Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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lebhafteste verlangen und ein System der Heranbildung von Arbeitern in den Farmen des Nationalfonds vertreten. Immerhin möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß mir die Beschlösse der Poale Zion sowie des „Hapoel Hazair“ über das System einer Ausbildung der Arbeiter recht beachtenswert erscheinen. Auch mir ist der Gedanke sehr sympathisch, auf den Farmen des Nationalfonds und ebenso der Siedlungsgesellschaft nur Arbeiter aufzunehmen, die sich bereits landwirtschaftlich in den Kolonien betätigt haben. Wie mir aber von sachverständiger Seite mitgeteilt wird, ist leider eine mehrjährige Beschäftigung von Arbeitern in unseren jetzigen Pflanzungskolonien noch kein hinreichender Beweis für eine genügende landwirtschaftliche Vorbildung zum Zwecke einer speziellen Ausbildung auf unseren Wirtschaften. Durch die Einrichtung von Wirtschaften, die vorbildlich sein sollen für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, dürfte es vielleicht dennoch möglich sein, die Arbeiter in der Erwerbung von Spezialkenntnissen zu fördern. Ich kann aber bei der Betrachtung dieser sowie der von Herrn Wilkansky gemachten Vorschläge bezüglich der Heranbildung von Kleinbauern eine Bemerkung nicht unterdrücken, die ich auch schon früher gemacht habe. Es besteht durchaus keine Notwendigkeit, mit solchen Vorschlägen zu warten, bis ein Kongreß Zusammentritt. Wir brauchen die große Pauke des Kongresses durchaus nicht, um solche soziale und wirtschaftliche Probleme in wohlwollendster Weise zu untersuchen und auf ihre Verwendbarkeit zu prüfen. Das Direktorium des Nationalfonds ist eine Körperschaft, die ständig daran arbeitet, ihre Einrichtungen in Palästina zu vervollkommnen und die gern die Mitarbeit jeder Person oder jeder Organisation annimmt, welche nützliche Vorschläge in dieser Richtung zu machen bereit ist. Wir begrüßen eine solche freiwillige Mitarbeit auf das allerfreudigste und sind überzeugt, daß dieselbe unserer allgemeinen Sache nur dienen kann. Wenn aber derartige Vorschläge bis zu einem Kongreß verschoben werden, entsteht ein doppelter Schaden: 1. Ist es unmöglich, diese Fragen bis zum Kongreß genügend vorzuprüfen, um eine sachliche Entscheidung auf dem Kongreß treffen zu können. 2. Könnte leicht der Eindruck entstehen, als ob man an die Verwaltung des Nationalfonds vergeblich mit diesen Vorschlägen herangetreten wäre, und dieselben dort keinerlei Beachtung gefunden hätten, weshalb es notwendig wäre, sich auf die Tribüne des Kongresses zu flüchten. Diese Tribüne ist meines Erachtens nur zur Erörterung von prinzipiellen Fragen gegeben, nicht aber von solchen wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit und Verwaltungstechnik, die einer ruhigen und gründlichen Prüfung bedürfen, wozu die Zeit und die übrigen Arbeitsnotwendigkeiten des Kongresses in keiner Weise die Möglichkeit bieten. Jedenfalls habe ich die große Genugtuung bei meiner Reise durch unsere Kolonien empfunden, daß man allenthalben der Arbeit des J. N. F. volle Anerkennung zollt, und habe ich hieraus die Ueberzeugung geschöpft, daß wir uns auf dem richtigen Wege befinden. Wenn auch hie und da bei unseren Versuchen ein Fehler gemacht worden sein sollte. Ich komme nun in aller Kürze zu einer Frage, welche die Oeffentlichkeit in den letzten Wochen beschäftigt hat. Es ist bekannt geworden, daß das Engere A. C. den Plan einer größeren Zentralisation unserer Arbeit auch dadurch zu verwirklichen strebt, daß es dem Gedanken einer Vereinigung des Nationalfondsbureaus mit dem Zentralbureau in Berlin nähergetreten ist. Entsprechend den Wünschen des Engeren A. C. sind denn auch Beschlüsse auf den einzelnen Distriktsversammlungen von zionistischen Vertrauensmännern gefaßt worden. Auch in Landsmannschaften hat man diese Frage bereits erörtert. Ich halte es daher für meine Pflicht, meine Stellungnahme zu dieser Frage in voller Klarheit zum Ausdruck zu bringen. Die Frage, um die es sich hier handelt, hat ihre prinzipielle und praktische Seite. Ueber das Prinzip, das mit der Frage der Vereinigung unserer Verwaltungsinstitute und dem A. C. zusammenhängt, will ich an dieser Stelle nicht sprechen. Hierzu wird wohl noch Gelegenheit vorhanden sein, wie ja überhaupt leider der Kongreß viel zu sehr mit Prinzipienfragen beschäftigt ist, um sich der Erörterung unserer praktischen Aufgaben mit genügender Ruhe zu widmen. Wenn man aber auch prinzipiell den Standpunkt der Zentralisation vertritt, so ist die Frage der praktischen Durchführung dieses Prinzips dennoch eine erst noch zu prüfende Frage der Zweckmäßigkeit. Was nun diese Frage der Zweckmäßigkeit betrifft, so sprechen gewiß manche gewichtige Umstände für eine Vereinigung des Nationalfondsbureaus mit den Bureaus in Berlin. Es ist einleuchtend, daß eine solche Vereinigung an einem Orte die Arbeiten erleichtern wird. Absolut zwingend erscheinen mir die Momente für eine solche Uebersiedlung nicht, da ich glaube, daß auch bisher die Arbeit befriedigend gefördert werden konnte, wenn auch die Teilung der Bureaus die Ueberwindung einiger Schwierigkeiten und Reibungsflächen erforderte, wie es in größerem oder geringerem Maße immer der Fall sein wird, wenn verschiedene Verwaltungszweige nebeneinander arbeiten. Es ist aber auch bei den Beratungen in den Landsmannschafts-Sitzungen davon die Rede gewesen, daß mit der Uebersiedlung eine Verbilligung der Verwaltungskosten möglich sei. Das halte ich für einen Irrtum, dem ich entgegen treten möchte. Die Arbeitskräfte aller unserer besoldeten Beamten ist zurzeit voll ausgenutzt und sind dieselben sogar zeitweilig bis zur Erschöpfung tätig. Außerdem bilden die Ausgaben unseres Hauptbüros nur einen kleinen Teil unserer allgemeinen Verwaltungskosten. Sie betragen etwa M. 50.000, was noch nicht acht Prozent der gesamten Spendenerträgnisse ausmacht. Unsere bedeutenden Verwaltungsspesen erwachsen dadurch, daß wir die gesamte Last des Palästinaamtes auf unsere Schultern genommen haben, was zirka M. 30.000 ausmacht. Einen weiteren Posten machen die Subventionen aus, die der Nationalfonds zur Entlastung des A. C. für gewisse Institute gewährt, wie z. B. das Technikum in Haifa und der Bezalel in Jerusalem. Den größten Posten machen die Ausgaben für die Sammelstellen in den verschiedenen Ländern mit zirka M. 90.000 aus. Die Kosten des Palästinaamtes, die Subventionen und die Sammelstellen werden durch die Verlegung des Bureaus überhaupt nicht berührt. Würden die Spenden, die heute zum größten Teil sich aus Hellern, Groschen, Mark und Kronen zusammensetzen, durch Zuwendung von letztwilligen Verfügungen und Stiftungen sich erhöhen, so würde sich der Prozentsatz der Ausgaben in Köln noch wesentlich ermäßigen, was ich an dieser Stelle besonders betonen möchte. Mit der Verlegung des Stitzes nach Berlin hat das natürlich nicht das geringste zu tun. Ich fürchte aber, daß eine Erhöhung der Bureauausgaben dadurch entstehen könnte, daß der Posten eines besoldeten Direktors geschaffen werden muß, da nicht anzunehmen ist, daß sich in Berlin eine Person findet, die einen erheblichen Teil ihrer Kraft und Zeit im Ehrenamte dieser Aufgabe widmet. Ueber die Höhe eines solchen Ausgabepostens möchte ich hier auch nicht andeutungsweise sprechen. Ich glaube nicht, daß aus diesem Grunde eine Notwendigkeit für die Verlegung gegeben sein würde. Eine Beschlußfassung in dieser Frage ist jederzeit durch die Generalversammlung des Nationalfonds möglich, die selbstverständlich die in Betracht kommenden Umstände auf das sorgfältigste und gewissenhafteste erwägen wird. Praktisch ist die Uebersiedlung ohne Schwierigkeit durchzuführen, und es wird möglich sein, wenn die Generalversammlung einen solchen Beschluß faßt, das Bureau in der Zeit von wenigen Wochen ohne Störung unserer Arbeit nach Berlin zu verlegen.