich, daß die leitenden Staatsmänner die mustergütigen Verhältnisse der jüdischen Kolonien zum Vorbild nehmen bei der Ausgestaltung der Kolonisation der muselmanischen Einwanderer, die aus den ehemaligen europäisch-türkischen Provinzen nach der Türkei auswandern und angesiedelt werden müssen.” — Sind Eurer Eminenz die Verhandlnn gen des letzten Zionistenkongresses bekannt geworden? — „Ich habe den Kongreß nach den Depeschen verfolgt, die von allen türkischen Zeitungen gebracht wurden, und die ziemlich genau über den Verlauf der Verhandlungen berichteten, und es freut mich, sagen zu können, daß die Kongreßberichte in der türkischen Presse nirgends übelwollend kommentiert worden sind.” — Wie denken Eure Eminenz über die Möglichkeit und die Aussichten der geplanten jüdischen U niversität? — „Das Projekt hat natürlich durchaus meinen Beifall, und ich glaube, daß man ihm eine günstige Prognose stellen kann, wenn für seine Realisierung eine Form gefunden wird, die in Uebereinstimmung steht * mit den geltenden türkischen Gesetzen.” Damit hatte die Unterredung ihr Ende erreicht. Der Chacham Baschy hat seinen Aufenthalt in Berlin auch dazu benützt, dem Zionistischen Zentralbureau einen Besuch abzustatten, wo er im Gespräch mit den Mitgliedern des E. A. C. längere Zeit verweilte. The Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) Limited. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß zufolge eines Beschlusses des Direktoriums dieser Gesellschaft vom 31. August 1913, in Gemäßheit des § 136 a der Statuten alle diejenigen Beträge der am 12. August 1908 für das Jahr 1907 auf Coupon Nr. 4 zu 6 Pence pro £ 1.— Aktie erklärten Dividende, welche drei Jahre nach dem Datum dieser Bekanntmachung nicht behoben worden sind, verfallen und zugunsten der Gesellschaft verwendet werden sollen. Brook House, Walbrook, London E. C., den 15. September 1913. Im Aufträge des Direktoriums: H. Neumann, Sekretär.