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Die Welt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · page 22

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1308 DIE3§KLT Selbstverständlich werde ich dann zu meinem größten Bedauern die Leitung des Nationalfonds in andere Hände legen müssen, da der Leiter des Nationalfonds unter allen Umständen an dem Orte wohnen muß, wo die Verwaltung ihren Sitz hat. Es ist auch in weiten Kreisen davon gesprochen worden, daß ich geneigt sei, meinen Wohnsitz nach Berlin za verlegen, um dem verschiedentlich geäußerten Wunsche nachzukommen, auch im Falle einer Verlegung des Bureaus die Leitung des Nationalfonds beibehalten zu können. (Lebhafter Beifall.) Wenn dies auch eine rein persönliche Sache ist, halte ich es doch für meine Pflicht, hierüber völlige Klarheit zu schaffen, ehe Sie ihre diesbezüglichen prinzipiellen Beschlüsse fassen. Verzeihen Sie, Sie müssen erst abwarten, was ich dazu zu sagen habe. Ihr Beifall ist für mich sehr wohltuend und erfreulich, kann mich aber doch nicht davon abhalten, Ihnen eine kleine Enttäuschung zu bereiten. Man hat mir angeboten, den Posten des Präsidenten des Nationalfonds zu besolden, und zwar in einer so weitherzigen Weise, daß mir eine Uebersiedlung materiell möglich gemacht werden könnte. Ich habe alle Anregungen in dieser Richtung rundweg abgeschlagen. Den Grund .möchte ich mit einem Worte erwähnen. Ich habe bisher meine Ehre darein gesetzt, die Arbeit für den Nationalfonds, die oft Zeit und Kraft in erheblicher Weise in Anspruch nahmen, ohne jedes - Entgelt im Ehrenamt zu verwalten. Nachdem ich diesen Standpunkt durch viele Jahre festgehalten habe, widerstrebt es meinem Empfinden in der Stellung als gewählter Präsident des Nationalfonds auf ein Gehalt durch den Nationalfonds meine Existenz aufzubauen. Ich habe auch den Eindruck, daß dies dem Nationalfonds selbst erheblichen Schaden bringen könnte. Der Vorsitzende des Nationalfonds befindet sich in dieser Hinsicht in einer exzeptionellen Lage. Ich bin durchaus nicht gegen das Prinzip der Honorierung der obersten Exekutivbehörde, ich würde es aber für einen großen Fehler halten, den Vorsitzenden des Nationalfonds zu besolden, der auf eine Sammeltätigkeit und eine opferwillige Leistung der Juden dir ganzen Welt gestellt ist. Er kann mit weit größerem Nachdruck an die Opferwilligkeit der Juden der ganzen Welt appellieren, wenn er selbst auch das Opfer bringt, Nr. 38 seine Zeit und Arbeitskraft dem Nationalfonds in uneigennütziger Weise zur Verfügung zu stellen. Wo aber auch der Sitz der Leitung sein mag, und wer sich immer an der Spitze derselben befinden möge, so möchte ich, da ich nicht weiß, ob ich noch die Gelegenheit habe, an autoritativer Stelle dies zu vertreten, die folgenden Grundsätze den Verwaltern des jüdischen Volksschatzes aufs wärmste ans Herz legen. Die Popularität, die sich der Nationalfonds erworben hat, beruht vor allem auf zwei Grundlagen: Erstens auf dem Zwecke, dem der Nationalfonds grundsätzlich dient, d. h., insbesondere der praktischen Ausgestaltung seines Arbeitsgebietes in Palästina, zweitens auf dem Vertrauen, welches sich das Direktorium durch die Vorsicht seiner Geschäftsführung und das strenge Festhalten an den statutarischen Vorschriften des Fonds erworben hat. Diese Popularität ist ein Hoffnungsanker für die Zukunft. Wir sehen, daß selbst Kreise, die dem Zionismus fernstehen, anfangen, zu dem Ernst unserer Arbeit und dem Segen, der durch dieselbe gestiftet wird, Zutrauen zu gewinnen, so daß wir die Ueberzeugung haben, daß der Fonds nicht nur ein Vermögen ist, das dem ganzen jüdischen Volke dient, sondern auch von den Juden der ganzen Welt ohne Unterschied der religiösen oder politischen Gesinnung gesammelt wird. So wird einmal der jüdische Nationalfonds einen Sammelpunkt der gesamten Judenheit nicht nur in der Theorie, sondern in der Wirklichkeit bieten, um zukünftigen Geschlechtern den Segen unserer Arbeit zu übermitteln. Und nun nach diesen Ausführungen habe ich wohl das Recht, an ihre weitere Mitwirkung für die Vergrößerung des Nationalfonds auf das energischeste zu appellieren. Gewaltige Aufgaben stehen uns in Palästina bevor. Die Entwicklung der Dinge läßt erwarten, daß der Nationalfonds schon in naher Zeit berufen ist, richtunggebend für die Entwicklung der Kolonisation in Palästina aufzutreten. Für die größte dieser Aufgaben sind die uns jetzt zur Verfügung stehenden Summen eine unbeachtliche Bagatelle und es ist jetzt Eure Pflicht, in allen Ländern mit der größten Energie und Opferwilligkeit die Organisation auszubauen, die dazu dienen soll, Palästina zu einem blühenden Garten für das jüdische Volk zu machen. (Lange anhaltender, stürmischer Beifall.) JÜDISCHE KULTURARBEIT IN PALÄSTINA Hebräisches Referat für den XI. Kongreß von M. Ussischkin Drei Dinge sind es, die die Grundlage jeder nationalen Gemeinschaft bilden: der Boden, die produktive Arbeit und die Kultur. Ein Volk, das im Besitze dieser drei Dinge ist, das seinen eigenen Boden hat, diesen selbst bebaut und seiner eigenen Kultur lebt, ist ein gesundes normales Volk. Ein Volk, dem diese drei nationalen Güter abhanden gekommen sind, hat zu existieren aufgehört. Ein Volk, das das eine oder das andere dieser Güter ganz oder zum Teil eingebüßt hat, ist ein krankes Volk und bedarf der Heilung. Unser Volk ist ein solches krankes Volk. Unseren Boden, unser Land besitzen wir nur in der geschichtlichen Erinnerung und in der Hoffnung auf die Zukunft, nicht aber in der Gegenwart. Unsere produktive Arbeit ist auf wenige Gebiete beschränkt, während der wichtigste Zweig dieser Arbeit, der Ackerbau, uns nicht mehr blüht. Unsere Kultur ist eine Rumpfkultur. Unsere nationale Sprache ist bloß die Sprache der Vergangenheit und des Buches, nicht aber die lebendige Volkssprache. Neben eigener Religion und Sitte ist es die Sitte verschiedener Völker und verschiedener Kulturperioden, die wir uns angeeignet haben und die wichtige Bestandteile unseres Kulturlebens ausmacht. Nun kam der Zionismus und wollte die Krankheit des Volkes heilen. Er stellte sich zur Aufgabe, dem Volke das Land wiederzugeben, es zu produktiver Arbeit und zur eigenen Kultur zurückzuführen, damit es wiederum ein gesundes, normales Volksleben führe wie damals. So hatte sich der Zionismus auf all diesen Gebieten Aufgaben gestellt. Er wollte das Volk auf all diesen Gebieten aufrichten, in der Erkenntnis, daß all diese Dinge — Land, Arbeit und Sprache — unumgängliche Voraussetzungen der Gesundung des Volkes sind. Bezüglich der Wichtigkeit aller dieser Aufgaben konnte, was die Palästina-Arbeit anbetrifft, gar kein Zweifel auf kommen. In dem Moment, wo wir ein weiteres Dunam Land erwerben, setzt auch die entsprechende Kulturarbeit ein. Deshalb geht auch in Palästina die kolonisatorische und kulturelle Arbeit Hand in Hand. Und es gibt hier kein „Zunächst“ und „Sodann.“ Aus diesem Grunde waren die Freunde und Anhänger der Kolonisationsarbeit immer auch Freunde

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