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Die Welt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 39 DIE^ELT 1328 es uns auch gelingen, in unseren Kreisen deren Aktienkapital zu placieren, und da der Universitätsfonds ruhig fünfprozentige Agrarbankobligationen al pari übernehmen und sich mit einer jährlichen Amortisation von 1 o/0 begnügen kann, so wird auch für den palästinensischen Grundbesitzer die Annuitätenlast viel geringer, als wenn wir uns an die überaus schwierige Aufgabe machen müßten, Agrarbankobligationen im großen Publikum unterzubringen. Endlich glaube ich auch, daß der Universitätsfonds der größte Grundbesitzer der Zukunft in Jaffa, Haifa und Jerusalem selbst sein wird. Unter diesen Umständen bedeutet es nicht, wie manche unserer Besten befürchten, eine Lahmlegung unserer palästinensischen Kolonisation, wenn unsere Bewegung auf Jahre hinaus alle ihre Kräfte für die Universität anspannt; im Gegenteil, die Sammlung des Universitätsfonds ist, wie heute die Dinge liegen, die beste Arbeit für die Besitzergreifung auch des Landes. Schon aus zionistischen Kreisen werden uns für die Universität Summen zufließen, wie sie für keinen anderen Zweck erhältlich wären — haben doch eine Hand voll Leute auf dem Kongreß in drei Tagen 450 000 Francs gezeichnet, darunter zwei in Spenden von 100 000 Francs pro Kopf, also in einem Maßstab, der bisher in unserer Bewegung nicht üblich war — und auch die Nichtzionisten, sofern sie nur noch einen Funken Verständnis für die Entwickelung des Judentums haben, werden für die Universität in großem Umfange beisteuern. Mit der Universität Jerusalem ist aber auch die moralische, wirtschaftliche und physische Assanierung der Stadt Jerusalem selbst untrennbar verbunden. Wenn heute schon der Stadt Jaffa aus dem hebräischen Gymnasium Hunderttausende von Francs zufließen, so wird die Universität dem jüdischen Wirtschaftsleben Jerusalems eine Einnahmequelle von Millionen jährlich bringen, somit erheblich mehr als die Chalukka; dies bedeutet, daß mehrere Tausende jüdischer Familien Jerusalems aus der Universität einen sicheren und anständigen Erwerb ziehen werden, denen es heute an den Grundlagen einer Existenz mangelt. Je mehr man das Projekt der Universität Jerusalem durchdenkt, desto mehr muß man zu der Erkenntnis kommen, daß es tatsächlich im gegenwärtigen Augenblick das rechte Wort zu rechter Zeit war. Es bietet der zionistischen Organisation eine große Aufgabe, aber eine Aufgabe, die zu lösen ist, und die jeder von uns tatsächlich für sich selbst, für seine Kinder zu lösen hat. Die Universität Jerusalem bedeutet für die Nationalisierung des Judentums der Diaspora einerseits, für die Zivilisierung und Kolonisierung Palästinas andererseits das Größte und Höchste, was überhaupt zur Zeit zu leisten ist. Darum gilt es, schnell zu arbeiten und alle Kräfte anzuspannen, damit von vornherein ein glänzendes Ehrenzeugnis jüdischer Tatkraft, jüdischer Opferfreude und jüdischen Geistes im Lande der Väter geschaffen wird. EIN INTERVIEW MIT HAIM NAHUM Der Chacham Baschy über die Lage der türkischen Juden — Die jüdische Einwanderung nach der Türkei — Haim Nahums Ansichten über die jüdischen Kolonien Palästinas Der Großrabbiner der Türkei, Haim Nahum, hielt sich in dieser Woche einige Tage in Berlin auf und hatte die Liebenswürdigkeit, einen unserer Redakteure zu empfangen. Nachdem der Chacham Baschy sich in überaus freundlicher Weise bereit erklärt hatte, einige Fragen zu beantworten, erkundigte sich der Besucher naturgemäß zunächst nach dem besonderen Grunde der jetzigen Europa- Reise des Großrabbiners. „Der Zweck meiner Reise" — erklärte der Chacham Baschy — „ist ein doppelter. In erster Linie möchte ich den großen jüdischen Gesellschaften den Dank der ottomanischen Judenheit aussprechen für die Hilfe, die diese Gesellschaften ihr in der jüngsten Krise angedeihen ließen. Sie wissen natürlich, daß viele Juden während des Krieges zu einem großen Teil aus den von ihnen bewohnten Gebieten flüchten mußten, so aus Adrianopel, Kirkkilisse, Lüle Burgas, Volo etc. Sie sind zumeist nach Konstantinopel geflüchtet, wo wir elf Monate hindurch 3200 Seelen zu beherbergen hatten. Nun sind uns unsere Glaubensgenossen in Europa und Amerika zu Hilfe gekommen, denn wir allein mit unsem Mitteln konnten dem Unglück nicht steuern. Wir haben im Laufe dieser Zeit 350 000 Francs ausgegeben, die uns von, Europa aus zur Verfügung gestellt worden sind. Sie verstehen wohl, daß es unsere Pflicht war, unsem Glaubensgenossen, die uns in so edler Weise unterstützt haben, offiziell unsem Dank auszusprechen. Jetzt sind die Vertriebenen in ihre Heimat zurückgeschickt worden, Man muß ihnen nun aber weiter helfen, und diese weitere Hilfe zu organisieren, ist der zweite Zweck meiner Reise. Wir planen nämlich eine Kredit-Organisation, die Begründung einer Bank, die durch Kreditgewährung den kleinen Handwerkern und Kaufleuten, aus denen diese Familien zum großen Teil bestehen, zur Neugründung ihrer Existenz verhelfen soll. Wir haben die Statuten einer solchen Bank, und zwar als Aktiengesellschaft, bereits ausgearbeitet, und sie sind auch von der Regierung genehmigt worden. Ich hoffe, daß diese Institution, die in ganz ähnlicher Art in Rußland und Galizien so Hervorragendes geleistet hat, sich auch bei uns eben so sehr bewähren wird." — Wie steht es gegenwärtig mit der Lage der Juden in der Türkei? — „Es wird Ihnen bekannt sein, daß vor dem Kriege die Lage der Juden in der Türkei sehr günstig war und sich unter den neuen Verhältnissen gut weiter entwickelt hätte, wenn nicht dieser unglückselige Krieg dazwischen gekommen wäre. Naturgemäß haben in diesem Kriege auch die Juden viel gelitten, ganz besonders in den unmittelbar vom Kriege betroffenen Landstrichen. Ich bin jedoch sicher, daß es diesen Juden durch ihren Fleiß und ihre Ausdauer jetzt gelingen wird, in ihren alten Heimatsorten von neuem festen Fuß zu fassen und ihre wirtschaftliche Position — auch im Interesse des ganzen Landes — neu aufzubauen. Wenn der vorhin erwähnte Plan gelingt, eine Kreditorganisation zu schaffen, durch die sie in diesem Bestreben unterstützt werden, so hoffe ich, wird es nicht allzu lange dauern, bis die Juden die Folgen des Krieges überwunden haben werden. Bei dieser Gelegenheit will ich nicht unerwähnt lassen, daß auch die Regierung uns ihre Unterstützung hat angedeihen lassen. So hat die Regierung die Kosten der Repatrierung der Emigranten selber bestritten. In meinen Unterredungen mit den Chefs der Regierung habe ich vielfach den Wunsch vernommen, daß man alles aufbieten solle, damit evtl, die Auswanderungsbewegung nicht auch bei den Juden Platz greife. Außerdem haben mir gegenüber Vertreter der Regierung den Wunsch geäußert, daß

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