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Die Welt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE WELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRQ. BERLIN, 26. September 1913 urrfefc 'K b'bs 13 ,^13 Nr. 39. UNIVERSITÄT UND WIRTSCHAFTSPOLITIK Von Dr. H. G. Heymann Der Wiener Zionistenkongreß hat sich durch den Beschluß der Gründung einer hebräischen Universität in Jerusalem ein Denkmal aere perennius gesetzt. Die grundsätzliche Bedeutung dieses Schrittes ist hierbei so eingehend erörtert worden, daß ich mich im nachstehenden auf die Besprechung einzelner vornehmlich wirtschaftspolitischer Seiten des Planes beschränken will. Weizmann und Bendersky haben bezüglich der Bau- und Unterhaltungskosten Zahlen nach Analogie kleinerer Universitäten gegeben, die keine übermäßigen Summen erreichen, und vorgeschlagen, die Universität aus den vorhandenen Anfängen mannigfacher Institute langsam zu entwickeln. So sehr sich nun auf agronomischem Gebiete die Kleinkolonisation empfiehlt, soweit für Großkolonisation Menschen und Mittel fehlen, so erscheint die Uebertragung dieses Grundsatzes auf das Gebiet des höheren Schulwesens doch nicht angängig. Entweder man erzieht erstklassige Aerzte und Juristen, oder man lasse es. Gehobene Barbiere und Winkeladvokaten soll man auf unserer jüdischen Universität nicht ausbilden; dann wäre es schon besser, die bildungsdurstige Jugend des Orients geht wie bisher nach Europa, und die russischen Studenten versuchen noch einige Jahre länger, sich ihre Universitätsbildung zu verschaffen, wie es eben geht. Wir wollen in Jerusalem ein den großen Bildungsstätten Europasund Amerikas durchaus gleichwertiges Institut schaffen, auf das wir unsere Kinder in Ruhe schicken können, ohne Furcht, daß sie zu Pfuschern und Halbgebildeten erzogen werden. Wenn wir uns klar darüber werden, daß wir die Jerusalemer Universität in erster Linie als Zentralbildungsstätte für das gesamte Judentum der Diaspora, also für uns selbst erhoffen, und nicht für die primitiven Verhältnisse des heutigen Palästina, so muß die Universität auch unseren sehr hohen Ansprüchen angemessen sein, sonst hat sie keinen Zweck. Wir haben in der zionistischen Organisation bisher schon mehrfach Institute geschaffen, die viel zu klein waren und nachher sich organisch nicht weiter entwickeln konnten, wie z. B. den Jewish Colonial Trust und in gewissem Grade auch die Palestine Land Development Company; wir wollen dasselbe nicht nochmals tun. Daher müssen wir uns die Universität von Anfang an so groß als möglich vorstellen und dahin wirken, daß sie diesen Rahmen auch tatsächlich erhält. Im nachstehenden sei davon ausgegangen, daß es zu ihrer Begründung und Erhaltung eines Kapitals von fünfzig Millionen Mark bedarf, davon zehn Millionen für Bau und Einrichtung und vierzig Millionen als Unterhaltungsfonds, der zu 5 o/o jährlich zwei Millionen Mark abwirft. Die zehn Millionen werden für den einmaligen Zweck des Baues und der Einrichtung aufgebraucht; der Unterhaltungsfonds von vierzig Millionen Mark — also rund das Zwölffache unseres heutigen Nationalfonds — bleibt aber auf die Dauer erhalten und für alle rentablen Investitionszwecke' in Palästina verfügbar, also in erster Linie für Immobiliengeschäfte aller Art. Sind doch in allen Ländern die Universitäten mit die größten Grundbesitzer und bedeutet doch die Investition in palästinensischen Immobilien eine Anlage, die im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte in Folge der mit größter Sicherheit anzunehmenden Steigerung des Grund- und Bodenwertes sich ihrem Verkehrs- und Ertragswerte nach vervielfachen muß. Ob die Universität selbst Grundbesitz erwerben wird, oder ob sie sich für ihre Betätigung der Vermittelung besonderer Gesellschaften bedienen wird, ist eine spätere Sorge. Wahrscheinlich wird sowohl das eine wie das andere System Anwendung zu finden haben. Man wird natürlich die Erfahrungen unserer bisherigen Praxis zu berücksichtigen haben, insbesondere dem Universitätsfonds auch das Recht Vorbehalten, Grund und Boden wieder zu verkaufen, und auf die Einrichtung von Landwirtschaftsbetrieben für eigene Rechnung vorerst zu Gunsten des Nationalfonds verzichten, soll doch der Universitätsfonds nur rentable Geschäfte machen, da er seine Zinsen braucht. Wenn dieser Grundsatz auch auf das Strengste gewahrt werden muß, so bedeutet doch der Universitätsfonds — und sei er auch kleiner als vierzig Millionen Mark — eine Finanzkraft, die für die kolonisatorische Erschließung Palästinas die einschneidendste Bedeutung haben wird. Im Universitätsfonds sehe ich den zukünftigen Großaktionär und Großgeldgeber der Anglo- Palestine Company, der Immobiliengesellschaft Palästina, der aktiv gewordenen Palestine Land Development Company und endlich auch der Agrarbank, die überhaupt erst durch ihn wirklich lebensfähig werden kann. Wenn wir im Universitätsfonds einen sicheren Abnehmer für die Obligationen der Agrarbank haben werden, so wird

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